Familienleben Kolumne

Hilfe von oben?

Dass unsere Buben ständig streiten, wissen Sie längst. Und dass mich dies an den Rand bringt, ebenfalls. Drum bin ich auch ständig auf der Suche nach Mitteln, um ihnen dieses ewige Gezanke endgültig auszutreiben.

Doch die bisher eingesetzten pädagogisch korrekten Tricks haben nicht gefruchtet: Die Geschichte der sich streitenden Hasen Karni und Nickel, die – kaum strecken sie morgens ihre Lauscher aus ihren Höhlen – sich nur beschimpfen und eins über die Rübe hauen, hat nur dazu geführt, dass sich die Buben am Morgen – sobald sie sich vis-à-vis im Bett aufsetzen -, sich genau so angifteln. Auch die Geschichte der sich um einen silberfarbenen Luftballon streitenden Bären und Hasen hat die Buben keinen Schritt weiter gebracht, ausser, dass sie jetzt wissen, dass man nur stark genug in entgegengesetzter Richtung an einer Sache zerren muss, damit sie – ach, wie lustig! – in zwei Stücke reisst.

Meine Rettung konnte ich also nur noch in der Bibel finden. Ja, die Kinderbibel, die der Grosse auf seinen 5. Geburtstag erhalten und die lange genug unberührt ihr Dasein gefristet hatte. Darin findet sich nämlich die Geschichte der Brüder Kain und Abel. Diese – zugegebenermassen – etwas gar krasse Geschichte sollte es also richten. Schliesslich haben wir längst die oberste Eskalationsstufe erreicht und wenn diese Horrorgeschichte in der Kindebibel steht, dann wohl auch, damit sie Kindern vorgelesen wird.

Doch auch diese Intervention zeitigte keinen Erfolg. Im Gegenteil: Die Buben streiten sich jetzt, wer von ihnen beiden der abgrundtief böse Kain sei und beanspruchen jeder für sich die Rolle des herzensguten Abels. Natürlich tun sie dies, während sie sich – stellvertretend für Kains Stein – die Kinderbibel um die Ohren hauen.

Mir bleibt wirklich nur noch zu beten: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.“

mittwochs immer im Tagblatt der Stadt Zürich

Welche Geschichten erzählt Ihr Euren Kindern zum Thema „Streit“? Und kommt bei Euch die Kinderbibel auch zum Einsatz?

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6 Kommentare

  • Bionic Hobbit
    14. März 2012 at 08:10

    Also zur Kinderbibel (die’s auch gibt) mussten wir noch nicht greifen… zum Thema Streit/Fieseleien haben wir folgende Bücher: „Timo und Matto wollen nicht das gleiche“ (2 Maulwürfe, der eine will ein Loch graben, der andere einen Hügel), „Zelda and Ivy and the boy next door“ (leider nur auf englisch, 2 Schwestern, eine davon sehr fies und egoistisch, schwer zu mögen, aber ideal als Negativbeispiel).
    Bei uns gibt es meistens Streit, wenn es nicht 2 (oder 3) von irgendwas gibt. Dafür hängt bei uns seit kurzem eine „Gerechtigkeitsliste“ an der Klotür, mit allen drei Namen drauf. Wenn einer etwas kriegt/darf, um das gestritten wurde, kommt es auf die Liste, ganz egal was. Und die Idee ist, dass alle drei Kolonnen gleich voll sind. Wenn’s keinen Streit gab, kommt’s nicht drauf. So wissen die Jungs wenigstens, dass Mama „versucht“, gerecht zu bleiben.

  • Gaby
    14. März 2012 at 08:33

    Es nützt alles nichts, ausser die Gelassenheit, da hast du Recht, liebe Rita! Bei uns wird um alles gestritten (ob nun wirklich beide genau gleich viele Raviolis im Teller haben oder doch eine bevorzugt wurde…….. wuah!) und seis noch so nebensächlich :-(. Da nützen alle schönen Bücher nichts. Und irgendwie: solange sie das in der Familie mit den Geschwistern ausleben können, kommen keine bösen Telefone von Lehrpersonen/Krippenleitern oder andern Eltern ;-))).
    Also: sich in den Schneidersitz setzen, Hände auf die Beine, Daumen und Zeigfinger zusammenfügen und ganze viele lange ooooooooooooooooooooooooooohms denken/flüstern/sagen/SCHREIEN :-)))
    Lg, Gaby

