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Phänomen Fortnite: Aus Kindersicht erklärt

Chancen und Risiken von Fortnite aus der Sicht von Kindern
Fortnite spielen: Die Aussensicht der Eltern

Faszination Fortnite aus der Sicht von Kindern

Fortnite ist in aller Munde. Das beliebteste aller Shooterspiele polarisiert wie kein anderes: Die einen finden, Fortnite treibe die Kinder in den Wahnsinn und sei deshalb zu verbieten, die anderen glauben, dass Fortnite nur halb so wild ist. Die Einschätzungen der Fachleute gehen weit auseinander. Um die Faszination Fortnite besser verstehen und die damit verbundenen Risiken abwägen zu können, haben wir als Eltern entschieden, eine weitere Expertenmeinung direkt von der Front einzuholen: Wir haben mit unseren Jungs gesprochen!

Chancen und Risiken von Fortnite aus der Sicht von Kindern

Fortnite: Eine Einschätzung direkt von der Front

Fortnite wird seit Monaten heftig diskutiert. Kein Medium, das sich nicht zum Game geäussert, kein Experte, der nicht seine Einschätzung abgegeben hat. Doch ist euch aufgefallen, dass in der Debatte um das umstrittene Spiel – ausser einzelner Quotes da und dort – die Kinder nicht zu Wort kommen? Reicht es, wenn sich nur Erwachsene austauschen? Sollten wir nicht auch mit den „wahren Experten“ das Gespräch suchen, um das Phänomen Fortnite wirklich verstehen zu können? Wir haben diesen Ansatz gewählt und von unseren Jungs wissen wollen, wie Fortnite funktioniert, weshalb sie das Spiel in den Bann zieht und was sie von der Kritik am Game halten.

Unser Gespräch mit den „Direktbetroffenen“ war aufschlussreich: Die Einschätzungen unserer Jungs helfen uns, gewisse Gefahren des Spiels differenzierter zu betrachten und die Regeln im Umgang mit dem Spiel situations- und bedürfnisgerechter auszugestalten. Aber lest doch selbst!

Jungs, könnt ihr uns kurz und bündig erklären, wie Fortnite funktioniert?

„Fortnite ist ganz einfach. Der Modus, den wir spielen, heisst „Battle Royale“. Man ist auf einer Insel und muss Gegner beseitigen, um zu überleben. Um dies zu schaffen, kann man zum Beispiel Waffen sammeln oder Verstecke bauen. Man muss schnell sein und eine gute Strategie haben, sonst überlebt man nicht lange.

(Wer mehr über das Spiel erfahren möchte, schaut sich am besten das Fortnite-Video an.)

Wieso gefällt euch Fortnite so gut?

„Fortnite ist einfach genial gemacht! Fortnite zu spielen, macht so richtig Spass. Man kann Sachen sammeln, Dinge bauen, sich verstecken und kämpfen. Unsere Klassenkameraden spielen es auch alle!“

Die „Fortnite-Vernarrtheit“ unserer Jungs überrascht nicht und stellt alles andere als ein Einzelfall dar, denn: Fortnite ist gemäss der James-Studie 2018 in der Tat das beliebteste Game bei Schweizer Jugendlichen!

Habt ihr nicht etwas Mühe mit der Gewalt im Spiel?

„Schiesst man auf einen Gegner und trifft ihn, löst er sich einfach auf – man sieht keine Toten und kein Blut. Das finden wir gut. Aber ja, wenn man zu viel spielt, kann es schon sein, dass man auch noch in der Nacht davon träumt. Ganz am Anfang, als wir die ersten Male spielten, hatten wir schon auch ein, zwei Albträume. Im Kreativmodus kann man mit Fortnite aber auch coole Sachen machen, ohne dass Gegenspieler dabei sind. In diesem Modus muss man auch nicht die ganze Zeit andere abschiessen.“

Von PEGI und USK wird die Altersfreigabe für Fortnite bei 12 Jahren eingestuft. Grund für die eher tiefe Altersfreigabe ist, dass die Darstellungen im Spiel nicht realitätsnah, sondern eher comicmässig gemacht sind. Die Gewalt wird im Game ähnlich wie in Trickfilmen dargestellt – auch dort wird gekämpft und geschossen. Anders als beim Trickfilm-Schauen greifen Kinder bei Fortnite zwar aktiv in die Handlung ein, doch dies lässt sich gemäss Experten durchaus auch mit dem gegenseitigen Abschiessen in einem Völkerballspiel in der Turnhalle vergleichen.

Chancen und Risiken von Fortnite aus der Sicht von Kindern
Fortnite: Die Innensicht – gemeinsam mit den Kindern

Fortnite: Weder verteufeln noch verharmlosen

Die negativen Aspekte

Wie oft spielt ihr Fortnite?

