Familienleben Kolumne

Schlafende Hunde soll man nicht wecken

Als mir kürzlich eine befreundete Mutter gebeichtet hat, dass sie – um ihr schlafendes Baby nicht zu wecken – ihre Kleider mit der Taschenlampe aus dem Schrank klauben würde, kam bei mir alles hoch, und zwar gleich doppelt: Etliche Erinnerungen an ähnliche „Verzweiflungstaten“ kamen in mir  auf und damit auch das flaue Gefühl im Magen, das sich einstellte, weil sich dieser aus lauter Angst, das Kind würde aufwachen und nie wieder einschlafen panikartig zusammenzog  und zu einem Klumpen mutierte.

Jeder noch so kleine Mucks erzeugte dieses beklemmende Gefühl, das mich bisweilen heute noch einholt, wenn die mittlerweile bestens schlafenden Buben nachts einmal hüsteln. Aber was einmal so durch Mark und Bein gegangen ist, das bleibt für immer gespeichert.

Praktisch alle Eltern kennen das: Es  beginnt damit, dass man Abende lang  ziellos mit dem Auto herum fährt, damit das Kind endlich seinen Schlaf findet. Gelingt dies, geht die Irrfahrt erst recht weiter, denn einerseits könnte  es ja gleich wieder erwachen und andererseits muss man sich mittels nächtlicher Fahrt durch ein Drive-in ja auch irgendwie am Leben erhalten. Zu Hause kommen dann die fragwürdigsten Strategien zum Einsatz, wie man das Kind schlafend ins Bett kriegt. Weil diese kläglich versagen, beugt man sich schliesslich über das Gitterbett zu ihm herunter und hält bei schmerzendem Rücken sein Händchen. Jegliches Räuspern wird vermieden, sogar das Atmen wird unterdrückt. Irgendwann frühmorgens versucht man sich, im Zeitlupentempo von seiner Hand zu befreien und robbend – allen knarrenden Stellen ausweichend – aus dem Kinderzimmer zu stehlen, um kurz vor der Türschwelle  mit lautem Geschrei wieder zurück ans Kinderbett beordert zu werden, um endlos weiter Händchen zu halten.

Logisch, dass es einem die ganze Zeit speiübel ist, oder? Und apropos: ich leuchte auch heute noch oft mit meinem Handy das Treppenhaus oder den Kleiderschrank aus – geprägt ist geprägt.

mittwochs immer im Tagblatt der Stadt Zürich

Und hier noch weitere „Verzweiflungstaten“, die Ihr mir gebeichtet hat, damit Eure endlich schlafenden Babies nicht aufwachten:

  • auf dem Hosenfüdli rückwärts aus der Stube rutschen
  • sich ins Kopfkissen hinen kaputt husten
  • einhändig Auto fahren, um mit der anderen Hand dem Kind auf dem Rücksitz die Hand halten zu können
  • sich leise aus dem Bett rollen und sich auf Zehenspitzen aus dem Zimmer hinaus stehlen
  • Watte in die Klingel stopfen oder Klingel ganz abstellen und das Telefon ausstecken
  • im Halbschlaf über das Babybett gebeugt dem Kind den Kopf streicheln
  • händchenhaltend stundenlang neben dem Kinderbett warten
  • sämtliche Spiele der Fussball-EM im eigenen Land ohne Ton und ohne Torjubel schauen
  • mit dem Kinderwagen jeglichen Kieswegen, Schachtdeckeln und Randsteinen aus dem Weg gehen
  • dem Kind die Ohren zu halten

Sollten Euch noch weitere in den Sinn kommen, dürft Ihr sie mir gerne als Kommentar mitteilen!

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8 Kommentare

  • Rösli
    18. Januar 2012 at 07:02

    Guten morgen,
    genial und da kommen bei mir dies Selben Sachen raus und ich dachte, ich hätte einen Ecken ab 😉
    Ich habe mir bei solchen Aktionen wie im dunkeln aus dem Zimmer zu huschen, mich schon ein paar
    mal angeschlagen, dass ich aufheulte und da wachte die Kleine auch jedesmal auf.
    ich beleuchte auch mit meinem Handy den Weg, bis die Türe fast ganz zu ist, zu ziehen kann ich sie nicht ganz, sonst macht das letzte Kleine Geräusch, dass meine Tochter es hört.

    Meine ist ein totales Tragekind, seit Geburt auf. so konnte ich sie nicht hinlegen, ohne, dass sie anfing zu schreien.. und das jedesmal. Ich kochte , ass, wusch,räumte auf, alles mit dem Baby an mir. Ich habe da mal ein Foto gemacht, wie ich die wohnung wische , mit cassandra im Arm. Das wäre noch eine Gute werbung, Multitasking, das sind Mütter 😉

    Mit der Zeit vergisst man diese Sachen, vergisst man, wie man alles macht für das Wohlbefinden vom Kind. Man macht es einfach, als sei es ganz „normal“.
    Mit nicht Eltern kann man nicht recht darüber reden, die schauen ganz entsetzt 🙂

    Liebe Rita, falls ich zu Wirr geschrieben habe, kannst Du meinen Kommentar löschen 😉 ich bin heute nicht so konzentriert…

  • Rita Angelone
    18. Januar 2012 at 07:18

    @Tatiana: Danke! Ja, es hilft zu hören, dass es fast alle gleich gehandhabt haben! Schöner Tag und … geniesse die Wirrungen!