  • Nicole
    14. März 2012 at 09:37

    @Rita: Meine Schwester und ich haben auch oft gestritten, und daher sehe ich das relativ gelassen, wenn sich unsere zwei streiten. Wir haben aber auf den Tipp hier hin das Buch vom Hasen und vom Bären mit dem Glitzerballon gekauft. Die Kids lieben das Buch, und wenn sie sich mal wieder um was streiten, dann erinnere ich sie daran, und das hilft manchmal sehr gut. Die Geschichte von Kain und Abel finde ich viel zu brutal, als dass ich sie den Kids erzählen würde. Wir haben auch eine Kinderbibel zuhause, aber ich halte zumindest unsere für ungeeignet für kleinere Kinder.
    @Bionic: Coole Idee, die mit der Liste! Muss ich mir merken. Ich bin selber ein sehr gerechtigkeitsliebender Mensch, und ich denke, dass ich als Kind sehr auf sowas angesprochen hätte. Ich denke eben noch heute, dass meine Schwester mit List und Tücke manches erreicht hat, was mir wegen meiner Ehrlichkeit nicht gelungen wäre. Wenn ich unsere Kinder anschaue, dann habe ich ein wenig den Eindruck, dass Nando ist wie ich war und Carmen so ist wie meine Schwester war. Z.B. beim Essen: Ich habe früher immer das, was ich am wenigsten mochte, sofort gegessen, um es „hinter mir“ zu haben – macht Nando auch. Meine Schwester hat es immer übrig gelassen und am Schluss gejammert, dass sie nicht mehr möge – macht Carmen auch (oder sie schmeisst das Ungeliebte einfach auf den Boden….). Da gibt es noch viele weitere Parallelfälle, die mich auch achtsam haben werden lassen, dass ich aufpassen muss, nicht immer Nando in Schutz zu nehmen…..

  • Pa-d Riverman
    14. März 2012 at 11:04

    Kindererziehung ist ein grosses Thema. Ich selber habe 3 Kinder und kannt die beschriebene Situation sehr gut nachvollziehen. Bis zu einem gewissen grad, denke ich ist es normal das sich Kinder streiten. Sie müssen herausfinden wer sie sind und sich selber behaupten können. Als Elternteil ist dies natürlich sehr oft ermüdeend mitzuerleben.
    Wenn der Streit überbordet und es zu handgreiflichen Taten kommt, dann isolieren wir die Streithäne, bis sie sich wieder beruhigt haben.
    Wegen der Bibel sehe ich die Sache etwas anders. Sie ist für mich eine Quelle der Offenbarung wer wir Menschen sind. Gerade die Geschichte von Kain und Abel zeigt das auch Böses in unseren Herzen ist, und das vom ersten Tag an. Zudem glaube ich das in der Bibel viele Weisheiten verborgen sind und sie die Kraft Gottes ist. So beten wir immer wieder für unsere Kinder. Sie müssen lernen das sie mit der Hilfe Gottes das Schlechte überwinden und Gutes tun. Dies ist leider nicht von Natur aus im Menschlichen Herzen verankert und muss den Kindern gelernt werden.
    Dabei sind unsere Kinder nicht perfekt, aber sie machen bezüglich z.b. teilen, rücksichtnehmen auf den andern Fortschritte. Wir dürfen einfach nicht aufgeben. Später im Leben werden es unsere Kinder uns danken, dass wir sie nicht aufgegeben haben und in sie investiert haben.
    Ich mach allen Mut es ernsthaft mit Gebet zu probieren, da wir tatsächlich oft an die Grenzen kommen.

  • Katharina
    14. März 2012 at 11:44

    Erst musste ich ein kleines Bisschen grinsen ob Deinen Nöten, liebe Rita.
    Und dann kam mir meine Schwe und ich in den Sinn: Unsere Kämpfe wurden mit so harten Bandagen ausgetragen, dass wir, nachdem wir von zuhause ausgezogen waren, jahrelang nichts miteinander zu tun hatten. Das unsere Mutter sich ständig eingemischt hat statt uns die Differenzen regeln zu lassen, hat nicht geholfen, im Gegenteil – es hat den Streit einfach in die klandestine Zone verschoben (hinter den Rücken der Eltern) und im Rückblick hat es vor allem einen Keil zwischen uns getrieben.
    Eine Bekannte hatte das Problem mit ihren zwei Töchtern, die sich ständig „uf e Grind“ gegeben haben. Sie – also die Bekannte – hat angefangen so „gemein“ zu beiden zu sein, dass sie sich solidarisiert haben 🙂 Ein äusserer Feind schweisst eine Gruppe zusammen musst Du wissen.

  • Nicole
    14. März 2012 at 14:40

    @Kat: Du kannst schon grinsen, du hast ja (noch) erst ein Kind…. 😉 Wir hatten ja aber das Thema zwischen deiner Schwester und dir und zwischen meiner Schwester und mir schon öfters, und ich finde auch, dass Mami vor allem dann Fehler gemacht hat, als sie zwangsweise zu schlichten versucht hat…. Das mit dem Solidarisieren hat da übrigens dann auch manchmal funktioniert. Mami hat dauernd versucht, der einen Tochter die Position der anderen zu erklären, dass beide darüber auf Mami hässig waren und sich dann untereinander schneller einig waren. Meine Schwester und ich haben uns auch immer schneller ausgesöhnt, weil wir nicht immer so ein Trimborium ums Entschuldigen und Frieden-Schliessen gemacht haben. Manchmal waren wir auch einfach wieder gut zueinander und wussten so, dass eben Frieden war. Nur abends oder vor dem Weggehen haben wir immer bewusst noch Frieden geschlossen, weil wir bis zum letzten Blutstropfen darauf getrimmt waren/sind, dass man nicht im Streit auseinandergeht oder schlafen geht.

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