„Wir spielen im Schnitt 1,5 Stunden pro Woche. Je nach dem, was gerade so unter der Woche oder am Wochenende läuft, sind es vielleicht auch einmal 2 Stunden pro Woche.“

Findet ihr, dass ihr süchtig nach Fortnite seid?

„Wir spielen ja nicht die ganze Zeit Fortnite. Wir spielen mit vielen anderen Dingen auch. Genau so gerne. Zum Beispiel mit Lego. Oder mit der Kugel – die macht ja auch süchtig, aber da sagt niemand etwas. Wir machen unsere Hausaufgaben, ich bereite mich derzeit auch auf die Gymiprüfung vor, wir machen Musik und viel Sport. Wir finden es nicht schlimm, wenn wir auch mal Fortnite spielen wollen.“

Es ist unbestritten: Fortnite übt eine grosse Anziehungskraft auf Kinder und Jugendliche aus und weist damit ein gewisses Suchtpotenzial auf – wie viele andere Dinge im übrigen auch. Dies birgt die Gefahr, dass sich Kinder nicht mehr selber regulieren können und nur noch dieses Game spielen wollen. Doch ob Fortnite wirklich als das derzeit gefährlichste Spiel, gar als das ‹Heroin› der Games betrachtet werden muss, stellen wir aufgrund des Verhaltens unserer Kinder in Frage.

Verbote können gemäss Experten keinen Schutz vor Abhängigkeiten und Kontrollverlusten im Zusammenhang mit Games und dem Internet im allgemeinen garantieren. Kinder und Jugendliche müssen in der Schule und von uns Eltern einen verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Medien lernen, dazu gehört auch das Gamen in Massen.

Denkt ihr denn nicht die ganze Zeit an Fortnite herum und an wann ihr wieder damit spielen könnt?

„Eigentlich denken wir gar nie an Fortnite herum, weil wir ja die ganze Zeit beschäftigt sind. An Fortnite denken wir dann, wenn wir nichts zu tun haben. Und dann finden wir, dass wir das auch spielen dürfen. Treiben wir Sport, sind wir auf der Skipiste oder draussen am Zelten, kommt uns das Gamen schon gar nicht in den Sinn.“

Die Aussagen der Jungs passen gut zu den Untersuchungen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Gemäss den Untersuchungen besteht kein Grund zur Panik: Die Ergebnisse der jüngsten Mike-Studie zeigen, dass Schweizer Kinder zwischen 6 und 13 das Spielen mit Freunden sowie Sport immer noch wichtiger als das Gamen finden.

Und trotzdem habt ihr manchmal sehr Mühe, wenn die vereinbarte Spielzeit vorüber geht…

„Wir können manchmal ganz normal aufhören mit dem Spiel. Aber wenn wir mitten in einer Runde stecken und genau dann die vereinbarte Zeit abläuft, dann ist es schon ein bisschen frustrierend, wenn man aufhören muss. Ausser man spielt im Moment eh gerade sehr schlecht, dann ist es einem wieder eher egal, aufzuhören.“

Was würdet ihr tun, wenn wir euch Fortnite ganz verbieten oder wenn das Spiel aus dem Markt gezogen würde?

„Wenn wir nicht mehr Fortnite spielen dürfen oder es ganz allgemein verboten werden würde, dann würden wir halt ein neues Spiel entdecken. Das war doch bis jetzt auch schon so. Es hat die Pokemonphase gegeben und dann kam Minecraft. Irgendwann ödet Fortnite eh alle an und dann kommt sowieso etwas Neues.“

Auch wenn wir Erwachsene die Faszination des Spiels nicht nachvollziehen können bzw. diese Medienform nicht verstehen, bringt es laut Experten nichts, das Game kategorisch zu verbieten.  Stattdessen sollen wir Eltern uns mit dem Spiel und mit dessen negativen und positiven Seiten – ja, denn auch solche gibt es!

Die positiven Aspekte

In der Tat soll Fortnite laut Experten nicht nur negativ betrachtet werden. Das Spiel hat auch positive Seiten und fördert – genau so wie andere Computerspiele – verschiedene Kompetenzen:

  • Kinder und Jugendliche finden im Spiel viele Komponenten, die in ihrer Lebenswelt gerade aktuell sind: Sie möchten spannende Geschichten hören und grosse Abenteuer erleben. Sie möchten Welten entdecken und gestalten. Gleichzeitig wollen sie ausprobieren, wie es ist, jemand anderer zu sein. Und natürlich wollen sie sich mit anderen messen: herausfinden, wer schneller, geschickter und besser ist.
  • Das Gamen macht Kindern einfach Spass. Diese Spiellust darf auf angemessene Weise gefördert anstatt unterdrückt werden.
  • Gamen bereitet Jugendliche auf die digitale Zukunft vor und fördert unter anderem das strategisches Denken.
  • Die Chancen zu gewinnen, sind bei Fortnite gering. Dabei lernen Kinder den Umgang mit Niederlagen und bauen gleichzeitig eine gewisse Stressresistenz auf.
  • Das Spiel kann integrierend wirken und Freundschaften fördern. In der Schule reden alle Kids darüber und … tanzen den Fortnite-Dance.

