Familienleben Teenager und Pubertät

Vom Bravo zum Sex-Koffer und zur Sex-Box

Ab dem neuen Schuljahr steht in Basel Sexualkunde obligatorisch auf dem Stundenplan. Sex-Koffer und Sex-Box sollen dabei als Hilfs­mittel für den Aufklärungsunterricht eingesetzt werden.

Der Koffer ist für die Kleinen bestimmt. Sein Inhalt: Puppen, Puzzles, Bücher und anderes Lehrmaterial für Vier- bis Zehnjährige. In die Box dürfen hingegen erst die älteren ­Kinder gucken: Sie enthält Film­material zur Aufklärung, Holzpenisse in allen erdenklichen Längen und Dicken sowie eine künstliche Vagina.

Ausserdem soll das gern gespielte «Dök­terle» offiziell betrieben werden. «Dass Kinder in diesem Alter Lust empfinden, ist normal. Das darf man nicht abklemmen – sonst kann sich das negativ auf die Entwicklung auswirken», so ein ehemaliger Kindergärtner.

Nicht nur in Basler Schulen geht man unverkrampft mit dem Thema Sex um: Auch in den Kantonen St. Gallen und Appenzell kennt man in vielen Schulhäusern den sogenannten Sexteppich – eine bunte Collage aus Papierschnipseln mit obszönen Begriffen wie «ficken», «bumsen», «knallen», der ebenfalls als Hilfsmittel für die Aufklärung eingesetzt wird.

Die restliche Schweiz erwartet ab 2014 ein staatlich verordneter, obligatorischer Sexunterricht.

Was halten Sie davon? Gehört Aufklärung bereits in den Kindergarten? Ist diese Art von Aufklärung zu offensiv? Ist Aufklärung Sache der Schule oder der Eltern?

Und hier findet ihr weitere Blog-Beiträge, die wir zum Thema verfasst haben:

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11 Kommentare

  • Rosemarie Mopanda
    26. Juli 2011 at 15:31

    Sexualaufklärung gehört m.E. nicht in die Schule, schon gar nicht in den Kindergarten und noch weniger mit Sex-Boxen! Die Aufklärung ist Sache der Eltern und wenn diese es nicht tun (können), sollte evtl. die Lehrperson mit ihnen sprechen und sie auf die Notwendigkeit hinweisen. Es kann im Notfall eine geeignete Person gesucht werden, aber generell ein Schulfach einzurichten, das sich mit der sex. Aufklärung befasst, empfinde ich als Uebergriff in die persönliche u. familiäre Intimität. Für den Umgang mit Internet (Konsum), Handy, Gewalt, Geld u.ä. findet die Schule keine Zeit, aber da möchte sie sich plötzlich einmischen und braucht sogar teilweise Pornosprache!? Die Kinder sind den Unterrichtenden und deren Werte ausge-liefert. Unsere 16-jährig erzählte, dass der Lehrer ihnen als Schlusspunkt mitgab: „Uebung macht den Meister“, um ein glückliches Sexualleben zu haben. Die Mädchen müssen dann damit leben, wenn sie schwanger werden und früh ein Kind haben od. aber abtreiben!! „Einen schlafenden Hund sollte man nicht aufwecken, wenn man nicht gebissen werden will“

  • Rita Angelone
    26. Juli 2011 at 16:15

    Danke für dein ausführliches Feedback!

  • Engel
    29. Juli 2011 at 11:20

    Ich finde es total überflüssig einem 4 jährigen „lust“ zu zeigen. Warum kann ein kind nicht mer kind sein? Früher wurden die „kinder“ mit 14 oder so, augeklärt. Es gab nicht mehr tinis die schwanger wurden. Ich finde auch dass das „tökterle“ gehört hinter die verschlossene tür. Es weiss jede mutter, dass das die kinder machen aber es ist „verboten“ und da ist auch der reiz da. Bei unserer generation hat es auch funktioniert, warum muss man das endern? Warum muss die schule das machen? Ist doch eltern sache. Wie were es mit einem obligatorischen kurs für eltern? Wie kläre ich mein kind auf? Oder so

  • Rita Angelone
    29. Juli 2011 at 11:24

    Ja, ich finde auch, dass es ein heikles Thema ist und dass man sich wirklich gut überlegen muss, ob man nicht zu früh an Themen heran geht, die die Kinder auch gar noch nicht interessieren. Darin sehe ich das Hauptproblem. Wenn das Thema irgendwann, wenn sie etwas älter sind, unter den Nägeln brennt – okay, dann passt die Aufklärung. Aber im Kindergarten finde ich es einfach unnötig.

  • ivi
    9. August 2011 at 18:08

    Ich war empört darüber als ich das mit der Sexbox erfahren habe. Irgendwann einmal gidb es wirklich keine grenzen mehr und Kindesmissbrauch wird als normal degradiert. Für mich gehört die Aufklährung ins Familienthema nicht an die Schule und noch weniger in den Kindergarten. Meine Tochter ist noch so „unverdorben“. Natürlich würde bei ihr auch die Neugierde geweckt, wenn sie für ihr Alter schon zuviel weiss. Die Eltern können, Glaube ich, am Besten abschätzen wie weit oder reif ihr Kind für dieses heikle Thema ist. Es geht hier nicht um Mathematik sonder um das absolut intiemste, das ein Mensch besitzt!

