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Mit Kindern lernen: Wie Eltern das Lernen der Kinder unterstützen können

Mit Kinder lernen

Nora Völker, Psychologin und Team-Mitglied des Projekts „Mit Kindern lernen“

Mit Kindern lernen

Ihr mögt Euch erinnern: kürzlich durften wir zusammen mit dem Team um „Mit Kindern lernen“ eine Seminarteilnahme verschenken. Unsere treue und engagierte Leserin Nicole Bertsch hat am letzten Samstag nicht nur daran teilgenommen, sondern gleich einen tollen Bericht verfasst!

Autobahnen im Gehirn: Mit dem 1 x 1-Lernen werden sie gebaut

Wer von euch hat schon einmal seinem Kind beim Üben des 1 x 1 geholfen oder erinnert sich selber noch an das Erlernen dieser wichtigen Sache? Ist es da nicht so, dass manche Lösungen durch Raten (manchmal eben auch erst falsch) gefunden werden? Nora Völker, Psychologin und Team-Mitglied des Projekts Mit Kindern lernen erklärt in ihrem Tagesseminar, warum das falsch ist:

„Wenn Kinder die Lösung zu erraten versuchen, dann gehen sie im Gehirn verschiedene falsche Wege, bevor sie den Weg zur richtigen Lösung finden. Beim nächsten Mal, wenn sie die gleiche Aufgabe wieder zu bewältigen haben, sind sie wieder unsicher, welchen Weg sie einschlagen müssen. Wenn wir ihnen aber von Beginn weg beim Abfragen immer gleich den richtigen Weg zeigen, wenn sie ihn noch nicht wissen, dann prägt sich in ihrem Gehirn nur ein einziger Weg ein – der richtige. Und dieser Weg wird mit jedem Mal Abfragen immer stärker und direkter und mit der Zeit ist er wie eine Autobahn – das Kind saust sofort, wenn es gefragt wird, zur richtigen Lösung!“

Eigentlich einleuchtend – und doch habe zumindest ich als Kind meiner Mutter beim Abfragen immer aufgeregt entgegnet: „Warte, sag’ die Lösung noch nicht, ich hab’ sie gleich!“ Ich wollte einfach nicht zugeben, dass ich die Lösung (noch immer) nicht wusste. So haben meine Mutter und ich mir mein „Lern-Leben“ unbewusst schwer gemach, indem ich mit diesem Verhalten „falsche Fundamente“ für meine Gehirn-Autobahnen legte – alles gut gemeint, klar, aber dennoch …

Wirkungsvolle Lernstrategie für Inhalte, die automatisiert werden müssen

Das gleiche System soll man übrigens auch anwenden, wenn ein Kind Vokabeln erlernen muss. Beim Abfragen sollte man das Kind nicht lange darüber nachdenken lassen, ob es jetzt „le pomme“ oder „la pomme“ heisst, wenn es den Artikel nicht grad weiss und ihm stattdessen sofort sagen, dass eben „la“ richtig ist.

Diese Lernstrategie gilt für Lerninhalte, welche automatisiert werden müssen, das ist wohl das grosse Aha-Erlebnis für die meisten bei uns in der Gruppe gewesen an diesem Seminar-Tag. Ich bin sehr froh, dieses Wissen nun vor dem Schuleintritt unseres Sohnes zu haben und mich „Abfrage-Sicher“ zu fühlen.

Lernen kann man wirklich lernen

Nora Völker hat uns an diesem Seminar-Tag nicht nur mit ihrem Fachwissen beeindruckt, sondern auch mit ihrer eigenen Geschichte. Sie ist Legasthenikerin, hat die Schule und Schulbücher gehasst und ist heute auf dem Weg, eine regelrechte Leseratte zu werden, wie sie verraten hat. Sie hat uns in diesem Kurs sehr glaubwürdig vermitteln können, dass man Lernen auch lernen kann und dass wir als Eltern dabei einen grossen Teil bewirken können bei unseren Kindern.

Eltern können die Lernmotivation fördern und stärken

Eltern können durch genügend Lob und Anerkennung die Lernmotivation der Kinder fördern und stärken. Und zwar eben eher nicht durch ein einfaches und pauschales „gut“ oder „schön“, sondern durch gezielte Anerkennung. So kann z.B. ein Kind, das immer sehr Mühe hat, für eine längere Zeit konzentriert an einer Arbeit zu sitzen, für sein Durchhaltevermögen gelobt werden, wenn es da an einem Tag nur schon einen winzig kleinen Fortschritt erzielt hat. So ist es motiviert, es am nächsten Tag noch ein bisschen besser zu machen.

Lernmotivation durch Zuneigung

Lernmotivation kann, das wissen wir alle wohl inzwischen, nicht mit Druck erzielt werden. Aber man kann viel erreichen, wenn man an das Kind glaubt und ihm zeigt, dass man es liebt und unterstützt. Nora Völker hat uns drauf aufmerksam gemacht, dass ein Kind sehr sensible Drähte hat zu den Eltern und daher genau spürt, ob die Eltern wirklich an es glauben oder nicht. Und daher ist es wirklich wichtig, dass wir an unsere Kinder glauben.

 Mit Kindern lernen

Mit Kindern lernen ist facettenreich!

