Familienleben

Die Taufe: Welche Rolle spielen Gotte und Götti (noch)?

"War das bei mir auch so?"

Am Sonntag hat die Taufe meines Göttibuben stattgefunden. Dabei habe ich mir natürlich noch einmal Gedanken gemacht über die Rolle von Gotte und Götti.

In der christlichen Kirche ist der Pate ein Ehrenamt. Der Taufpate bzw. die Taufpatin begleitet oder trägt den Täufling bei der Taufe und ist Zeuge der Sakramentenspendung. Sein bzw. ihr Name wird im Kirchenbuch vermerkt.

Die Taufpaten haben die Aufgabe, die menschliche und religiöse Entwicklung des Patenkindes zu begleiten und die Eltern moralisch und in allen Erziehungsfragen zu unterstützen. In früheren Zeiten hatten die Taufpaten im Falle des frühen Todes der Eltern eine Fürsorgepflicht für das Kind.

Doch wie sieht es heute aus? Beschränkt sich die Taufpatenschaft nur noch auf das Beschenken bei festlichen Anlässen? Oder bemühen sich Gotte und Götti auch um eine persönliche Beziehung zu ihrem Patenkind? Sucht man sich Gotte und Götti innerhalb der Familie aus oder bewusst im Freundeskreis? Tauft man heute überhaupt noch?

Unsere beiden Buben zum Beispiel haben denselben Götti und dieselbe Gotte, sprich den Bruder des Familienoberhaupts – also der Onkel – und meine Schwester – also die Tante. Dies vereinfacht die ganze Organisation bei Familienanlässen und die Frage der Fürsorgepflicht bleibt moralisch innerhalb der Familie (denn rechtlich berechtigt das Patenamt nicht zur Übernahme der Vormundschaft). Und viel wichtiger als die Geschenke ist unseren Buben die gemeinsam mit Gotte und Götti verbrachte Zeit. Die Geschenke nehmen sie aber auch gerne…!

Wie siehts bei Ihnen aus? Taufe ja oder nein? Was für ein Götti, was für eine Gotte? Was sind die Erwartungen an dieses „Amt“? Wie werden sie erfüllt?

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14 Kommentare

  • Tanja
    8. November 2011 at 06:23

    Ich habe damals so etwas ähnliches (habe meines nicht mehr da meine Daten futsch sind) im Swissmom gefunden und Gotti und Götti von Lana gegeben:

    Gesucht ab ca. xx.xx.2011:

    GOTTI / GÖTTI

    Arbeitsbedingungen:
    Anstellung: Festanstellung
    Beschäftigungsgrad:Teilzeit
    Arbeitszeiten: Flexibel
    Stellenantritt: voraussichtlich xx.xx.2011
    Amtsdauer: ca. 18 Jahre
    Position: qualifizierter Mitarbeiter

    Aufgabenbereich:
    Pflege und Betreuung von mir
    kollegiale, offene Freundschaft mit allen Beteiligten
    Erziehungsaufgaben
    diverse Ausflüge wie Zirkus, Zoo, Kino etc.
    Spielen, Seich machen, ab und zu Sachen erlauben, die Mami und Papi verbieten

    Meine Anforderungen:
    keine Vorkenntnisse nötig, wir werden alle „hineinwachsen“
    persönliches Ziel ist, dass ich mein Gotti / meinen Götti gut kenne, und gerne mit ihm Zeit verbringe

    Ich biete:
    interessante, selbständige Tätigkeit sowie Teamarbeit
    angenehmes Arbeitsklima in jungem Team
    umfassende Einarbeitung
    interne und externe Weiterbildungsmöglichkeiten
    spannender, lehrreicher Tätigkeitsbereich in den nächsten 18 Jahren
    stinkende Windel, Brei im Gesicht, Geschrei und herzliches Lachen, später auch rätselhafte Zeichnungen und Kunstgemälde, sowie phantasievolle Scherenschnitten

    Bevor wir diesen Stellenangebot in allen Zeitungen drucken werden, wollten wir es unbedingt zuerst Dir zeigen…

    Ich, sowie Mami und Papi würden sich nämlich riesig freuen, wenn Du das Amt als Götti / Gotti annehmen würdest… ?!?