  • Rita Angelone
    10. August 2011 at 12:26

    Liebe Ivi, danke für deinen Input. Meine Buben sind auch noch so extrem unverdorben und ich möchte nicht, dass dies von Aussen her zu rasch und zu direkt verändert wird. Im Moment beschäftigt sich unser Grosser (5) erst mit dem Thema Freundschaft und hat in den Ferien auch ein wenig zu spüren bekommen wie es ist, wenn man sich in ein herziges Mädchen, das aber schon recht „aufgeklärt und abgeklärt“ ist, verguckt und die Freundschaft nicht wirklich erwidert wird. Sexkoffer muss er im Moment wirklich nicht kennen. Es sind im Moment die viel subtileren Themen, mit denen er lernen muss umzugehen.

  • Anne-Marie
    25. August 2011 at 13:36

    Ich finde es ganz wichtig, dass ALLE Kinder in den Genuss von Sexualinformationen kommen und zwar ab dem Kindergartenalter. Das dient insbesondere AUCH der Prävention von sexuellem Missbrauch (von in- und ausserhalb der Familie).

  • Rösli
    25. August 2011 at 19:23

    ich kann mich noch dran erinnern, wie meine mutter meine schwester aufklärte und ich dabei sass. ich nahm die worte auf. wir hatten bücher von der bibliothek wo alles abgebildet war und meine schwester und ich konnten DAS BUCH LANG ANSCHAUEN UND DARÜBER FACHSIMPELN. ICH DENKE ICH WAR 7 JAHRE ALT. in der schule kam das thema in der 5.klasse, ich weiss noch,wie ich mich schämte. unvorstellbar wäre ich nicht von meiner mutter aufgeklärt worden. im kindergarten kann man doch nichts damit anfangen. wichtiger wäre es, die kinder zu schulen, nicht mit fremden mitzugehen und dass ihre sexualorgane tabu sind für andere.

  • Rita Angelone
    26. August 2011 at 06:56

    Guten Tag Anne-Marie, ich bin auch der Meinung, dass alle Kinder diese Informationen erhalten sollen. Ich bin einfach immer noch nicht überzeugt, dass dies im Kindergarten schon ein Thema ist. Prävention gegen sexuellen Missbrauch auch innerhalb der Familie ist m.E. nicht gelöst mit dem Sex-Koffer. Hier fehlen mir einfach Gründe und Argumente, weshalb bereits im Kindergartenalter ein Thema auf den Tisch kommen soll, dass einige Kinder überhaupt noch nicht interessiert. Ich bin offen, darüber zu diskutieren und mehr zu erfahren.

  • Sandro
    27. August 2011 at 10:15

    hmm… darf ich als Mann auch was sagen? eigentlich wurde ich relativ „streng“ und auch mit einer gewissen Prüderie erzogen. Sex war, war & ist für meine Eltern, ganz klar was tolles, schönes aber auch ganz klar nur was für verheiratete Paare. Aufgeklärt wurde ich von meinem Vater… eh zu spät denn ich hatte mein erstes Mal schon hinter mir (nicht wirklich ein tolles Erlebnis wenn’s einfach so im Heustock passiert… ;-( somit denke ich, dass es wichtig ist die Dinge immer kinder- gerecht & portionenweise vorzubringen, das Gespür zu behalten was mein Kind nun für Informationen braucht, will & verdauen kann.
    Als „Fastvater“ (so nennen mich unsere Kinder (17 & 15) aus der Erst-Ehe meiner Partnerin) habe ich die „institutionalisierte“ Aufklärung meiner Partnerin überlassen. Bei den Tisch-Themen die jeweils aufkamen konnten wir jedoch problemlos und offen darüber reden. Wichtigste Erkenntnis: Nicht überfordern, nicht wertend oder urteilend sein (seine eigenen Werte kann man dann schon noch vermitteln!) in diesem Gesprächsmoment, offen sein auch für andere Meinungen!
    Für mich war es auch ganz wichtig, dass unser näheres Umfeld sich richtig „benimmt“. Einmal war über Monate hinweg immer wieder eine gewisse Homophobie spürbar (Witze, dumme Sprüche, etc. über Schwule und so…). Das musste ich mal entschieden abklemmen, denn nie, nie wollte ich in Gefahr kommen, dass eines unserer Kinder nicht Hetro ist und dann keinen Mut hat dies uns zu offenbaren weil es denkt wir würden es verurteilen.
    Also, wirklich möglichst natürlich und neutral mit dem Thema umgehen, nichts tabuisieren, nichts verdammen, nichts lächerlich machen! Sex ist die schönste Sache der Welt wenn man locker und „beschwerdefrei“ damit umgehen kann. Und Eltern haben hier einen grossen Einfluss wie dies für unsere Kinder als Erwachsene sein kann.

  • Rita Angelone
    27. August 2011 at 10:51

    Danke für deine Sicht der Dinge! Du hast dich sehr mit dem Thema auseinandergesetzt, wie ich verstehe, und dir viele Gedanken gemacht, wie ihr als Familie damit umgehen wollt. Und es scheint mir so, wenn ich deine Zeile lese, dass es dir gelungen ist, eine gutes Gesprächsklima zu schaffen!

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