Familienleben Kolumne

Zu viel des Guten: Schule, Sommerferien, Stress

Schon letztes Jahr habe ich den Vergleich gezogen: Das Ende eines Schuljahrs klingt genauso aus wie das Ende eines Kalenderjahres: in einem Feuerwerk an Höhepunkten in Form von Aktivitäten und Festivitäten. Es finden Sporttage statt, Ausflüge, Schülerkonzerte und Theateraufführungen, Baditage, Projekt­wochen, Schulreisen, Grillabende und Verabschiedungen – das ganze Jahr scheint nur aus diesen letzten Wochen vor der Sommerpause zu bestehen, so viel wird da jedes Mal reingepackt.

Natürlich ist dies verdankenswert, denn es ist alles andere als selbstverständlich, dass die Schule so viel Tolles auf die Beine stellt. Aber so, wie ich mir lieber einen ruhigeren Ausklang des Kalenderjahres wünschte, so wäre für mich persönlich etwas weniger Aktivismus vor dem Schuljahresende mehr. Auch aus Kinderoptik.

Ich mag ihnen den geballten Spass vor den Sommerferien ja gönnen, ich frage mich einfach, wie viel von jeder einzelnen, stets als Highlight bezeichneten Aktivität am Ende hängen bleibt. Was ist für Kinder noch wirklich speziell, wenn sie von Höhepunkt zu Höhepunkt hüpfen? Wird die sonst so verschriene Spassgesellschaft nicht auch dadurch angeheizt? Wie langweilig muss sich der Schulbeginn im August anfühlen, wenn nicht mehr jede Woche mindestens etwas Lustiges stattfindet?

Ich weiss nicht, vielleicht sehe ich das zu eng. Aber seinerzeit gabs bei uns im Sommerhalbjahr einen Sporttag und eine Schulreise. Und vor den langen Sommerferien las uns die Lehrerin in der allerletzten Stunde am Samstagvormittag (!) als absolutes Highlight etwas vor. Nicht mehr und nicht weniger, bevor wir dann alle – mindestens so glücklich wie die Kinder heute – in die lange Sommerpause entlassen wurden!

immer mittwochs im Tagblatt der Stadt Zürich

Wie sieht es bei euch aus?

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3 Kommentare

  • Lisa Bärtschi
    13. Juli 2016 at 07:19

    Liebe Rita, das geht mir genau gleich! Auch meine Kids (11 und 9,5) haben momentan viel um die Ohren…;-) Hast Du Dir schon mal überlegt, ein Buch mit Deinen Kolumnen zu schreiben? Ich wäre die erste, die eins kaufen würde…Liebe Grüsse Lisa

  • Rita Angelone
    13. Juli 2016 at 07:40

    Liebe Lisa!!! Danke für deinen Kommentar und für dein Lob! Vielleicht magst du das gleich auf die Tagblatt-Seite als Kommentar hinterlegen? Weil weisst du, ich habe das Gefühl, dass so viele Eltern genauso denken – nur niemand wagt es irgendwie zu hinterfragen. Man will ja niemandem zu nahe treten und schluckt das einfach von Jahr zu Jahr immer wieder einfach runter…. Aber am Schluss ist niemandem gedient: Die Lehrer ächzen, die Eltern ächzen und die Kinder checken am Schluss gar nichts mehr vor lauter Zeugs…
    Und ja, ein Kolumnenbuch wäre immer noch ein Traum, den ich mir irgendwann einmal verwirklichen werde. Danke für dein Lob!

  • Lisa Bärtschi
    13. Juli 2016 at 13:03

    Liebe Rita, den Kommentar habe ich gerade beim Tagblatt abgegeben 🙂 Ich finde es toll, wie Du schreibst und uns eine Stimme durch Deine tollen Kolumnen gibst!!

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