Familienleben Kolumne

Halbzeit oder: Von Premièren und Dernièren

Noch nie ist mir die Zeit so schnell durch die Hände geronnen wie heuer. Dies hat nicht nur mit meinem eigenen Altern zu tun, sondern auch mit dem Älterwerden meiner Kinder. Familientechnisch haben wir nämlich Halbzeit: In nochmals zehn Jahren steht der Grosse auf seinen eigenen Füssen, und der Kleine wird volljährig sein. Die Zeit verfliegt plötzlich. So wie in den Ferien, wenn einem die erste Ferienwoche unendlich lang vorkommt, und kaum hat man die Ferienmitte erreicht, geht es nur noch «hinde abe»…

Genau so erscheint mir das Leben als Familie. Die ersten zehn mit unzählbaren Aktivitäten, Erlebnissen und Emotionen voll bepackten Jahre waren so lang. Die Tage mit kleinen Kindern und die durchwachten Nächte wollten kein Ende nehmen. Bisweilen schien es mir, als wären die Zeit, die Welt und mein Leben einfach stehen geblieben. Nun entwickle ich ein mulmiges Gefühl gegenüber dem viel zu schnellen Ablauf der zweiten Halbzeit. So vieles haben wir in der ersten Hälfte unserer gemeinsamen Familiengeschichte zum ersten Mal gemacht und erlebt: das erste Wort und der erste Schritt. Der erste Schultag und die ersten Skiferien. Die ersten Fahrten auf dem Trotti oder alleine mit dem Tram – so viele lang ersehnte Premièren, die immer so weit entfernt schienen und dann plötzlich doch einfach eintraten!

Nun frage ich mich: Wann kommen alle Dernièren? Wann wird es das letzte Mal sein, dass sie sich sonntags zu uns ins Bett kuscheln? Wann werden sie nicht mehr Händchen halten wollen? Wann werden sie uns nicht mehr «brauchen»? In dieser zweiten, dahinfliegenden Halbzeit werde ich wohl sehr rasch lernen müssen loszulassen. Wie sehr wünschte ich mir diese nie enden wollenden Tage von damals zurück, wie sehr, dass die Zeit einfach stehen bliebe.

Kennt ihr das?

immer mittwochs im Tagblatt der Stadt Zürich

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4 Kommentare

  • Jessika Becker
    1. Januar 2017 at 09:30

    Genau so ist es…!!! Da gibt es nichts mehr hinzuzufügen!

  • Gaby
    1. Januar 2017 at 18:58

    Wuuuuuuuah!!!! Und bei mir wird das noch früher sein, da meine Mädels älter sind!!! Wuaaaaaaaaah!
    Aber Rita: bei dir als italienischer Mamma bleiben die Jungs sicher bis nach 30 daheim wohnen…hihihihi!
    LG und no e guets Nois
    Gaby

  • Karin
    2. Januar 2017 at 01:26

    Ach Gott wo ist nur die Zeit geblieben. Erst gestern waren meine Kinder noch Babys…… heute sind sie schon längst Erwachsen. Jetz bin ich, eine noch 100 % arbeitstätige (Mummo =>Grossmutter)und geniesse meinen kleinen Sonnenschein sooft es geht! Das schöne ist, dass die Wahrnehmung viel intensiver ist, denn ich habe ja unendlich viel Zeit. Putzen,Wäsche waschen, das alles kann warten bis mein kleiner Sonnenschein wieder bei seinen Eltern ist. Als Eltern hat man das Privileg leider nicht, muss alles unter einen Hut bringen und erst noch allen gerecht werden. Aber jede Minute mit den Kindern ist kostbar ob Sie nun Babys, pubertierende Teenager, junge Erwachsene oder endlich erwachsen sind…..auch wenn sie manchmal nerven, Grins. Das mit dem loslassen…..äm wie macht man dass? Meine Grossmutter hat mir mal erklärt dass das schon beim durchtrennen der Nabelschnur geschieht…..leider habe ich noch heute enorm Mühe mit loslassen, aber ich glaube es gibt schlimmeres. In diesem Sinne: es guet’s nöis Jahr 2017

  • Rita Angelone
    2. Januar 2017 at 12:13

    Liebe Karin, danke für deinen schönen Kommentart! Dir und deiner ganzen Familie ein gutes 2017!

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