Familienleben Kolumne

Entblössende Ehrlichkeit

Als was soll das Kind an die Fasnacht?

Man soll mit Kindern die Feste feiern, wie sie fallen, denn Kinder lieben Rituale. Sie geben ihnen Orientierung im Jahresverlauf und unterbrechen den Alltag. Um das Erlebnis zu steigern, ist es sinnvoll, sie frühzeitig darauf einzustimmen.

So verziere ich kurz nach dem Dreikönigstag das Haus mit Luftschlangen, Papierrosetten und Tröten und markiere im Familienplaner das Datum des Kinderfasnachtsumzugs.

Bleibt nur die Frage der Kostümierung: Ist es überhaupt menschenwürdig, den Kleinen in einen Fasnachtsoverall für Kleinkinder zu stecken und ihn als Schaf an die Fasnacht zu schicken? Ich finde nein und entscheide, dass sich dieses Jahr nur der Grosse verkleiden soll, was die Sache aber nicht vereinfacht.

Vermutlich würde er als Spiderman gehen wollen. Aber da ich weiss, was so ein Ganzkörperkostüm kostet, frage ich nicht nach seiner Meinung. Auch die Alternativen – bewaffnete Ritter, Cowboys oder Indianer – kommen nicht in Frage. Ausserdem will ich nicht, dass unser Grosser schon bei seiner ersten Fasnachtsteilnahme am Ende overdressed daherkommt.

Ich entscheide mich für den Mittelweg: ein Zorro-Cape und einen passenden Hut, ohne Säbel, wohlgemerkt! Die Figur ist rasch eingeführt, die Verkleidung ist bescheiden, aber wirkungsvoll. Und mit dem Schnäuzchen und dem Bärtchen, die ich ihm noch aufmale, sieht er Zorro furchtbar ähnlich. Finde ich. Zumindest noch vor dem Kinderumzug.

«Als was bisch du dänn verchleidet?», fragt ihn eine Bekannte, die selber Mutter ist und wissen müsste, was für Konsequenzen eine solche Frage haben kann. «Ähm, als Zorro, dänk.» «Aha, Zorro. Aber de hät doch en Säbel und ä roti Buuchbinde und a schwarzi Augemaske! Aber das macht ja nüt – Hauptsach verchleidet, gell, ha, ha, ha!»

Nun soll mir einer sagen, wie man das als Mutter machen soll, wenn man sich der ganzen Kommerzialisierung widersetzen will, ohne dabei dem eigenen Kind wehzutun?

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2 Kommentare

  • Cecile
    18. Februar 2010 at 10:17

    Was war denn das für ein kopfloses Mami, dem Kind zu sagen, dass der richtige Zorro so oder so aussieht. Das kann ein Kind nur enttäuschen. Klingt nach einer Dorfzicke, die sich immer aufspielen muss. Genau dadurch zwingt man den Kindern die Fantasielosigkeit der Erwachsenen auf. Es muss so und so aussehen, sonst ist es nicht das Original. Ich bin überzeugt, dass Kinder selber rein durch ihre Fantasie das Kostüm zum leben erwecken können, aber die abgestumpften Erwachsenen müssen da wieder unnötig rational sein. Mit wenig Aufwand kann man wunderbare Kostüme zaubern hier hat es ein paar Tipps: http://www.familienleben.ch/spielen/fasnachtskostueme-selber-machen

  • Rita Angelone
    18. Februar 2010 at 11:40

    Liebe Cécile Danke für deinen Beitrag und für den sehr interessanten Link auf familienleben.ch. Diese Seite kannte ich bisher nicht, habe aber grad den Newsletter bestellt!

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