Gesundheit Kolumne

Ein Loch im Herzen

Der Vorfall letzte Woche mit dem Loch im Kopf unseres Kleinen hat viele Rückmeldungen ausgelöst: Einerseits scheint ein solcher Unfall – so banal er sachlich betrachtet auch sein mag – doch nicht alltäglich und viele Eltern sind noch nicht in den Genuss eines solchen Schocks gekommen, andererseits haben nicht wenige Eltern wieder einmal über den Sinn des Lebens sinniert.

Eine Rückmeldung hat mich besonders beschäftigt, da sie auf den Punkt bringt, wie sich berufstätige Mütter fühlen können: „Ganz ehrlich, Rita, ich hätte mir für meine Tochter viel lieber ein Loch im Kopf gewünscht als das, was ich ihr angetan habe“, sagte sie mir. Ich sei ja immerhin nicht schuld am Loch. Sie aber sei schuldig, dass sie ihre Tochter so enttäuscht habe, weil sie sich nur um ihre Arbeitstermine kümmerte und dabei das so geliebte Fussballtraining ihres Mädchens einfach vergessen habe. Das traurige, enttäuschte, gottserbärmliche Weinen der Kleinen liege ihr jetzt noch in den Ohren. Die Schuldgefühle, dieses Highlight einfach vergessen zu haben, weil sie sich mit ihren eigenen geschäftlichen Terminen herumgeschlagen habe, seien kaum auszuhalten. Da sei mein Kummer um dieses Loch ehrlich gesagt nichts dagegen.“

Für ein schicksalhaftes Loch im Kopf müsste ich mir tatsächlich keine Vorwürfe machen. Im Gegenteil: diesen Vorfall werde ich künftig sogar als Ass im Ärmel immer wieder ins Feld führen können, wenn ich die Buben zähmen muss. Doch dieses blöde Loch beschäftigt mich immer noch und löst auch bei mir trotz allem Schuldgefühle aus. Wäre ich an diesem Montag nicht zur Arbeit, wäre ich nicht berufstätig und folglich zu Hause geblieben, so hätte unser Kleiner den Hort nicht besucht und sich da den Grind auch nicht aufgeschlagen können.

Dies hätte auch zu Hause passieren können? Ja, Ihr habt recht. Aber Ihr wisst auch, wie das ist mit dem schlechten Gewissen. Gerade als Mutter, und erst recht als berufstätige.

immer mittwochs im Tagblatt der Stadt Zürich

Wie es zu diesem Loch im Kopf kam? Der Anruf – Wie ein Loch im Kopf eine Mutter auf dem falschen Fuss erwischt

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6 Kommentare

  • Sophia
    6. November 2013 at 15:20

    ja, wir berufstätige Mütter müssen aufhören uns für Alles schuldig zu fühlen. Ein Kind kann immer und jederzeit blöd fallen oder stolpern. Und wir arbeiten ja, damit es der Familie an nichts fehlt und vor allem unseren Kindern. Also aufhören damit! 😉 Kennst Du eigentlich den neuen BloggerSystem Anbieter qwer com ? Ich würde mich sehr über eine Antwort auch per Email von Dir freuen. Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg mit Deinem Blog.

  • Nicole Bertsch
    6. November 2013 at 20:10

    Auch hier mal wieder „mein“ Thema – warum reden wir nur immer vom schlechten Gewissen der Mütter und nie von demjenigen der Väter ???
    Wir Eltern tun das Beste für unsere Kinder – und wir können sie nicht 7×24 Stunden vor allem Unheil beschützen – ob wir nun arbeiten gehen oder nicht.
    Betr. dem schlechten Gewissen: Wennschon, dann haben wir es mal, weil wir nicht gerecht reagiert haben auf ein Verhalten des Kindes oder so. Ich weiss, dass ich eine schlechtere Mutter wäre, wenn ich 7×24 Stunden zuhause sein müsste. Und wenn ich voll zuhause bleiben würde, dann hätte ich ein schlechtes Gewissen – meinem Mann gegenüber. Weil ich ihm dann ja den Papi-Tag verunmöglichen würde…..

  • Matthias
    6. November 2013 at 22:49

    Unser grössere hat einen Velounfall „produziert“, mit der Mutter zu Hause…. Und das weniger als 200m vor der Tür…., ein komisches Gefühl, wenn es hornt in den Strassen für das eigene Kind. Und dann kommt Vater, aus dem Büro kommend, eben in den Notfall des Kispis…. Und trifft auf: Rita Angelone! Und den eigenen Sohn natürlich … Rita Angelone ist gerade in beruflicher Mission unterwegs, begleitet den Arzt ein paar Stunden lang. Vielleicht sind Ihnen, liebe Rita, ein paar Dinge wieder in den Sinn gekommen… Im Frühjahr 2012 war es. Die geplante Parisreise im Mai konnten wir trotzdem machen. Vorwürfe machten wir uns auch… Wurde der Bub genug gut aufs Velofahren vorbereitet? Hätten wir ihn diesen (kurzen) Weg nicht doch nicht mit dem Velo fahren lassen sollen…? Was, wie, hätte, müsste…., schlussendlich waren wir dankbar, dass nicht mehr passierte! Und die Wundspuren cremen wir noch fast jeden Abend ein, aber ein bisschen „Kampfspuren“ gehören zu Männern…. In dem Sinne dem Patienten „Gute Besserung“! Liebe Grüsse von Baurs

  • Bionic Hobbit
    6. November 2013 at 23:18

    Ich bin eigentlich ziemlich überzeugt, dass ich meinen Kindern etwas Gutes tue, indem ich nicht den ganzen Tag zuhause bin…

  • Rita Angelone
    7. November 2013 at 12:09

    @Matthias: Lieber Matthias! Natürlich seid Ihr mir sofort in den Sinn gekommen. Ihr und die vielen anderen kleinen Patienten und ihre Eltern in dieser Nacht im Kispi-Notfall. Ich habe nach diesem Vorfall meine Leserschaft über Facebook auch wieder auf meinen Bericht aufmerksam gemacht und dabei habe ich Eure Fotos angeschaut und ich sehe Euren jungen Mann noch vor mir, wie er da lag und von Georg Staubli untersucht und dann sein Bein zugenäht wurde. Grosses Glück im Unglück war das. Ich bin froh zu hören, dass Ihr dann trotzdem nach Paris gehen konntet und es ist schön, dass Ihr die Wundspuren immer noch liebkost! Und ja, du hast recht: zu einem Mann gehören Kampfspuren, so wie zu einer Mutter Herzschmerz gehört!

  • Rita Angelone
    7. November 2013 at 12:17

    @Bionic: … 🙂 ich letztendlich auch!

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