Familienleben Kolumne

Fördern – befördern – überfordern

Kennen Sie das Peter-Prinzip, das aus der Wirtschaft bekannt ist? Es besagt, dass in einer Hierarchie jeder dazu neigt, so weit aufzusteigen, bis er die Stufe der Unfähigkeit erreicht. Das tönt witzig und regt zum Lachen an, aber dieses Prinzip birgt leider sehr viel Wahres und auch Trauriges.

Es beginnt damit, dass begabte Mitarbeitende in einer Organisation gefördert werden – zu recht. Doch viel zu häufig wandelt sich dieser grundsätzlich positive Entwicklungsprozess in einen verbissenen Kampf, um jeden Preis die nächst höhere Stufe in der Karriereleiter zu nehmen. Die Förderung mutiert zur Beförderung, was ja auch deutlich besser tönt.

So können begabte Mitarbeitende, die in ihren alten Funktionen sehr gute Arbeit geleistet haben, ihre Begabung für die neuen Aufgaben ab irgendeinem Punkt nicht mehr nutzen und sind in der neuen Funktion nur noch überfordert.

Worauf ich hinaus will? Nicht auf die Missstände in der Führung eines grossen Finanzinstituts, das gerade Schlagzeilen macht, obwohl auch in dieser Organisation die Auswirkungen des Peter-Prinzips klar erkennbar wären…

Nein. Das Peter-Prinzip gilt auch für Fragen der Kinderentwicklung, auch wenn es in diesem Fall viel mehr die Eltern sind, die dazu neigen, das Kind so weit zu fördern, bis es die Stufe der Überforderung erreicht. Das Peter-Prinzip beginnt bereits mit einer unvernünftigen und über die Köpfe der Kinder hinweg gelebten Frühförderung und endet mit Leuten an den falschen Positionen, die aus lauter Unfähigkeit und daraus entstehendem Stress nur noch Mist bauen.

Nicht nur in der  Personalentwicklung in Organisationen sondern bereits in  Fragen der Kinderentwicklung innerhalb von Familien sollte mit dem Instrument der Förderung behutsam umgegangen werden. Denn: Wer die äusserst erreichbare Stufe der Erfolgsleiter erklimmt, kann leicht den Boden unter den Füssen verlieren.

mittwochs immer im Tagblatt der Stadt Zürich

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