Familienleben

Pflegeeltern gesucht

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Pflegeeltern geben einem Kind einen passenden Platz und geordnete Strukturen (Bild zVg)

Pflegeeltern geben Pflegekindern ein zweites Zuhause

Wenn sich die Eltern nicht mehr um ihre Kinder kümmern können – sei dies aufgrund psychischer oder physischer Belastungen – brauchen Kinder ein zweites Zuhause. Auch während der Coronavirus-Krise sind viele Kinder – ob mit einem Entlastungsplatz, Wochenplatz oder Dauerplatz – auf einen Pflegeplatz angewiesen. Die Fachstelle Pflegekinder sucht deshalb in der Stadt Zürich nach neuen Pflegeeltern. Wir haben mit der Stellenleiterin der Fachstelle Pflegekinder Zürich gesprochen und wollten wissen, welche Voraussetzungen Pflegeeltern erfüllen müssen, welchen Herausforderungen sie sich stellen und weshalb ihre Aufgabe so wichtig ist.

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Pflegeeltern bieten einem Kind eine sichere und liebevolle Betreuung (Bild zVg)

Pflegefamilien unterstützen Kinder auf dem Weg ins Leben

Durch die Augen meines Pflegekindes hat sich mein Blick auf das Leben und was es bietet erweitert. Trotz gewissen Herausforderungen würde ich wieder ein Pflegekind bei mir aufnehmen.

S.K. – Pflegemutter in Zürich, hat es gewagt und einem Kind ein zweites Zuhause gegeben

Liebe Frau Lippuner, weshalb gibt es Kinder, die eine Pflegefamilie brauchen?

Ob Babys, Kleinkinder oder Jugendliche: Kinder brauchen dann ein zweites Zuhause, wenn sich ihre leiblichen Eltern aufgrund psychischer oder physischer Belastung nicht mehr oder nicht mehr angemessen um sie kümmern können. Ein Pflegeverhältnis besteht auch dann, wenn das Kind bei nahen Verwandten, wie zum Beispiel bei den Grosseltern, bei der Tante oder beim Onkel lebt.

Welche Pflegeverhältnisformen gibt es?

Die möglichen Betreuungsformen sind sehr vielfältig: Während bei der Dauerpflege Kinder vollzeitlich in der Pflegefamilie leben, verbringen sie bei der Wochenpflege mindestens vier Nächte pro Woche bei den Pflegeeltern. Beim Entlastungsplatz werden Kinder regelmässig tageweise, manchmal auch über Nacht von einer Pflegefamilie betreut. Ein Kurzzeitplatz ist die Zuweisung von Kindern während eines zeitlich absehbaren Ausfalls der sorgeberechtigten Eltern oder aber auch der Pflegeeltern – dies kann zum Beispiel im Falle von Krankheit, Kur, Entbindung oder aber als Ferienentlastung erfolgen. Beim Kontaktplatz leben die Kinder hingegen vollzeitlich in einem Heim und werden am Wochenende oder für Ferienaufenthalte in einer Pflegefamilie betreut. Das passende Pflegeverhältnis wird von Situation zu Situation und unter Einbezug aller Beteiligten gewählt.

Welche Art von Familie kommt als Pflegefamilie in Frage?

Pflegefamilien sollen und dürfen genauso vielfältig sein, wie es auch sonst unterschiedliche Familien gibt. Ob verheiratet oder unverheiratet, gleichgeschlechtlich oder andersgeschlechtlich, Einzelperson oder Familie, kinderlos oder mit eigenen Kindern – das Wichtigste ist, dass das Pflegekind in ein passendes und liebevolles Umfeld kommt. Das Schweizer Bürgerrecht ist für Pflegeeltern nicht zwingend. Voraussetzung ist allerdings ein gesicherter Aufenthaltsstatus. Zudem müssen Pflegeeltern in der Lage sein, für ihre eigenen Lebenshaltungskosten aufzukommen. Für ihr Engagement als Pflegeeltern erhalten sie eine Entschädigung. Zusätzlich werden Kost und Logis für das Pflegekind vergütet.

Ist es von Vorteil, wenn Pflegeeltern eigene Kinder haben?

Es gibt ganz unterschiedliche Faktoren, die zum Gelingen eines Pflegeverhältnisses beitragen. Die Erfahrungen aus der Erziehung eigener Kinder, aber auch Erfahrungen mit schwierigen Familien- oder Lebenssituationen können sich positiv auf die Betreuung von Pflegekindern auswirken. Haben Pflegeeltern selber schon Kinder, ist es wichtig, dass sie bereit sind, die eigene Familie und den eigenen Alltag für ein Pflegekind zu öffnen. Im Prozess der Eignungsabklärung und in der Begleitung eines Pflegeverhältnisses werden die leiblichen Kinder und ihre Sicht stets mit einbezogen. Die Erfahrungen der leiblichen Kinder sind individuell verschieden: Die einen Kinder empfinden es als Bereicherung ihres Alltages, die anderen haben das Gefühl, sich oft zurück nehmen zu müssen.

