Familienleben Kolumne

Einkaufen all’italiana

"Mamma, isch das italienisch gnueg?" - Bild: Angels Book

Als ich klein war, fanden meine Schulkameraden, dass es im Treppenhaus der dörflichen Blocksiedlung am Mittag und am Abend ständig stinke. Dies, weil da Südländer wohnten, die offenbar jede Mahlzeit mit Zwiebeln und Knoblauch anreichern würden.

Unverständnis und Vorurteile gegenüber Unbekanntem können durch das Zusammenleben und durch ständiges Dazulernen abgebaut werden. Und so greift unterdessen – fast 40 Jahre später – manch einer gerne zu zwiebelgeladenen Kebabs oder ist einem Teller Spaghetti aglio e olio nicht abgeneigt – egal, wie sehr das stinken mag!

Glücklich darüber, dass sich die verschiedenen Kulturen unterdessen sehr nahe gekommen sind, überraschte mich kürzlich eine neue Version eines Vorurteils zum Thema Einkaufen umso mehr. So sagte mir eine Bekannte: „Letzte Woche musste ich ausnahmsweise für ein Fest so viel einkaufen, du, da bin ich mir vorgekommen wie eine italienische Mamma!“

Auf meine Frage hin, wie denn eine italienische Mutter einkaufe, erhielt ich zur Antwort: „Ja weißt du, ein Wagen voller Fressalien eben!“
Ach so. Ein Wagen voller Fressalien. Wenn das also ein Unterscheidungsmerkmal für Nationalitäten sein soll, dann ist unser Lieblingseinkaufszentrum – und wohl nicht nur das – längst in italienischer Hand!

Denn – egal, wann ich da bin – es wimmelt nur so von randvollen Einkaufswagen, die von Müttern jeglicher Couleur gefüllt werden. Wie sonst bringt man das Kunststück fertig, das familiäre Warenlager so zu füllen, dass man wenigstens ein paar Tage davon zehren kann?

Statt mich über die fragwürdige Äusserung zu ärgern, nehme ich sie als Kompliment auf. Nicht von ungefähr hat eine Studie ergeben, dass Italienerinnen Europas beste Hausfrauen seien und unter anderem dem Einkaufen am meisten Zeit europaweit widmen, was sich wiederum in Höchstwerten fürs anschliessende Kochen, Geschirrspülen und Aufräumen auswirkt.

Damit unter dem Strich aber doch noch etwas Zeit für die Dolce Vita bleibt, füllen Italienerinnen und ihresgleichen ihre Einkaufswagen – wenn sie dann schon mal dran sind – auf Teufel komm raus und sind einfach nur unendlich dankbar, dass es lokale angebotsreiche Einkaufszentren gibt. Mit Parkplatz dazu.

Wie sonst sollen die ganzen Fressalien nach Hause gelangen?

Kolumne aus dem „Letzi Life“, dem Kundenmagazin des Letziparks, Ausgabe Sommer 2010

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1 Kommentar

  • max
    21. September 2010 at 02:38

    Der Bub mit seiner Frage, ob das italienisch genug sei, den finde ich lustig. Vermutlich hat er die grösseren Vorurteile in Bezug auf die Einkaufsgewohnheiten der Mammita als die Bekannte, wenn diese vom vollen Einkaufswagen schwärmt.

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