Tipps für Eltern: Kein Verbot, dafür mehr Aufklärung und Prävention

Chancen und Risiken von Fortnite aus der Sicht von Kindern
„Schau, Mamma, im Kreativmodus wird nicht auf andere geschossen!“

Aus dem Interview mit unseren Jungs lassen sich eigentlich eins zu eins die Tipps für Eltern ableiten, wie wir sie bei Pro Juventute gefunden haben:

  • Redet mit euren Kindern nicht nur über Fortnite, sondern über Games allgemein. Fragt sie, was sie am Spiel derart fasziniert. Finden sie das Spiel wirklich gut oder spielen sie es einfach, weil es ein Hype ist und von den meisten Freunden auch gespielt wird?
  • Spielt selbst einmal mit oder schaut zumindest einmal zu, um das Spiel, die Faszination und die Technik dahinter besser zu verstehen. Um nachzuempfinden, wie das Spiel auf einen wirkt, ist es wichtig, selbst einmal bei einem Spiel zuzuschauen und es sich von den Kindern erklären zu lassen. Oft relativieren sich einige Bedenken.
  • Ja, Fortnite ist ein Zeitfresser. Deshalb lohnt es sich, mit euren Kindern Spielzeiten und/oder Spieltage zu vereinbaren. Idealerweise lässt man sie mitentscheiden, so fällt es ihnen einfacher, Regeln einzuhalten. Fixe Bildschirmzeiten nach Alter festzulegen erscheint trotz vieler Richtwerte im Netz oft nicht zielführend. Gerade bei Fortnite nicht, da ein Spiel aus Runden besteht.
  • Da macht es mehr Sinn, die Dauer in Runden (ca. 20 Minuten) zu definieren, statt in Minuten zu rechnen. Denn ein Spiel mittendrin abbrechen zu müssen sorgt nur für noch mehr Frust.
  • Wenn die Regeln partout nicht eingehalten werden und es dauernd Streit gibt, gibt es Apps und Software, welche die Tabletzeiten verwalten helfen („Screen Time“, Apples neues Mobil Betriebssystem iOS 12, Kontrollsoftware Google Family).
  • Thematisiert mit euren Kindern auch die Kostenfallen bei Spiel. Denn: Man kann für seinen Avatar z.B. Tanz-Moves oder sogenannte Skins, also Kostüme oder Waffen kaufen. Diese Funktionen sind für das Spielerlebnis unerheblich, deshalb deaktiviert vor allem bei jüngeren Kindern die Funktion der In-App-Käufe grad von Anfang an.
  • Last but not least: Es ist wichtig, den Kindern nicht nur Einschränkungen zu machen, sondern auch attraktive Alternativen zu bieten, insbesondere Offline. Seid also möglichst aktiv, geht nach draussen und unternehmt gemeinsame Aktivitäten mit der ganzen Familie!
Chancen und Risiken von Fortnite aus der Sicht von Kindern
Nervennahrung für die Mamma: „Siehst du, Mamma? Alles halb so schlimm mit diesem Fortnite!“

Fortnite: Etwas weniger Aufgeregtheit und etwas mehr Vertrauen

Zum Schluss: Was würdet ihr Eltern empfehlen, die Mühe haben mit Fortnite?

„Wenn ihre Kinder nur noch über Fortnite reden und das Spiel übertrieben oft und lange spielen möchten und zu nichts mehr anderem Lust haben, dann müsste man ihnen wahrscheinlich das Spiel wegnehmen. Aber sonst würden wir Eltern sagen, dass es egal ist, wenn Kinder ein bisschen mit Fortnite spielen. Bei Kindern, die es im Griff haben, machen Eltern aus unserer Sicht ein etwas zu grosses Theater. Etwas weniger Aufgeregtheit und etwas mehr Vertrauen fänden wir gut.

Quelle und weiterführende Informationen von Pro Juventute, weitere Tipps und Infos zur «Welt der Games» gibt es hier.

Spielen eure Kinder auch Fortnite? Welche Erfahrungen macht ihr? Welche zusätzlichen Tipps habt ihr auf Lager? Was funktioniert gut, was weniger?

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Und noch mehr Beiträge zum Thema Medienkompetenz findet ihr in unserer Rubrik Medienkompetenz!

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