Gastbeiträge

Evolution Kills the Childhood Star

Das Familienoberhaupt meldet sich erstmals zu Wort und berichtet in der Bühne frei – Serie über „sein“ Kind im Manne und wie er sich als Vater eigentlich sehr gerne auf dieselbe Ebene wie seine Buben begibt. Wenn da nur nicht der pädagogisch und politisch fragwürdige Kasperli drein funken tät…

„Spätestens der positive Schwangerschaftstest weckt das Kind im Manne wieder. Was von vielen als Plattitüde bezeichnet wird, birgt mindestens einen Funken Wahrheit. Denn sonst gäbe es kaum ein Marktsegment für die Zielgruppen «designierter Vater», «Neu-Vater» oder «Jungvater», das mit Produkten bedient wird wie «Dangerous Book für Boys», «Das Baby: Inbetriebnahme, Wartung und Instandhaltung» oder «Das Papa-Handbuch».

Das gemeinsame Element dieser Erzeugnisse ist die spielerische Vermittlung der doch ernsten Themen wie Babypflege, Ernährung, Krankheiten, Unfallprävention und – etwas später dann – die Erziehung. Mit anderen Worten: Der Mann scheint sich als Vater auf dieselbe Ebene wie sein Nachwuchs zu begeben. Kein Wunder sind Väter an erster Stelle, wenn es darum geht, Schatzkisten im Garten zu vergraben, Sandburgen im Sturm zu erobern oder die gemeinen Geister im Wald mit Gebrüll und Tannzapfen zu vertreiben.

Es liegt auf der Hand, dass wir Väter bei solchen Aktionen in den Erinnerungen unserer eigenen Kindheit schwelgen – und daran möchten wir dann natürlich auch unsere eigenen Sprösslinge teilhaben lassen. Doch dieses Unterfangen ist nicht ganz konfliktfrei: Über all die Jahre haben sich nicht nur die wissenschaftlichen Erkenntnisse, sondern auch die gesellschaftlichen Werte und Umgangsformen verändert.

Am augenfälligsten wurde mir das, als der Grosse – zu meiner Freude – Gefallen an meinen Kasperligeschichten gefunden hatte: «Gäll, de Chasperli hät em Tüüfel Luuspelz so lang mit Chnebelschiitli uf de Chopf ghaue, bis er s’Gold us de Höhli gholt hät.»

Der mutige Kasperli darf den Armen und Wehrlosen also helfen, indem er die Bösen die Treppe runterstösst, einsperrt oder eben mit irgendwelchen Gegenständen vermöbelt. Meine Jungs hingegen sollen nicht immer gleich die Faust ballen, wenn sie etwas als ungerecht empfinden – wie ist das zu erklären?

Noch herausfordernder sind Situationen wie diese, als der Kleine vor der Krippe eine schwarze Katze erblickte, die er mir vor versammelter Elternschar lautstark zeigen wollte: «Lueg Papi – es Negerli wie das vom Füürio!».

Und was lernen wir daraus? In Kindheitserinnerungen schwelgen ist uns Vätern anscheinend einverleibt worden, und meistens profitiert davon auch unser Nachwuchs. Dennoch scheint es – vaterspezifisch formuliert – sinnvoll zu sein, die alten Anwendungen vor deren Implementierung bei den Neu-Usern daraufhin zu prüfen, ob sie heute noch zeitgemäss sind.

Denn eine Binsenwahrheit scheint hier wie die Faust aufs Auge zu passen: Die Geister, die wir Väter riefen, lassen sich bei unseren Kindern nicht mehr so einfach vertreiben – zumal wir dazu ja eben kein «Chnebelschiitli» mehr einsetzen dürfen.“

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