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Verplante Kindheit: Stress, Burnout und Depressionen bei Kindern

Stress, Burnout und Depressionen bei Kindern
Kinder klagen über zu wenig Zeit zum Spielen.

Wie Manager: Volle Agenda bei Kindern

Kaum hat die Schule begonnen, starten auch wieder die Freizeitkurse: Montag Geigenunterricht, Dienstag Basketball, Mittwoch Computerkurs – die Agenda unserer Sprösslinge sieht der eines Spitzenmanagers immer ähnlicher.

Kinder haben zu wenig Zeit zum Spielen

Unser Nachwuchs ist verplanter denn je. Studien brachten hervor, dass jedes dritte Kind zwischen sechs und zwölf über zu wenig Zeit zum Spielen klagt. Und jedes zweite Kind zwischen zehn und zwölf stöhnt über zu wenig freie Zeit wegen Hausaufgaben, Sportverein und Musikunterricht. Es ist ein Teufelskreis, denn einerseits wollen die Eltern ihre Kinder möglichst optimal fördern und ihnen sämtliche Freizeitangebote ermöglichen, andererseits sind die Sprösslinge von der grossen Auswahl schlicht überfordert.

Tipps, um Kindern mehr Zeit lassen

Wie man diesen Teufelskreis durchbricht, weiss der Experte Klaus Käppeli, Psychotherapeut und hat einige Tipps auf Lager:

  • Angebote gut prüfen: Viele kurbeln eher die Wirtschaft an, als dass sie die kindliche Entwicklung bereichern.
  • Den Kindern Zeit lassen, um sich in ein Spiel zu vertiefen. Auch so entwickeln sie ihr Potential.
  • Die kindlichen Impulse verstärken und die Flut an Möglichkeiten einschränken.
  • Kind(er) beobachten: Kann es beim Spiel bleiben, sich darin vertiefen?
  • Achtung: Die Sprösslinge nehmen ihre Eltern zum Vorbild und beobachten genau, wie sie mit der Alltagsbelastung umgehen.
  • Den Kindern mehr zutrauen, dass sie von sich aus etwas fertigbringen.
  • Auf Mannschaftssport setzen: Damit werden Beziehungen aufgebaut und können ausgelebt werden.
Stress, Burnout und Depressionen bei Kindern
Eltern sollten mit ihren Kindern Achtsamkeit leben.

Achtsamkeit mit Kindern

Was ist Förderung, was schon Überforderung? Wie die Forscher der Universität Bielefeld herausgefunden haben, glauben 86 Prozent der Eltern von gestressten Kindern nicht, dass sie ihren Nachwuchs überfordern. Die Hälfte glaubt sogar, die Kinder nicht genug zu fördern.

Achtsamkeit lautet das Zauberwort. Die Impulse kommen von Innen – achtsame Eltern erkennen und unterstützen diese.“

Klaus Käppeli, Psychotherapeut

Burnout und Depression bei Kindern

Denn die Überforderung mündet oftmals in einem kindlichen Burnout oder in einer Depression. Der deutsche Berufsverband der Kinder– und Jugendärzte (BVKJ) fordert mehr Freiräume für Kinder, denn „die sie werden heute viel zu früh in ein Zeit- und Pflichtkorsett gepresst“. In ihren Praxen erlebten sie immer mehr Kinder und Jugendliche mit Stressymptomen: Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Kopf- und Bauchschmerzen sowie Übelkeit sind an der Tagesordnung. Der letztjährige Weltkindertag in Deutschland stand denn auch unter dem Motto „Mehr Freiräume für Kinder“ (das diesjährige lautet „Kinder haben Rechte“).

Ratschläge für mehr kindliche Freiräume

Das sind die ärztlichen Ratschläge für mehr kindliche Freiräume:

  • Dem Kind Langeweile zugestehen. Daraus entstehen oft die kreativsten Ideen. Sie aus Langeweile zu befreien ist eine wichtige Lernerfahrung.
  • Dem Kind eine individuelle Spielecke einräumen.
  • Keine zu hohen Leistungserwartungen an Schulkinder.
  • Regeln gehören nicht zur Freiheitsberaubung, sondern zur normalen Erziehung.
  • Nicht jeden Tag verplanen, auch nicht als Erwachsene.

Also – nehmt euch den Leitsatz „Lebe im Moment“ wieder etwas mehr zu Herzen.

Besten Dank an den St.Galler Psychotherapeuten Klaus Käppeli

Wie sieht es bei euch aus? Ist die Freizeit eurer Kinder verplant? Verfügen sie über genügend Freiräume? Habt ihr Erfahrungen mit Stress, Burnout und Depressionen bei Kindern? Versucht ihr, achtsam zu leben?

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Kinder sind heute verplanter denn je. Sie haben zu wenig Zeit zum Spielen, zu wenig Freiräume wegen Hausaufgaben, Sportverein und Musikunterricht. Eltern wollen Kinder optimal fördern, doch die Grenze zur Überforderung ist rasch überschritten. Den Kindern drohen Stress, Burnout und Depression. Wir haben Tipps und Ratschläge zusammen getragen, um Kindern mehr Zeit zu lassen.

Sarah Coppola-Weber ist gebürtige Ostschweizerin mit italienischem Pass. Sie lebt mit einem neapolitanischen Ehemann, zwei Töchtern (17 und 14) und einem Sohn (10) seit 18 Jahren in der Nähe von La Spezia. Für “Die Angelones” schreibt die ausgebildete Doula über Familien -, Gesundheits- und Ernährungsthemen sowie Themen, die Eltern den Alltag mit ihren Sprösslingen erleichtern und lässt dabei die LeserInnen am facettenreichen italienischen Alltag teilhaben, wo der Ausnahmezustand oft an der Tagesordnung und von „dolce far niente“ keine Spur ist!

Mehr über Sarah und ihre Familie erfahrt ihr in im spannenden Interview, das wir mit ihr führen durften!

Sarahs bisher erschienenen Beiträge könnt ihr hier nachlesen:

Aus dem Leben einer Doula:
Elterntipps:
Dolce Vita:

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