Familienleben Kolumne

Eine Frage der Perspektive

Die Geschwisterposition soll für die Entwicklung wichtiger sein als der Einfluss, den Eltern auf ein Kind ausüben können. Dennoch geben sich Eltern die grösste Mühe, Liebe und Aufmerksamkeit auf ihre Kinder möglichst gerecht zu verteilen.

Bei der Geburt unseres Kleinen wurden auch wir mit dieser Herausforderung konfrontiert: Wir schenkten dem Grossen besondere Aufmerksamkeit, da er sich durch seinen Bruder hätte entthront vorkommen können. Als Erster auf die Welt zu kommen, ist ja schon sehr hart: zuerst genoss er unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, alle Lebensstationen wurden akribisch dokumentiert und Ereignisse wurden von der gesamten Verwandtschaft gefeiert. Doch kaum kam der Bruder auf die Welt, war Schluss damit – so seine Sicht der Dinge.

Allen unseren Bemühungen zum Trotz findet der Grosse heute noch alles ungerecht und blendet aus, was uns der Kleine nun vorwirft, nämlich, dass der Grosse es sei, der immer neue Kleider und Schuhe bekomme, alles zum ersten Mal als Erstes tun dürfe und am meisten Fotos hätte.

Welcher von beiden ist nun im Vor- oder Nachteil? Niemand oder beide, doch das werden die Buben nie begreifen. Der Grosse wird den Anspruch auf unser Aufmerksamkeitsmonopol nie aufgeben, während der Kleine stets das Gefühl begleiten wird, nur unbeachteter Mitläufer zu sein.

Was bleibt uns Eltern übrig, als in jeder Situation möglichst fair zu handeln – selbst im Wissen, dass wir aus Bubensicht alles eh nur falsch machen können?

Jedenfalls hat sich der Kleine kürzlich seinen eigenen Chindsgirucksack zum baldigen Kindergarteneintritt aussuchen dürfen! Alles neu und exklusiv für ihn! Was er nicht zu wissen braucht: da er in Sachen Kindergarteneintritt den Grossen einholt und dieser im Sommer erst in den zweiten Kindergarten übertritt, kam für einmal das Vererben der Ausstattung des ältern Bruders nicht in Frage. Fair oder nicht – Hauptsache der Kleine ist glücklich!

mittwochs immer im Tagblatt der Stadt Zürich

Wie wirkt sich die Geschwisterposition bei Euch aus? Wer fühlt sich wie benachteiligt?

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9 Kommentare

  • Bionic Hobbit
    20. Juni 2012 at 08:10

    Als Zwillingsmutter habe ich meine ursprünglichen Ideen in Sachen Fairness schon lange verworfen.

  • Lorelai
    20. Juni 2012 at 10:09

    Schätze mit 2 Geschlechtern könnte es einfacher sein, zumindest in Bezug auf das vererben 😉

  • Isabel
    20. Juni 2012 at 12:30

    wir haben auch 2 Jungs (bald 6 und 4).
    der Kleine ist aber das bescheidenste Kind das ich kenne. er wünscht sich NIE etwas. (oder höchstens dass, was der grosse Bruder gesagt hat, dass ers wünschen soll) er freut sich, dass er alles vom Bruder nachtragen darf und er möchte dann auch das Kigatäschli erben! mal schauen, wie lange das noch so bleibt!

  • Lorelai
    20. Juni 2012 at 12:42

    Rita, ich finde es toll, dass Ihr es geschafft habt, nach der Geburt des Zweiten, dem ersten viel Aufmerksamkeit zu schenken. Ich habe diesbezüglich komplett versagt, war nonstop mit dem Baby beschäftigt und für meinen Sohn anfangs kaum available. Ist auch heute nicht viel besser, leider… Die Quittung, die ich bekam, kennst du ja: Schlafprobleme, kein Gehorsam mehr, nur Unsinn im Kopf…

  • Nicole B.
    20. Juni 2012 at 20:45

    @Lorelei: Ist auch nicht immer einfach, vor allem noch dann, wenn das Baby allenfalls viel Aufmerksamkeit braucht. Bei uns lief das auch sehr gut. Ich habe mich anfangs fast nur fürs Stillen mit Carmen beschäftigt, und während der restlichen Zeit hat GG sich um die Kleine gekümmert und ich mich um Nando. Carmen hat (dadurch) auch eine sehr enge Beziehung zu ihrem Papi.
    @Rita: Bei uns ist es ähnlich, wobei beide halt viel erben „mussten“ von ihrer Cousine und ihrem Cousin. So bekommt Nando nun eben auch ein gebrauchtes Velo zum Geburtstag, dasjenige, das sein Idol, sein grosser Cousin, mal hatte. Und er freut sich mega drauf! Für Carmen war das Erben des Laufvelos auch kein Beinbruch, weil wir ihr einfach noch Mädchen-Aufkleber gekauft und dieses anstelle der Sharky-Aufkleber draufgetan haben. Sonst ist es aber schon auch oft so, dass von ihr ein lautes „ich au“ oder so kommt…. Ich bemühe mich sehr (manchmal vielleicht zu sehr….), Nando gewisse „Altersprivilegien“ zu lassen, weil die „Gleichmacherei“ das einzige ist, das ich meinen Eltern etwas ankreide (wobei ich schon sehr milde geworden bin durch ihren Tod und durch mein Mamisein). Ich bin 2 Jahre älter als meine Schwester, und vieles durften wir zum ersten Mal miteinander machen. Das hat mich früher oft geärgert. Jetzt muss ich vielleicht ab und zu aufpassen, dass Carmen nicht zu kurz kommt, vor allem auch deswegen, weil sie mich in vielem an meine Schwester erinnert….

  • Lorelai
    21. Juni 2012 at 11:52

    @Nicole: wir haben’s leider nicht so gemacht und sobald der Mann wieder arbeiten geht… :/

  • Nicole B.
    21. Juni 2012 at 22:49

    @Lorelei: GG hatte drei Wochen Ferien, und so hat sich das da schon gut eingespielt. Auch sonst habe ich Rabenmutter ab und zu mal Carmen einen Moment warten lassen, wenn gerade Nando mich brauchte. Deswegen isr sie vielleicht heute so fordernd, wenn sie was will… 😉

  • Nicole B.
    21. Juni 2012 at 22:50

    @Rita: Superherziges Foto eurer beiden!

  • Rita Angelone
    22. Juni 2012 at 06:56

    @Nicole B. : eines der seltenen Momente von Friede und Paradies auf Erden…..

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