    Für mich persönlich sind Paten sehr wichtig! Ich erwarte auch von ihnen, dass sie sich ums Kind bemühen und interesse zeigen. Mein Mann sieht das eher lockerer.
    Meine Paten waren früher nichts besonderes für mich (Götti=Grossvater (alle Enkel werden gleich behandelt), Gotte=Tante die sich nicht interessierte) Und meine Geschwister hatten alle ganz tolle Paten. So war ich oft enttäuscht. Ich habe mich bewusst für Paten ausserhalb der Familie entschieden!
    Ich bemühe mich sehr um mein Patenkind. Es vereinfacht die Situation aber auch,dass wir ganz nah wohnen. Mein Patenkind ist übrigens nicht getauft. Wie einige Kinder in unserem Umfeld. Das schliesst aber nicht aus, dass die Kinder trotzdem Paten haben.
    Klar gehören Geschenke dazu! Aber es müssen nicht hunderte von Franken fliegen! Lieber die Paten haben etwas Zeit für die Kinder!

  • Bionic Hobbit
    8. November 2011 at 07:49

    Mein Patenkind lebt Paris und ich sehe sie nur 1 bis allerhöchstens 2 Mal im Jahr. Diesen Frühling war die Konfirmation (sie ist 15), und ich fand das leider sehr antiklimaktisch, weil für mich ausser beim Geschenk bei diesem Anlass keine Rolle eingeplant war. Manchmal denke ich, dass eine Patenschaft vor allem die Freundschaft zwischen den Eltern und den Paten aufrecht erhält, was ja auch schön ist.
    Die Suche nach Paten für unsere Zwillinge war ganz schön kompliziert. 2 der 3 Geschwister der Eltern waren schon für den älteren Sohn Paten. In der katholischen Kirche sollte ja immer noch einer der 2 Paten katholisch sein. Da die meisten unserer Freunde reformiert sind, haben wir also noch weiter in unseren katholischen Familien gesucht… und dann noch so, dass alle am gleichen Datum zur Taufe erscheinen konnten. Eine Patin ist jetzt sogar nonkonfessionell….So ging es fast ein Jahr, bis wir die Kinder taufen konnten, was den Anlass ziemlich schweisstreibend machte. Denn bei uns waren es die Eltern, die die zappeligen, schon recht grossen Jungs während der Taufe halten… Wir und die Kinder haben aber zu allen Paten noch eine schöne Beziehung. Ich habe von einem Freund gehört, dass er als Pate „abgesetzt“ wurde, weil seine Ansichten (oder was auch immer) den Eltern seines Patenkinds nicht mehr passten! Darf man Paten absetzen?

  • SomeintPhia
    8. November 2011 at 08:29

    Für uns war relativ schnell klar, wer Gotte (Kollegin) und Götti (Bruder) werden soll. Das passt bestens. Beim Zweiten wirds dann schwieriger .. 😉

    Das Kollegenpäarli setzt voll auf die Familie, da dies scheinbar besser laufe. Doch auch in der Familie kann es mal Unstimmigkeiten geben.

    Aber, über eine Zeit von 18 Jahren kann sooooooo viel passieren.

  • SomeintPhia
    8. November 2011 at 08:35

    ja, Paten sind absetzbar, kenne dies aus einem Fall .. in der Zwischenzeit wurde jedoch auch die Mutter „abgesetzt“

  • Bionic Hobbit
    8. November 2011 at 08:57

    Mutter kann man auch „absetzen“?? Wer denn, der Vater oder die Kinder?

