Familienleben Kolumne Schule

Sophies Welt in der Schule

Kinder sind die besten Philosophen

Es gibt so Momente, in denen ich gerne wieder klein wäre und nochmals die Schule besuchen würde. Zum Beispiel dann, wenn ich unseren Kleinen beobachte, wie er für ein Geräusche-Memory, das er im Werken bastelt, nach Reiskörnern, Kichererbsen, Kieselsteinchen oder kleinen Muscheln sucht, die geheimnisvoll tönen, wenn man sie schüttelt. Oder dann, wenn ich den Grossen sehe, wie er in Magazinen nach Anglizismen sucht, die sich in unserer Sprache verankert haben, um daraus eine wild zusammengewürfelte, bunte Collage zu machen.

Wie ich solche Aufgabenstellungen liebte, bei denen man der Fantasie freien Lauf lassen und in eine Welt fernab von Rechenoperationen oder Grammatikregeln eintauchen konnte, in der es für einmal kein richtig oder falsch gab.

Nichts ist richtig oder falsch – so lautet auch die Devise in den Philosophie-Stunden, die an unserer Schule im Rahmen des Lernclubs angeboten werden. Was für ein tolles Angebot für Kinder! Kinder können nämlich etwas, das wir Erwachsene verlernt haben: Sie können gedanklich auf einer grünen Wiese ganz bei Null anfangen! Sie sind noch nicht von Vorurteilen geprägt und können deshalb frei und voller Neugier an ein Thema heran gehen. Und: Kinder können sich Dinge vorstellen, die uns Erwachsenen unmöglich erscheinen. Hach, wie gerne würde ich mit philosophieren, wenn es um Fragen wie „Können Fisch und Bär Freunde sein?“, „Was ist Glück?“, „Bist du reich?“ oder „Alle Zeit der Welt“ geht! Erst recht, wenn ich auf auf dem Anmeldeformular lese, dass sich die Kinder ganz gemütlich bei Tee und Guezli auf den Weg machen, Antworten zu diesen wunderbaren Fragen zu finden!

Nicht nur meinen, sondern allen Kindern wünsche ich, dass ihnen die Fähigkeit zum selbständigen Denken, zum Hinterfragen und Staunen sowie zum Fantasieren so lange wie nur möglich erhalten bleibt!

immer mittwochs im Tagblatt der Stadt Zürich

Wie gefällt euch dieses Angebot an der Schule? Haben eure Schulen auch Philosophiestunden?

Weiterführende Links:

Dies koennte dir ebenfalls gefallen

4 Kommentare

  • Anna Preisig
    20. September 2017 at 08:25

    Ganz tolles Angebot an eurer Schule. Ich habe den Artikel an einen Elterndelegierten bei uns weitergeleitet!

  • Karin
    20. September 2017 at 08:49

    Diese Fähigkeit der Kinder die Dinge ganz neu und ohne Vorurteile zu sehen finde ich auch beneidenswert. Ich habe mal gelesen, wir Erwachsene können das einigermassen beibehalten, wenn wir uns oft ausserhalb von unserer Komfortzone begeben. Mal etwas anderes als immer das Bekannte tun. Ich habe mir deshalb vor einiger Zeit vorgenommen, jedes Jahr etwas neues zu lernen oder wieder zu entdecken. Dieses Jahr übe ich den Handstand, das ist für mich toooootal schwierig (konnte ich schon als Kind nicht so gut)!! Aber ich bin auf gutem Weg. Letztes Jahr habe ich Snowboarden gelernt (war zuvor noch nie auf EINEM Brett). Zuvor hatte ich einen Mandarinkurs gemacht, Usw. Klar, ganz so frisch wie bei einem Kind ist das auch nicht mehr, aber es hilft die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. 🙂

  • Rita Angelone
    20. September 2017 at 08:59

    Liebe Anna, ja, das ist ein tolles Angebot, das an und für sich einfach umsetzbar wäre auch an anderen Schulen. Toll, dass du dich davon inspirieren lassen hast und es als Vorschlag weitergibst! Lass mich dann wissen. Liebe Grüsse, Rita

  • Rita Angelone
    20. September 2017 at 09:03

    Liebe Karin, das habe ich auch schon gehört und ich denke, dass das Verlassen der Komfortzone tatsächlich dazu beiträgt, neue Ressourcen zu erschliessen. Was du dir vorgenommen und offenbar auch durchziehst, finde ich wiederum sehr eindrücklich! Ein Stück weit hilft mir das Bloggen, hin und wieder meine Komfortzone zu verlassen. Und natürlich die Kinder! Oh ja, auch diese helfen, unbekannte Energien und Fähigkeiten in einem selber zu entdecken. Ich bin gespannt, wann ich irgendwo ein Foto deines perfekten Handstandes sehen werde! Ich kann ihn auch nicht…. Herzliche Grüsse und bis bald wieder!

Hinterlasse eine Nachricht

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.