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Schub für schüchterne Schüler

Alle scheinen nur über “Zappelphilippe” zu reden. Gross ist die Sorge von uns Eltern, unsere unruhigen Kinder könnten unter ADHS leiden und in der Schule deswegen Probleme bekommen. Dass es auch Eltern gibt, die genau die gegenteiligen Ängste haben, vergisst man gerne: Kinder, die so still und angepasst und derart unauffällig sind, dass sie in der Schule Gefahr laufen, regelrecht links liegen gelassen zu werden.

„Einfache“ Kinder, die weder auffallen noch anecken, bedürfen scheinbar keiner besonderen Aufmerksamkeit seitens Lehrerschaft. Diese ist ohnehin mit den vorlauten und frechen Kameraden beschäftigt. Dass es aber unter diesen unscheinbaren, einfachen Kindern auch solche hat, die dermassen schüchtern sind, dass sie schlichtweg nicht in der Lage sind, ihr Können zum Ausdruck zu bringen, vergisst man leider allzu oft. Bleibt dies unbemerkt, kann die übermässige Schüchternheit leicht mit Dummheit verwechselt werden. Mit schwerwiegenden Folgen.

Der Teufelskreis schüchterner Schüler

  • Wegen ihrer mündlichen Passivität im Unterricht erzielen sie schlechtere Noten.
  • Dies führt zu negativen Zuschreibungen, was sie wiederum schrittweise auf ihre Rolle als Aussenseiter festgenagelt.
  • Die Mitschüler übernehmen die negative Beurteilung der Lehrperson und finden ihre schüchternen Kollegen in der Folge auch nicht mehr «lässig».
  • Ein schüchternes Kind wendet sich Hobbys zu, bei denen es sich mit Objekten beschäftigen kann statt mit Menschen: Es bastelt oder zeichnet lieber, als mit Gleichaltrigen herumzutollen, treibt tendenziell auch weniger Sport.
  • Ihr Selbstwertgefühl und ihre Erfolgszuversicht schwinden. Schüchterne fühlen sich irgendwann unter Gleichaltrigen einsam. Sie ziehen sich mehr und mehr in sich selbst zurück und isolieren sich weiter.

Sensibilisierte Lehrpersonen können am besten helfen

  • Lernt die Lehrperson das schüchterne Kind besser kennen und schätzen, weiss sie auch eher, wie es gefördert werden kann, ohne es zu überfordern.
  • Die Lehrperson kann dem schüchternen Kind zu einer eigenen «Bühne» verhelfen, auf der es seine Schüchternheit zumindest teilweise ablegen und schrittweise Erfolgserlebnisse verbuchen kann.
  • Ein positiveres Verhältnis der Lehrperson zum schüchternen Kind wiederum färbt sich auch auf die Mitschülerinnen und Mitschüler ab.

Schüchternheit muss ernst genommen werden!

Dieser bisher wohl etwas bagatellisierten Thematik hat sich Titularprofessor Georg Stöckli vom Pädagogischen Institut der Universität Zürich angenommen. Er empfiehlt, Eltern und Lehrern die Schüchternheit bei Kindern ernst zu nehmen und hat ein Trainingsprogramm entwickelt, mit dem schüchterne Schüler lernen können, sich in der Gruppe zu präsentieren und die eigenen Stärken zu zeigen:

Es ist zu hoffen, dass in der Schule der Fokus nicht nur auf die Lauten und Agressiven gelegt wird, sondern dass auch stille und vermeintlich problemlose Schüler die nötige Unterstützung bekommen. Der Kurs dürfte übrigens schon bald betroffenen Schülern offen stehen.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit übermässiger Schüchternheit gemacht – sei es bei Euch selber oder bei Euren Kindern?

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3 Kommentare

  • Bionic Hobbit
    14. Februar 2012 at 08:04

    Wir haben *dieses* Problem zum Glück/leider nicht.

  • Katharina
    14. Februar 2012 at 13:35

    Kurzer ist sehr introvertiert, das Problem könnte also irgend einmal auf uns zukommen. Ich mag aber keine Probleme herbeireden, werde es aber im Hinterkopf behalten.

  • Mamasita
    14. Februar 2012 at 16:32

    Darf ich einen Link zu einigen sehr guten Tipps gegen Schüchternheit ergänzen? http://www.typentest.de/typentest_de_-_erklarung/schuechternheit.htm
    Richtet sich mehr an Erwachsene, aber gerade für die ist es wichtig, die Schüchternheit zu überwinden. Denn wenn Mama oder Papa auch schüchtern sind, macht es das für den schüchternen Nachwuchs nicht unbedingt leichter, das kenne ich aus eigener Erfahrung.

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