  • Rita Angelone
    8. November 2011 at 09:08

    @Tanja: Lustiger Stellenbeschrieb! Danke für deine ausführliche Meinung!

  • Rita Angelone
    8. November 2011 at 09:10

    @Bionic: …. absetzen? Weiss nicht, müsste man abklären. Moralisch oder rechtlich (Kirchenrecht oder anderes Recht?) – ganz gute Frage, die ich bei Gelegenheit dem FOH weiter schiebe…. Oder Nicole liest das – sie kommt sicher auch besser draus…. 😉

  • Rita Angelone
    8. November 2011 at 09:12

    @SomeintPhia: Genau weil es beim Zweiten schwierig wird (da man die BESTEN Paten bereits fürs erste Kind gewählt hat), haben wir die gleichen Paten auch für den Kleinen gewünscht. Zum Glück haben sie auch zugesagt.

  • Rita Angelone
    8. November 2011 at 09:12

    @SomeintPhia: Die Frage der „Absetzung“ wird immer komplexer….

  • Nicole
    8. November 2011 at 10:46

    Bei Nando sind meine beste Freundin (damals noch katholisch, heute aus der Kirche ausgetreten) und ein guter Freund meines Mannes die Paten. Beim Bruder meines Mannes konnten wir uns nicht vorstellen, dass er was mit Kindern anzufangen weiss. Sonst hätten wir ihn genommen. Er hat dann aber mit Nando so ein herzliches Verhältnis aufgebaut, dass er sich locker qualifizierte 😉 als Götti für Carmen. Carmens Gotti ist meine Schwester. Ich bin auch Gotti ihres zweiten Kindes.
    Eine „moralische Fürsorgepflicht“ – hihi….. Im Falle eines Falles sind eben Gotti und Götti weder berechtigt noch verpflichtet – zu nichts. Die Annahme einer Fürsorgeverpflichtung führt noch heute dazu, dass viele Patenanfragen negativ beantwortet werden. Die Eltern können testamentarisch einen Wunsch äussern, wer sich kümmern soll, aber die Vormundschaftsbehörde entscheidet.
    Ich bin noch Gotti von einer inzwischen 25jährigen und dann habe ich noch einen Gottibuab in Wien. Bei ersterer waren die Anforderungen der Eltern an mich enorm hoch – sowohl was die Zeit anbelangt, als auch die Geschenke. Beim Buben in Wien ist es so, dass wir uns halt selten sehen. Meist kommt der Bub im Sommer ein paar Tage zu uns.

  • Lorelai
    8. November 2011 at 12:13

    Wir haben bei unserem Ersten nicht auf die besten Paten gesetzt sondern haben die (in unseren Augen) Pflichtpaten (die Familie) in die Pflicht genommen obwohl wir wussten, dass das für unseren Sohn nicht einfach werden würde. Mein Bruder ist zu sehr mit sich selber beschäftigt, als dass er sich gross von sich aus melden/bemühen würde. Geschenke muss auch ich besorgen. Die Schwester meines Mannes wurde gerade 18 und man muss froh sein, wenn sie sich dem Kleinen kurz widmet wenn wir bei ihnen zuhause zu Besuch sind. Wir hoffen, dass sich das bessert wenn sie grösser ist. Bei meinem Bruder habe ich keine Hoffnung aber wer weiss? Um sein erstes Patenkind im Aargau (!) kümmert er sich besser, was aber daran liegt, dass ihm diese Familie wohl näher steht als die eigene.
    Jetzt, in Erwartung unseres 2. Kindes, konnten wir endlich unsere Wunsch-Traum-Paten anfragen, unsere besten Freunde, die auch unsere Trauzeugen waren. Bereits bei unserem Sohn haben sie immer mehr Engagement gezeigt (und auch Geschenke gebracht) als seine wirklichen Paten. Ich wünschte, wir hätten nicht dieses dumme Pflichtgefühl gehabt, aber es gehört sich hier einfach so, die Familie zuerst zu berücksichtigen…