Nicole Bertschs persönliches Fazit

Es gäbe hier noch viel zu erzählen über das, was wir an diesem Tag alles erfahren haben. Ich muss sagen, dass ich wirklich erfüllt bin von viel neuem Wissen. Ich kann daher an dieser Stelle den Kurs „Mit Kindern lernen“ nur wärmstens empfehlen. Dazu gibt es auch das gleichnamige Buch von Nora Völkers Geschäftspartner Fabian Grolimund zum Nachlesen.

Und dass es dem Team von „Mit Kindern lernen“ nicht unbedingt darum geht, die Seminare oder das Buch zu verkaufen, zeigt auch die Tatsache, dass sie auf ihrer Homepage einen 12teiligen, kostenlosen Online-Kurs anbieten, in welchem Eltern lernen können, ihr Kind für die Hausaufgaben zu motivieren, ihm wirksame Lernstrategien zu vermitteln und es zu selbständigem Lernen anzuleiten. Zu diesem Online-Kurs gehört auch eine Reihe von Videoclips, welche die Tipps illustrieren.

Vielen Dank, liebe Nicole Bertsch, für deine ausführliche und interessante Zusammenfassung, die uns bereits ein paar ganz konkrete Tipps vermittelt!

Weitere spannende Beiträge rund um das Thema „Hausaufgaben“ findet ihr hier:

Weitere interessante Beiträge passend zum Thema „Lernen“ gibt es da:

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7 Kommentare

  • Sportpapi
    7. Mai 2013 at 07:38

    Was aber, wenn es nicht nur eine richtige Lösung gibt, die auswändig gelernt werden kann?

  • AngiCosta
    7. Mai 2013 at 07:43

    Auch ich war letztes Jahr bei Nora im Kurs. Ich finde Sie macht es super und hat mir/uns viele Tipps für das „richtige Lernen“ mitgegeben. Ich lese gerne was von beiden veröffentlicht wird.

    Gruss Angi

  • Nicole Bertsch
    7. Mai 2013 at 09:39

    @Sportpapi: Es gibt natürlich verschiedene Lerninhalte, welche auch verschieden gelernt werden müssen. Hier ging es um das 1×1. Da gibt es ja nur eine Lösung. Es soll eben verhindert werden, dass das Kind herumratet, da es das dann beim nächsten Mal wieder macht, weil sich die richtige Lösung nicht gut einprägt. Ich kann wirklich nur den Besuch eines Kurses oder das Lesen des Buches empfehlen, um gute Lerntipps zu erhalten.
    Nora arbeitet übrigens in einer Kindertagesstätte mit 9 ADS-/ADHS-Kindern zusammen und macht da wohl einen manchmal sehr harten Job beim Hausaufgaben-Helfen und Lernen-Helfen.

  • Sportpapi
    7. Mai 2013 at 10:04

    @Nicole: Gut. In dem Fall noch eine Alternative: http://www.mathiblitz.ch/home/
    Ich bin ja auch sehr dafür, dass man zuerst einmal – drillmässig – das Wesentliche, das „Handwerk“, lernen sollte. Das passiert heute teilweise zu wenig, womit einige Kinder überfordert werden. Dann allerdings braucht es meist auch einen nächsten Schritt, der aus (Gegensatz-)Erfahrung, Verständnis, Begreifen besteht. Und da braucht es eben auch das Recht, Fehler zu machen, eigene Wege zu finden.

  • Katharina
    7. Mai 2013 at 11:19

    Damit ich das richtig verstehe: Hier geht es ausschliesslich um das schulische Lernen, also das sich Aneignen von vorgegebenen Wissen, richtig?

  • Fabian
    7. Mai 2013 at 12:03

    Zu den bisherigen Kommentaren: Die hier vorgestellt Methode ist wirklich nur angezeigt, wenn wichtiges Grundwissen auswendig gelernt werden muss. Es bringt nichts, ein Kind lange raten zu lassen, ob es le oder la pomme heisst – sonst weiss es am Ende nur, dass es „bei diesem Wort nie weiss, ob es le oder la heisst“. Sobald Lerninhalte komplexer werden und es auch keine simplen richtig-falsch-Lösungen mehr gibt, sollten wir den Kinder sehr wohl Zeit einräumen, um eigene Antworten zu entwickeln. Lernmethoden müssen an den jeweiligen Lerngegenstand angepasst werden – eine Methode, die immer und für alles gut wäre, existiert nicht. Im Buch „Mit Kindern lernen“ wird die hier vorgestellte Methode beispielsweise empfohlen, um die Rechengeschwindigkeit bei der Addition im Zehnerraum zu erhöhen – für den Zehnerübergang ist sie nicht geeignet, da dort das Begreifen im Vordergrund steht und das Kind die Rechenoperation verstehen muss.

  • Nicole Bertsch
    7. Mai 2013 at 12:37

    @Fabian: Danke für die Ergänzung.
    @Katharina: Ja, der Kurs ging ums schulische Lernen. War aber sehr spannend zu hören, wie man das zu Lernende vor allem zuhause eben auch gezielt so „verpacken“ kann, dass es eine Fortführung von dem ist, was das Kind bisher schon immer gerne gehabt hat. Dein Kurzer kann dann also sicher mal auf der Baustelle Ziegelsteine zusammenzählen… 😉

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