Dolce Vita

Das Geheimnis eines langen Lebens

Das geheimnis eines langen Lebens
Lebensabend in Italien: Gesund und glücklich alt werden

Italiens Bevölkerung wird immer älter

Kürzlich feierte eine Dorfbewohnerin von meiner Gemeinde ihren 104. Geburtstag. Ich jubelte innerlich mit – endlich mal wieder «good news»! Danach lechzen wir pandemiegebeutelten Zeitgenossen derzeit regelrecht. Man sieht der alten Dame das Alter kaum an, so wie sie auf dem einen Bild in der Tageszeitung gemütlich die Zeitung liest und sich auf einem anderen mit einem grossen Blumenstrauss ablichten liess. Es scheint, als würde sie der ganze Trubel um ihr hohes Alter kaum aus der Ruhe bringen.

Das Geheimnis der Langlebigkeit

Sie ist aber nicht die älteste Stiefelbewohnerin: Den ersten Platz auf der Altersskala hat Maria Oliva mit 112 Jahren inne. Sie lebt auf Sizilien – wie Antonio Turturici, der heuer 109 imaginäre Kerzli auf seinem Geburtstagskuchen ausblasen durfte. Sein Dorf – Caltabellotta in der Provinz von Agrigento – hat den Ruf als «glückliche Insel» inne, denn dort leben vier über Hundertjährige. Weitere 83 Pensionäre sind zwischen 90 und 99 Jahre alt und 335 zwischen 80 und 89. Italiens Bevölkerung wird immer älter – als Region mit den meisten Pensionären gilt Ligurien mit 31,1 auf 100 Einwohner. Was ist wohl das Geheimnis dieser Langlebigkeit?

Veranlagung, Lebenswandel und Liebe

Neben der genetischen Veranlagung trägt frische Luft, gesunde Ernährung und ein stressarmer Lebenswandel dazu bei, ein hohes Alter zu erreichen. In dem sizilianischen Nest herrscht wenig Verkehr und die Einwohner arbeiten oft auf den Feldern. Auch Antonio war stets als Landwirt im Einsatz – und erst mit 94 hängte er den Autoschlüssel an den Nagel. Doch eines ist den uralten Sizilianern ebenfalls gemein: Sie werden von ihrer Familie, ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln behütet und umsorgt. Das lässt mich unweigerlich an meine immer älter werdende Nachbarschaft denken: Meiner 91jährigen Nachbarin statte ich wöchentlich einen Besuch ab – jedes Mal weiss sie interessante Anekdoten zu berichten und meistens duftet es vielversprechend aus der Küche. Sie hätte noch viele Ideen im Kopf, meint sie jeweils, doch der Körper mache leider nicht mehr alles mit. Von einem Sturz im November hat sie sich blendend erholt, und hat sich nach anderthalb Monaten wieder auf den Velosattel geschwungen. Sie ist und bleibt mein Vorbild. Doch auch die anderen Nachbarn durchleben einen abwechslungsreichen Alltag – sie fahren teils noch Auto und erledigen ihre Besorgungen selber, kochen viel und gerne und gehen miteinander spazieren. Und : Sie machen einen glücklichen Eindruck. Dies ist doch das A und O für ein erfülltes Leben, nicht?

Seit Ausbruch der Pandemie habe ich das Gefühl, man achtet mehr und bewusster aufeinander. Meine Nachbarin etwa hat ein Augenmerk darauf, ob bei mir geschlossene Fensterläden auf ein Unwohlsein zurückzuführen sind und wenn sie weiss, dass ich in die Schweiz reise, bietet sie meiner Familie Unterstützung an, sollte mal alles drunter und drüber gehen. Überhaupt hat sie immer eine offene Haustüre für Anliegen verschiedener Art. Und das macht es doch gerade aus – dass man aufeinander acht gibt, nicht aus Kontrollwahn, sondern einfach aus Nächstenliebe. Dies sollte denn auch eine Schlussfolgerung dessen sein, was das Virus uns lehren wollte.

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