Familienleben Kolumne

Drehen wir bald alle durch?

Wen wunderts, dass Eltern je länger je mehr überfordert sind?

Keine Woche vergeht, in der nicht über Kinder, Erziehungsfragen und familiären Herausforderungen berichtet wird. Das Thema Kinder und Familie ist heutzutage derart hochstilisiert, dass alles, was auch nur im geringsten damit zu tun hat, zu einem Politikum wird:

Kinderwunsch – weshalb vorhanden oder weshalb nicht? Kinderkriegen – zu früh oder zu spät, natürlich oder per Kaiserschnitt? Stillen – das allein selig machende oder auch anders lösbar? Frühförderung – ab wann und mit welchem Ziel? ADS – Ritalin oder Psychotherapie? Impfen – Segen oder des Teufels? Aufklärung – zu Hause oder im Chindsgi? Internet – verbieten oder erlauben? Velohelm – Pflicht oder nicht? Kindergarten – Täschli oder Rucksack?

Egal, wie Eltern all diese Fragen für sich beantworten, sie können es nur falsch machen. Denn jeder ihrer Entscheide kann genauso gut und mit eben so vielen Gegenargumenten gleich widerlegt werden.

Wen wunderts, dass Eltern je länger je mehr überfordert sind und sich dies eins zu eins auf die Kinder auswirkt, wie der Blick letzten Sonntag berichtete: Eltern seien in Erziehungsfragen gewaltig verunsichert. Was zuerst auf den Schultern der Eltern ausgetragen und anschliessend auf die Kinder einprassle, überfordere letztere schnell. Dies erschwere Jugendlichen zusätzlich, sich in der heutigen Welt zurecht zu finden. Apathische Schwänzer und rotzfreche Pöbler, die zu Zwangsauszeiten von der Schule verknurrt werden müssen, seien das Resultat.

So dreht sich ab sofort die neue Diskussionsrunde um folgende Themen: Burnout oder Time-Out? Erst in der Oberstufe möglich oder bereits im Kindergarten denkbar? Sonderschule oder Time-out-Schule? Nur Kinder am Rande des Nervenzusammenbruchs oder aber auch Eltern davon betroffen?

Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis auch dafür ein willkommenes oder umstrittenes, auf jeden Fall aber heftig diskutiertes Angebot entsteht: Klapsmühlen für ganze Familien!

mittwochs immer im Tagblatt der Stadt Zürich

Wundert es Sie, dass auch Kinder von „Burnout“ und „Time-Out“ reden? Gabs das „früher“ nicht oder wussten wir bloss nicht, wie man „dem“ sagen sollte?

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2 Kommentare

  • Nicole
    29. Juni 2011 at 07:09

    Kinder reden so, wie wir Erwachsenen reden. Ich habe auch schon einen Dreijährigen sagen hören „Ach, i bin so gstresst!“
    Der Einfluss von aussen auf Eltern und Kinder hat meiner Meinung nach schon zugenommen. Es gibt noch mehr Fachbücher, Infos im Internet und Internetforen, welche sicherlich hilfreich sind, aber auch verwirren und verunsichern können. Aber schon bei meinem Cousin, der nur ein paar Jahre jünger ist, hat man die Diagnose „POS“ gestellt (das ist der veraltete Begriff von ADHS) und ihn entsprechend behandelt.
    Ich bin Juristin – da sagt man ja immer „Zwei Juristen, drei Meinungen!“ – Bei Erziehungsfragen ist es wohl noch viel schlimmer, denn hier gibt es wohl bei vielen Themen noch viel weniger ein „richtig“ und ein „falsch“… Mein Mann und ich hören in allererster Linie auf unseren eigenen Verstand und unser eigenes Herz – und sonst eigentlich fast nur noch ein bisschen auf Largo.

  • Rita Angelone
    29. Juni 2011 at 07:20

    Ich bin deiner Meinung. Deshalb sage ich auch, dass die „Probleme“ und „Überforderung“ der Eltern eins zu eins auf die Kinder übergehen. Reden wir von ADHS und Burnout und Time-Out etc. tun sie es auch. Und am Schluss glauben sie wahrscheinlich auch, dass sie es hätten – vor lauter darüber reden.
    Bauch und vor allem Herz sind auch meine Hilfsmittel … und… lustig… auch ein bisschen Largo!

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