Familienleben Kolumne

Wo führt das hin, Whattaf**k?

Seit dem «vaffanculo» – dem ersten richtig üblen Schimpfwort, das unsere Buben vom Kindergarten mit nach Hause genommen haben – sind einige Jahre vergangen. Ich hatte damals schon berichtet, dass mich das zwar für einen Moment sprachlos zurückliess, aber im Grunde genommen nicht wirklich überraschte. Ich wusste ja, dass man irgendwann den Kontrollverlust in Sachen Sprache zu spüren bekommen würde.

Schon fast niedlich erscheinen mir heute die damals als «recht heavy» betrachteten Ausdrücke wie «Scheisse», «Arschloch» oder «Whattafuck». Dabei war das alles noch Pipifax, verglichen mit den Kraftausdrücken, mit denen sie heute um sich werfen. Unsere Buben sind auch längst nicht die Einzigen. Dies sage ich jetzt auch nicht, um die beiden und mich als Erzieherin rauszunehmen, ganz und gar nicht. Ich sage das, weil mich diese allgemeine Sprachentwicklung mehr als nur irritiert.

Gemäss Psychologen und Sprachforschern gehören sprachliche Entgleisungen bei Kindern und Jugendlichen zur Entwicklung dazu, und wenn sie dann ihre «Selbstfindungs- und Abgrenzungsphase» hinter sich haben, mässige sich ihre Ausdrucksweise wieder.

Doch das Gegenteil ist in unserer Gesellschaft der Fall: Fluch- und Schimpfwörter sowie obszöne Kraftausdrücke werden heute inflationär verwendet und verharmlost – auch von längst Erwachsenen. «Mongo», «Hure», «Schlappschwanz» – diese und andere üble Beschimpfungen – haben gemäss «20 Minuten» in den letzten Jahren in der Schweiz stark zugenommen.

Wo führt das hin? Ich sage euch, wohin: zum Beispiel zu Kleidern, die Namen wie Pimmel, Glitzermuschi oder Perverser tragen und derzeit in der Schweiz der Renner sind. Aber dazu nächste Woche mehr?.?.?. Ich bin jetzt nämlich vollends sprachlos.

immer mittwochs im Tagblatt der Stadt Zürich

Was denkt ihr gerade? Wohin führt das alles noch aus eurer Sicht?

Weitere Beiträge passend zum Thema:

Dies koennte dir ebenfalls gefallen

2 Kommentare

  • Götschi Andreas
    5. April 2017 at 08:26

    solche „Kraftausdrücke“ hab ich auf Pausenplätzen – Spielplätzen auch schon gehört – leider ist das schon alltäglich. die heutigen Kinder und Jugendliche sind einfach schon ein bisschen verwöhnt und es geht ihnen zu gut. anders herum gesagt wird auch viel mehr von ihnen verlangt als zu früherer Zeit! aber das mit diesen Ausdrücken wie Huere – Mongo – Pisser usw. stimmt einem schon bedenklich. ich erinnere mich an vor cirka sechs Jahre als ich auf einem Spielplatz folgendes hörte von einem zehn jährigen Buben zu anderen Gspänli ( Mädchen und Buben im gleichen Alter) : wenn das ned sini Schwöschter wär chönnte si zäme Figge!!! ich glaubte ich höre nicht recht. ein Mädel in der Gruppe war meine ehemalige Stieftochter (die mich – aus mir unbekannten Gründen hasste und mir das Leben schwer machte) und ihre beste Kollegin. als ich später mit dem Vater der Kollegin darüber sprach sagte er bloss : ja das ist halt die heutige Jugend – mehr nicht. meine damalige Frau meinte : das ist nur Gerede. da muss ich mich fragen – in was für einer Welt leben wir und wo führt das hin??? Hä? Kleider mit Namen wie Pimmel – Glitzermuschi – Perverser? das gibt es doch nicht oder? auf jeden Fall hab ich noch nie von so was gehört – das kann doch nur ein Scherz sein! das ist/wäre schockierend und man sollte die „Macher“ der Namensgeber verurteilen! also das macht wirklich Sprachlos! in Anlehnung an Giovanni Trappatoni sag ich : ich habe fertig!

  • Ruth Obrist
    5. April 2017 at 20:57

    Wenn meine Enkelkinder mit zu unflātigen Ausdrūcken hantieren wūrden, wūrde ich wahrscheinlich mit einem „Herrgott Sternesiech“ ausrufen, dass bei mir zu Hause gewisse Kraftausdrücke zulāssig sind, und andere nicht. Mein Vater hatte auch die etwas krassere Ausdrucksweise als meine Mutter, aber es gibt Grenzen, und die muss man durchsetzen, solange man sie für richtig hālt.

Hinterlasse eine Nachricht

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.