Haben Pflegeeltern eine Auswahlmöglichkeit? Erfahren sie die Hintergründe, die zur Platzierung geführt haben?

Nicht jedes Kind passt in jede Pflegefamilie und nicht jede Pflegefamilie passt zu jedem Kind. Der Passungsprozess und eine sorgfältige Eingewöhnung des Pflegekindes in der Pflegefamilie sind entscheidend für das Gelingen des Pflegeverhältnisses. Um sich entsprechend auf ein Kind und seine Lebenssituation einlassen zu können, müssen Pflegeeltern – wenn immer möglich – die Hintergründe, die zur Platzierung geführt haben, erfahren.

Wie wird der Kontakt mit den leiblichen Eltern gepflegt?

Zu Beginn eines Pflegeverhältnisses wird eine individuelle Kontaktregelung entsprechend der Lebenssituation des Pflegekindes und seinem Herkunftssystem ausgearbeitet. Meistens pflegen die Pflegeeltern keinen direkten, jedoch indirekten Kontakt zu den leiblichen Eltern des Pflegekindes. Es braucht seitens der Pflegeeltern die Bereitschaft, dem Herkunftssystem im Leben des Kindes Raum zu geben. Ansonsten besteht die Gefahr, dass das Pflegekind einem Loyalitätskonflikt ausgesetzt wird.

Was passiert, wenn es einfach nicht funktioniert? Haben Pflegeeltern das Recht, aus ihrer Verpflichtung auszusteigen? Haben die Pflegekinder die Möglichkeit, umplatziert zu werden?

Pflegeeltern brauchen für die Aufnahme eines Kindes eine Bewilligung. Für jedes Pflegeverhältnis wird ein Pflegevertrag ausgearbeitet, der unter anderem auch die Kündigungsfrist festhält. Pflegeeltern haben somit Rechte und Pflichten gemäss den vertraglichen Bedingungen. Die Eingewöhnung in eine Pflegefamilie ist für ein Kind, das meist einen emotionalen Rucksack aus seiner bisherigen Lebensgeschichte mitnimmt, ein einschneidender Eingriff. Der Beziehungsaufbau braucht Zeit, Geduld und eine sorgsame Begleitung, damit die Pflegefamilie diese anspruchsvolle Aufgabe gut meistern kann. Abbrüche und erneute Wechsel sind zum Wohl des Kindes unbedingt zu vermeiden. Es finden mindestens jährliche Gespräche mit dem Pflegekind statt, bei dem das Kind seine Meinung, Wünsche und Anliegen deponieren kann.

Was passiert mit Pflegekindern, für die keine passende Pflegefamilie gefunden werden kann?

Nicht jedes Kind passt in jede Pflegefamilie. Für einige Kinder ist ein Platz in einem Heim oder auf einer betreuten Wohngruppe möglicherweise sinnvoller, zum Beispiel wenn ein Kind professionelle Betreuung durch Fachleute braucht.

Allen Herausforderungen zum Trotz – was bewegt Pflegeeltern diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen?

Pflegeeltern leisten einen äusserst wertvollen Beitrag für die Gesellschaft, indem sie ein Kind aus einer schwierigen Lebenssituation bei sich aufnehmen und ihm ein zweites zu Hause bieten. Für die einen Pflegeeltern ist es eben genau diese sinnstiftenden Aufgabe, für die anderen ist es vor allem die Freude am Zusammenleben mit einem Kind, die sie dazu motiviert, ein Pflegekind aufzunehmen. Für unsere Fachstelle ist letztlich entscheidend, dass die Pflegeeltern einem Kind eine sichere und liebevolle Betreuung anbieten können.

Vielen Dank, liebe Frau Lippuner, für Ihre wertvollen Ausführungen rund um das Thema Pflegeeltern und Pflegekinder.

Zum Glück kann ich zu Priska und Anna. Sie schauen jetzt auch zu mir. Ich habe jetzt drei Mamis. Mein Mami und meine Eltern, also meine Pflegeeltern. Es gibt im Fall noch viele Kinder, die Pflegeeltern brauchen könnten. Schaut doch bei stadt-zuerich.ch/pflegekinder vorbei.

Pflegekind aus der Stadt Zürich

Fühlt ihr euch angesprochen? Möchtet ihr einem Kind ein zweites Zuhause bieten? Die Fachstelle Pflegekinder berät euch und freut sich über eure Kontaktaufnahme über Telefon +41 44 412 77 40 oder e-Mail pflegekinder@zuerich.ch

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Pflegeeltern geben Pflegekindern ein zweites Zuhause, wenn sich deren leibliche Eltern aufgrund psychischer oder physischer Belastungen nicht um sie kümmen können.

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Pflegekinder der Stadt Zürich entstanden. Sie ist zuständig für die Abklärung, Aufsicht und Begleitung von Pflegeverhältnissen in der Stadt Zürich. Weitere Informationen findet ihr auf der Webseite.

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