Familienleben Kolumne

Die Sandkastendepression

Die meisten kennen die Winterdepression. Diese saisonale Störung, die in den Wintermonaten auftritt. Die Symptome reichen von einer Verstimmung, über eine erhöhte Gereiztheit bis hin zu einer Reduktion des Energieniveaus und Angstzuständen.

Dass es auch eine Frühlingsdepression gibt, wissen allerdings die wenigsten. Diese ebenfalls saisonale Störung tritt auf, sobald die Krippen die Sandkastensaison eröffnen. Die Symptome äussern sich gleich wie bei einer Winterdepression: eine tagsüber im Bauch schwelende Verstimmung, die ihren Höhepunkt abends beim Anblick der im Sandkasten sitzenden, mit Sand zubetonierten Kindern erreicht, eine erhöhte Gereiztheit auf dem Nachhauseweg im Wissen, welcher Zusatzaufwand zu Hause auf einen wartet bis hin zu einer Reduktion des Energieniveaus aufgrund der zusätzlichen Arbeit in Form von Entrée saugen, Kinder duschen, Badezimmer putzen und Kleider waschen und sogar Angstzuständen, das schöne und warme Sandkastenwetter könnte noch tagelang andauern.

So wie die Winterdeprimierten die Kälte und die graue Nebeldecke hassen, so hassen Frühlingsdeprimierte die einsetzende Wärme und den klaren, blauen Frühlingshimmel. Und so wie der Mangel an Sonnenlicht bei Winterdeprimierten zu einer erhöhten Ausschüttung des Hormons Melatonin und somit zu einem erhöhten Schlafbedürfnis führt, führt bei Sandkastendeprimierten der Überschuss an Sonnenlicht zu einer erhöhten Ausschüttung an Stresshormonen. Über die Folgen dieser zu hohen Ausschüttung muss ich Sie wohl nicht weiter aufklären.

Das wirksamste Heilmittel gegen eine Sandkastendepression ist – im Gegensatz zur Helligkeit bei der Winterdepression – ein grossflächiges Tiefdruckgebiet über dem ganzen Land. Am besten mit genau so viel Bise, dass die Kinder den ganzen Tag über sauber und trocken in der Krippe verbringen müssen.

Nur so überstehen Frühlingsdeprimierte die Sandkastensaison – um ein paar Monate später der Winterdepression zu verfallen.

mittwochs immer im Tagblatt der Stadt Zürich

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