  • Nicole
    8. November 2011 at 14:42

    @Lorelei: Was wäre passiert, wenn ihr auf dieses Pflichtgefühl nicht gehört hättet? Wir hatten es da einfacher, da meine Schwester den „Tabubruch“ zuerst begangen und bei ihrem ersten Kind ihre Freundin „statt“ mich angefragt hat. Für mich war das immer ok, aber ich habe von Dritten gehört, dass das doch nicht normal sei etc.. Hä? Warum denn? Warum darf man das nicht selber entscheiden? Von Seiten der Familie meines Mannes kamen gar keine Erwartungshaltungen auf. Beim zweiten Kind war es dann von Seiten meiner Familie her schon fast klar, dass meine Schwester dann Gotti werden würde. Wir haben es uns aber trotzdem einige Zeit überlegt, da meine Schwester halt schon sehr verschieden ist. Wir wollten uns nicht von Erwartungshaltungen beeinflussen lassen. Meiner Mami haben wir mit der Nachricht, dass meine Schwester beim zweiten Kind Gotti werden würde, auf dem Sterbebett noch eine riesige Freude machen können.
    Ich finde die Erwartungshaltungen fürs Patenamt innerhalb der Familie schon krass.

  • Lorelai
    8. November 2011 at 19:12

    @Nicole: Ja, es ging einzig und allein um diese Erwartungshaltung. Naja, wer weiss, vlt hätten wir uns heute anders entschieden? Was soll’s… Hauptsache das Kind hat genug (andere) Bezugspersonen, die etwas mit ihm unternehmen…

  • Frau Rauf und Runter
    8. November 2011 at 20:50

    Bei uns war das so ne Sache…
    Bei L1 wollten wir eigentlich mein Bruder als Götti und die Gotte sollte eine von Mannli’s 3 Schwestern werden. Doch die 3 Damen wollten sich dies nicht aufbürden 👿 ja, uns kam es wirklich so rüber. Da wir nicht grad um die Ecke wohnen wäre es für sie zu mühsam und sie hätten bereits ein Patenkind 🙄 als wir nur solche Ausreden hörten, entschieden wir uns für ein ganz cooles Gotti, eine Freundin von mir! Ehrlich, ich bin mittlerweile so froh, haben sie alle nein gesagt, denn mittlerweile weiss ich, dass ich mit diesen Zicken nix am Hut haben möchte, was über die obligaten „Familientürcks“ geht!

    L2 erhielt ganz gute Freunde als Gotti und Götti von Mannli und mir. Beide waren Single… mittlerweile sind die 2 ein Paar 😯 :mrgreen: und werden wohl bald heiraten! Da müssen wir mal noch Vermittlungsgebühren erheben 😉

    L3 erhielt ein ganz tolles Gotti :mrgreen: kennengelernt habe ich sie durch ein Forum 😳 und wir sind ganz ganz gute Freundinnen geworden! Götti wurde ein Bruder von Mannli.

    Wenn der Gotte/ Götti Job gut gemacht werden soll, kommt es meiner Meinung nach stark auf die Erwartungen der Eltern an. Also alle Erwartungen die man an die jeweiligen Personen hat, unbedingt ansprechen.

    Wir für uns haben keine Erwartungen. Wenn sich eine enge Freundschaft daraus entwickelt und die Kinder gerne bei ihren Paten sind, ist es das Schönste, es kann aber auch so kommen, dass die Beziehung nicht die Beste werden wird und dann soll nichts erzwungen werden, sondern einfach so belassen 😳
    In unserem Testament ist festgehalten, wer sich um die Kinder kümmern soll, falls uns etwas geschehen sollte. Da müssten nicht die Gotte / Göttis ran.
    Für uns haben die Gotte / Göttis keine „richtigen“ Aufgaben. Freuen uns aber immer, wenn die Kinder etwas mit ihnen unternehmen dürfen!

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