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Italien: Sport und andere Aktivitäten im Leben der bambini

Anmutig und schön: Sarahs Tochter mit dem Vertikaltuch

In Italien haben die Kinder nachmittags keine Schule. Also würde man in der Schweiz von einem „schulfreien“ Nachmittag sprechen. Fast, denn „frei“ sind nur diejenigen Kinder, die in Windeseile ihre Hausaufgaben erledigen. Nicht selten sitzen sie über den Büchern, nicht im Schulzimmer, dafür am heimischen Pult. Freizeit bleibt da nur wenig, und wenn, dann werden die Kinder in verschiedenste Sport- und andere Aktivitäten verfrachtet.

Vielfältige Sportwahl

Jungs spielen Fussball, Mädchen tanzen Ballett: Was vor einigen Jahren die einzige Sportwahl war, hat sich  – glücklicherweise – gewandelt. Mal abgesehen davon, dass die meisten Fussballeltern denken, sie hätten einen Ronaldo in Miniaturform zuhause sitzen und die Ballettelterneine Primaballerina, hat man heute die Qual der Wahl in Sachen Sport: Kaum beginnt die Schule, buhlen die Sporthallen auch schon um neue Kunden. Ob Yoga für Kinder, Judo, Aikido, Schwimmen, Vertikaltuch- oder Zirkuskurse – heutzutage gibt es für jeden kindlichen Geschmack etwas. Um die Wahl zu vereinfachen, dürfen die Sprösslinge ein- oder zweimal oder auch einen Monat lang „proben“.

Alles probieren, später entscheiden

Also probehalber mitmachen und nach ein paar Wochen entscheiden. Klar, das ist ein tolles Angebot, macht die Sache für die Eltern aber nicht ganz einfach: Sie wollen das Kind für eine Sportart überzeugen, die Klassenkameraden es für eine andere gewinnen, der Kinderarzt eine dritte empfehlen…. Und mittendrin soll es von Pontius nach Pilatus chauffiert werden. Die ganze Sache verkompliziert sich für Mehrfach-Eltern: Wenn das Kind schon im Vorjahr einer Aktivität nachgegangen ist, hoffen sie, dass sich Tag und Uhrzeit gleichbleiben.  Und versuchen  geflissentlich, die Aktivität des anderen Kindes mit dem des ersten übereinzustimmen. Was erfahrungsgemäss kaum je funktioniert.

Zeitpläne wie Topmanager

Was ist mit den Müttern, die den Freizeitplan der Kinder wie Topmanager im Griff haben sollen und mit einem Lachyoga- oder Pilateskurs liebäugeln? Entweder man macht es wie die Autorin, legt die eigenen Gelüste nicht zuletzt aufgrund mangelnder Disziplin auf Eis (könnt ihr mir sagen, wann man selber in den Sportkurs gehen soll, wenn man morgens arbeitet, nachmittags die Kinder herumchauffiert und abends todmüde ins heimische Sofa sinkt?) und joggt oder spaziert – aber nur  nach Lust und Laune, wohlgemerkt!  – mit dem Gatten durchs Quartier, macht Gymnastikübungen in der eigenen Taverna, oder aber, und das ist der Idealfall, vergnügt sich im Pilates oder Acquagym, während der Nachwuchs in der Nebenhalle seiner Sportart nachgeht. Freundinnen, die Vollzeit arbeiten, opfern nicht selten ihre Mittagspause und streifen sich dafür Bikini und Badekappe über, um schwimmen zu gehen oder mit Acquagym fit zu bleiben.

Ach übrigens: Es gibt weder Muki-Turnen noch Turnvereine im schweizerischen Sinn. Und da die Turnhalle in meiner Wohngemeinde derzeit renoviert wird, gibt es weder Gymnastik für Mütter noch Basketball für die Kinder, die notgedrungen in umliegende Basketball-Vereine verteilt wurden.

Ihr seht die Krux: Man möchte gerne, tut es dann aber doch nicht. Oder macht es gleich so, wie ein Spruch aus den Social Media empfiehlt: „Es ist ja schon September und bald ist Weihnachten, da lohnt es sich kaum, was Neues zu beginnen. Verschieben wir es auf den Januar.“

Wie sieht es bei euch und euren Kindern in Sachen „Sportplan“ aus? Wieviel machen eure Kinder? Wozu kommt ihr als Eltern überhaupt noch? Hättet ihr persönlich gedacht, dass es in Italien diesbezüglich so zu und her geht?


Sarah Coppola-Weber ist gebürtige Ostschweizerin mit italienischem Pass. Sie lebt mit einem neapolitanischen Ehemann, zwei Töchtern (14 und 11) und einem Sohn (7) seit 17 Jahren in der Nähe von La Spezia. Für “Die Angelones” schreibt die angehende Doula über Familien -, Gesundheits- und Ernährungsthemen und lässt dabei die LeserInnen am facettenreichen italienischen Alltag teilhaben, wo der Ausnahmezustand oft an der Tagesordnung und von „dolce far niente“ keine Spur ist!

Mehr über Sarah und ihre Familie erfährt ihr in im spannenden Interview, das wir mit ihr führen durften!

Seid gespannt auf Sarahs nächster Bericht, in welchem sie uns erzählen wird, warum die italienischen Kinder in die Schule gebracht und wieder abgeholt werden müssen und was es mit dem Vergleich von Kindern und Kühlketten auf sich hat!“

Sarahs bisher erschienene Beiträge könnt ihr hier nachlesen:

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2 Kommentare

  • Alessandra
    29. Oktober 2016 at 18:03

    Liebe Sarah!
    Bin überrascht über deinen Bericht!
    Die Kinder meiner Cousine/Cousins verbringen den Nachmittag bei der Nonna, früher vor dem Fernseher heute mit dem Samrtphone in der Hand! Wusste nicht, dass es in Italien so viel Sport/Freizeit möglichkeiten gibt

  • Rita Angelone
    29. Oktober 2016 at 18:10

    Liebe Alessandra! Ich war auch sehr überrascht, weil im Süden, da wo mein Vater her ist, scheint es auch so zu sein, dass die Kinder einfach zu Hause rumhängen und TV schauen oder gamen… 🙂

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