Familienleben Kolumne

Die Welt aus Kinderaugen

„Wuääähhhh – ich bin der unbesiegbare Dino-Jäger und bodige alle Dinosaurier!“

Kennt Ihr die Comic-Figuren Calvin und Hobbes, dieser sechsjährige Junge und sein Stofftiger? Als noch Kinderlose habe ich unzählige Calvin und Hobbes-Strips gelesen und immer war ich derart fasziniert von Calvins überschwänglicher Fantasie: für ihn war sein Tiger lebendig und er konnte sogar sprechen und handeln, während er für alle anderen nur ein simpler Stoff-Tiger war.

Seine Abenteuer katapultierten mich zurück in meine eigene Kindheit, in der auch ich mich zwischen meiner eigenen imaginären Parallelwelt und der Welt der Erwachsenen hin und her bewegte. Auch meine Puppen waren für mich real, während sie in den Augen meiner Eltern einfach nur zerzauste und abgegriffene Spielsachen waren, die längst in die Waschmaschine gehörten. Hach, wie ich diesen Blondschopf liebte!

Ja, und nun haben wir unseren eigenen Calvin zu Hause: mindestens so fantasievoll wie der echte und zudem blond und blauäugig dazu. Anstelle eines Stofftigers redet er aber mit seinem Bärchen und seinem Mäuschen, die er beim Einschlafen rechts und links mit seinen Händen festhält und die dann doch jede Nacht aus seinem Bett ausreissen, auf dass er sie jede Nacht aufs Neue suchen muss – mit unserer Hilfe, versteht sich.

Wie bei Calvin existieren auch bei unserem Kleinen mehrere Alter Egos, doch statt dem Raumfahrer „Spiff“ ist er ein furchtlose Dinosaurier-Jäger oder ein abenteuerlustiger Pirat auf der Suche nach Diamanten. Und verwandelte sich bei Calvin der Spinat auf dem Teller zu einem kinderfressenden Monster, so wird bei unserem Kleinen jedes Weggli zu einem Ufo und jedes Osterei zu einem Lava speienden Vulkan!

Jedenfalls hat unser Kleiner dieses Jahr den Osterhasen gesehen, mit eigenen Augen, wie er um unser Haus stampfte, ja, stampfte. „So etwas Braunes, mit so braunen Dingern da oben. Ja, Mamma, ich habe ihn gesehen!!!“

Ja, ich weiss, mein lieber Calvin, du hast ihn wirklich gesehen.

immer mittwochs im Tagblatt der Stadt Zürich

Welche Fantasien entwickeln Eure Kinder?

Dies koennte dir ebenfalls gefallen

4 Kommentare

  • Rahel
    3. April 2013 at 06:43

    Nein Calvin und Hobbes kenn ich nicht, aber auch unsre Jungs leben manchmal in einer Fantasiewelt, v.a. unser mittlere 4jährige, ist manchmal sehr am träumen und spielt mit seinen Dinos und Piraten, auch die Teigwaren oder das sonstige essen können von einer auf die andere Sekunde zu Dinos erwachen, sie fangen dann an zu kämpfen und die Piraten stürmen heran,…. (ein grosser Streitfaktor, denn ich bin der meinung, das essen ist zum essen da!!! Und nicht zum spielen, doch er überhört mich da dann oft) Manchmal kommt er auch zmitzt ihr Nacht und meint ein grosser Dino sei gerade eben auf unserm Dach gelandet und er müsse ihm nun auftun,….

  • Nadja W.
    3. April 2013 at 12:42

    mhh die kenn ich auch nicht aber die dinos bei dir auf dem bild schon 😀 ich frag mich langsam wie viel fantasie der noch hat….aber nein ich beklag mich nicht ich finds ja toll was er so alles mit seinen dinos anstellt 😉

  • var13
    3. April 2013 at 13:24

    Es ist schade, dass man als Erwachsener den Kindern so wenig Glauben schenkt wenn sie von ihren „Fantasien“ erzählen. Ich selbst litt als Kind darunter. Ja, auch ich habe den Osterhasen gesehen…er stand an meinem Bett und guckte mich an. Nein, ich schlief nicht; war hellwach und etwas verängstigt, weil der Osterhase nichts sagte, sondern nur da stand und guckte. Als Teenager spührte ich viele Male, wie mir jemand die Hand oder den Kopf streichelte, wenn ich Abends im Bett lag. Das tue ich heute noch… Hätten mir meine Eltern meine „Hirngespinste“ jedoch nicht ausgeredet, so wäre ich jetzt vielleicht noch hellsichtig wie damals und hellfühliger und hellhöriger als heute.
    Mein 1 1/2-jähriger Sohn teilt gerne..alles mit allen…und so offeriert er manchmal gerne sein Essen den Wesen, die um ihn stehen (, die ich leider nicht sehen kann…nur manchmal spühren). Die lehnen wohl ab, da er dann kopfschüttelnd und lächelnd sich das Essen selber in den Mund stopft. Manchmal macht der eine oder andere ihm solch Freude, dass er laut lacht…
    Ich könnte noch einen Haufen solcher Geschichten erzählen… Doch leider haben wir Erwachsenen manchmal zuviel Angst um die Wahrheiten zu sehen und verleugnen diese lieber.

  • Nicole B.
    4. April 2013 at 00:43

    Ich finde Kinderfantasien auch herrlich. Was sie sich jeweils so vorstellen, wow! Wenn sie dann davon erzählen, dann werde ich beim Zuhören manchmal selber wieder ein Kind! Wir sind ja in der Nacht auf Ostern im Flugzeug gesessen, und beide Kinder sind sich sicher gewesen, den Osterhasen vorbeifliegen gesehen zu haben. Jö! Ich selber ertappe mich beim Fliegen immer wieder dabei, wie ich so gedankenverloren nach meinen Eltern suche – ob sie wohl auf einer Wolke sitzen und mir zuwinken? Ich finde die Wolkenspiele hoch am Himmel wirklich sehr fantasiefördernd.
    Betreffend Suchen von geliebten Stofftieren bin ich froh, dass da unsere Kinder ziemlich nachsichtig sind. So sehr sie sich beim Einschlafen an sie kuscheln, so rasch „entledigen“ sie sich oft nachher den Tieren und heben sie erst frühmorgens wieder auf. Und in den Rollenspielen werden die Kuscheltiere meist als Babys bemuttert – vor allem natürlich von Puppenmami Carmen.

Hinterlasse eine Nachricht

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.