Familienleben Kolumne

Familie – Quo vadis?

Letzten Sonntag durfte ich eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wieviel Staat braucht die Familie?“ moderieren und dabei mit FamilienpolitikerInnen über Sinn und Unsinn von staatlichen familienpolitischen Massnahmen diskutieren.

Wir haben über den abgelehnten Familienartikel diskutiert und über die aktuelle Familieninitiative debattiert. Wir haben uns gefragt, ob es besser ist, Kinder selber zu betreuen oder in Krippen zu geben und ob und wieviel Familienarbeit überhaupt wert ist. Von Staatskindern und Herdprämien war die Rede, von Gleichberechtigung zwischen Väter und Mütter und vorallem von Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Familien- und Erziehungsmodellen. Wir fragten uns, ob das familienpolitische Leitbild Schwedens als Vorbild dienen sollte und anerkannten, dass das französische Wertesystem den Begriff der Rabenmutter gar nicht kennt. Immer wieder wollten wir uns auf den gemeinsamen Nenner Familie als wichtigstes Fundament unserer Gesellschaf besinnen, stolperten aber doch wiederholt über die unterschiedlichen ideologischen Wertsysteme, die wir der Ideal-Familie zugrunde legten.

Und so diskutierten wir alle betont offen und weitsichtig, traten aber letztendlich nur vor Ort: Wohin steuert die Familie? Welche Familienpolitik ist die beste? Und für wen überhaupt soll sie die beste sein – für die Schweiz, für die Eltern, für die Kinder oder gar am Ende nur für irgendeine Partei?

Ich für meinen Teil weiss nur, dass kein zusätzlicher Krippenplatz und keine Herdprämie unser Problem löst, wenn unsere Buben in der Nacht erkranken und wir Eltern untereinander ausjassen müssen, wer am nächsten Morgen unbedingt zur Arbeit muss und wer sich am ehesten den Luxus leisten kann, zu Hause zu bleiben – schlechtes Gewissen inklusive.

immer mittwochs im Tagblatt der Stadt Zürich

Wie löst Ihr das mit dem Geschäft, wenn Eure Kinder über Nacht krank werden?

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9 Kommentare

  • Nadja W.
    29. Mai 2013 at 08:44

    normalerweise bleib ich zuhause. ich muss zugeben ich hab jedesmal ein schlechtes gewissen aber zum glück ist tristan selten krank 🙂 mein mann müsste nächste woche einspringen wenn der kleine krank werden würde….. ich fang am montag eine neue stelle an und fände es nicht gerade passend zu fehlen 🙁

  • Katharina
    29. Mai 2013 at 15:12

    Übrigens kennen entgegen anderslautenden Gerüchten auch französische Mütter das alles durchdringende schlechte Gewissen, an einer der drei gesellschaftlich verlangten Fronten (als Mutter, als Berufstätige und als Frau) nicht zu genügen. Burnout und Erschöpfungsdepressionen inklusive. „Gute Mutter“ wird einfach etwas anders definiert, nicht anhand der (Nicht)berufstätigkeit, sondern daran, ob die Kinder „gut spuren“, immer adrett gekleidet und „sortable“ sind („ausgehbar“, also ob man sie ohne Skandal ins Restaurant oder ins Konzert mitnehmen kann). Die „mauvaises mères“ (also jene, die ihre Kinder nicht wie kleine Äffchen abrichten) gibt es genau so, wie die deutsche „Rabenmutter“.

  • Rita Angelone
    29. Mai 2013 at 17:03

    @Nadja W.: Bei uns gab es eine laaaaange Phase, in der die Buben endlich nicht mehr so viele Bagatell-Sachen hatten wie als Kleinkinder. Doch in den letzten Monaten gabs doch da und dort etwas und schon lief die Woche bereits am Montag nach Plan B…..
    Hey, aber dir alles gute und viel Freude am neuen Ort!

  • Rita Angelone
    29. Mai 2013 at 17:04

    @Katharina: natürlich heisst es nicht, dass wenn es keinen „Begriff“ gibt dafür, dass es das Problem nicht auch gäbe, ist mir schon klar – mh, du hast mich aber grad auf eine Idee gebracht für ein neues Diskussionsthema, ma chère!

  • Katharina
    29. Mai 2013 at 17:23

    Rita, der Begriff heisst „mauvaises mères“ 🙂

  • Rita Angelone
    29. Mai 2013 at 17:29

    ui, aber der ist ziemlich bös…. der Begriff.

  • Nicole Bertsch
    29. Mai 2013 at 17:44

    Unsere Kids sind selten krank – und wenn doch, dann schlafen sie enorm viel, weswegen derjenige, der daheim ist, viel besser arbeiten kann als im Büro. Daraus folgt: Gaaar kein schlechtes Gewissen. Wer daheim bleibt, das entscheidet ein Blick in die Agenda: Wer Meetings mit anderen Leuten hat, geht ins Büro. Teilweise tauschen wir daher auch halbtageweise ab.
    „Mauvaises mères“ gibt es – aber auch „mauvaises pères“ – in jedem Land. Aber nicht alle berufstätigen Eltern sind schlechte Eltern – und man ist nicht alleine guter Elternteil, weil man beim Kind ist…..
    Wir sind übrigens gerne Rabeneltern – dennn das sind gute Eltern, wie man in jedem ornithologischen Buch oder unter wikipedia nachlesen kann. Wir möchten aber eben keine „mauvaises parents“ sein….

  • Katharina
    29. Mai 2013 at 21:18

    Es hat mich nicht losgelassen. Es gibt tatsächlich noch bösere Übersetzungen:
    Rabenmutter f mère dénaturée; mauvaise mère; p/fort marâtre f
    (aus dem Langenscheidt, Handwörterbuch Deutsch-Französisch)
    Wobei ich das letzte – marâtre – primär für die böse Stiefmutter aus den Märchen kenne.

  • TheSwissMiss
    29. Mai 2013 at 22:12

    Als Alleinerziehende ist ja wohl klar wer bei uns zu Hause bleibt:) Gott sei Dank kommt es nicht allzu oft vor und ein schlechtes Gewissen habe ich meistens nur kurz, denn wie überall im Leben ist es auch in der Arbeit ein „Geben und Nehmen“. Wenn in der Arbeit Not am Mann ist oder eine Ferienvertretung ansteht, kann ich dann auch mal einspringen – zum Beispiel wenn meine Kinder mit dem Papa im Urlaub sind.

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