  • Katharina
    18. Januar 2012 at 09:09

    Wäre das jetzt böse, wenn ich sagen täte, dass ich die Problematik so nicht kenne? Kurzer war von Anfang an ein fantastischer Ein- und Durchschläfer, unter der Bedingung:
    – 6 bis 8 Stunden täglich im Tragetuch
    – Einschlafbegleitung
    – Co-Sleeping
    Wobei sich das schon ein Bisschen irr liest, ich glaube einige würden uns für verrückt erklären bzw. haben uns für verrückt erklärt. Aber es war tatsächlich so, dass Kurzer immer und überall schlafen konnte, unter der Bedingung nicht alleine zu sein. Mit dem Resultat, dass wir auch mal an Fonduepläusche gingen, wo bis spät abends Musik gespielt wurde, gelacht, getanzt… und er pfüselte zufrieden im Tuch 🙂
    Und für den Rest möchte ich mich grad selber zitieren: „Jede Familie muss ihren eigenen Weg finden. Als wichtig erachte ich dabei, dass es tatsächlich ihr eigener Weg ist und nicht der von Aussen Stehenden, Freunden, Bekannten, Ärzten, Hebammen,… Der eigene, richtige Einschlaf-Weg jeder Familie erkennt man daran, dass die Kinder ohne Angst und Weinen einschlafen dürfen und dass die Eltern Abends noch Zeit für sich als Paar – und ganz „egoistisch“ auch noch etwas Feierabend haben.“ http://mamahatjetztkeinezeit.wordpress.com/2010/08/02/kann-er-schon-alleine-einschlafen/

  • Isabel
    18. Januar 2012 at 09:56

    ohja, wie gut ich das alles kenne… 😉
    da unser Badezimmer neben dem Kinderzimmer war, hab ich mir jeweils die Haare im Wohnzimmer mit dem Fön getrocknet…

  • Nicole
    18. Januar 2012 at 17:04

    @Kat: Und mir ist die Thematik fremd, weil wir zwei Kids haben, die sehr gerne allein einschlafen und auch dann noch weiterschlafen, wenn wir das halbe Zimmer ausrämen, Licht anmachen oder sonstwas.
    @Kleider aus dem Schrank holen mit der Taschenlampe: Warum eigentlich nicht rechtzeitig vorher die Kleider rausholen und bereitlegen? Mein Mann macht das auch an den Abenden – wenn ich morgens nicht so früh raus muss wie er. Wenn er ausschlafen kann, dann vergesse ich aber meist, die Kleider am Abend vorher rauszuholen, muss ich hier gestehen….. 😉

  • Andrea Mordasini, Bern
    18. Januar 2012 at 23:13

    Wir haben und hatten das Glück, dass unsere beiden Kinder mehr oder weniger problemlos ein- und durchschlafen. Für uns die wichtigsten Massnahmen: möglichst keine Machtkämpfe, abends ab einer gewissen Zeit kein Rambazamba mehr (dreht die Kinder nur unnötig auf), immer wiederkehrende Rituale (Znacht, Pischi anziehen, Büechli anschauen,…) und auf die Kinder und das eigene Bauchgefühl hören ;). So gehen die Kinder in der Regel dann ins Bett, wann sie müde sind (kann auch mal 21.00 oder noch später sein ;)) und schlafen je nachdem wo sie möchten in ihrem eigenen Bett, einschlafbegleitet oder in unserem Bett, das schon lange zu einem Familienbett mutiert ist :). Hauptsache es stimmt für alle – Kinder wie Eltern :)! In diesem Sinne wünsche ich allen Eltern und deren Kindern eine ruhige Nacht mit süssen Träumen :).

  • SomeintPhia
    19. Januar 2012 at 08:43

    Für was doch heute ein Handy nicht alles hinhalten muss .. 😉 .. Die Taschenlampe ist sehr nützlich.

    Wir versuchten es von Anfang an sehr unkompliziert zu halten. Die Kleine hat ihren Schlafrhythmus. Falls sie mal mit Geschrei ins Bett geht, dann ist dies eben so und hört in 95% der Fälle sehr schnell auf, da sie weiss, dass es nichts bringt.

    Wenn sie in der Nacht erwacht, genügt oftmals ein Glas Wasser uns sie schläft nachher wieder zufrieden weiter. Natürlich kann es – wie am letzten Freitag – passieren, dass man spätabends todmüde nach Hause kommt und mit einem fragenden „hallo?“ begrüsst wird .. 😉 .. dann wirds eben etwas später mit schlafen.

  • Andrea Mordasini, Bern
    20. Januar 2012 at 23:37

    Von weinen und schreien lassen, vom Ferbern und umstrittenen „Ratgerbern“ wie „Jedes Kind kann schlafen lernen“ halte ich persönlich überhaupt nichts! Da gibts bei weitem viel bessere Alternativen! Solche brutalen Ein- und Durchschlafmethoden können Babies und Kleinkinder prägen und traumatisieren. Das wichtigste ist und bleibt, dass man auf seine Kinder und sein Bauchgefühl hört und genau das macht und durchzieht, was für die Kinder und einen selber am besten zusagt, egal was Aussenstehende drüber denken und sagen mögen :)!

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