Familienleben Kolumne

Die Plämperli-Zeit

Am Schönsten ist es immer noch, wenn man tun und lassen kann, wie man will.

Die letzte Turn-, Schwimm- oder Fussballstunde vor den Ferien ist immer etwas ganz Besonderes für Kinder: sie dürfen dann frei spielen, schwimmen oder eine ganze Stunde lang einfach nur tschutten. Für einmal müssen sie keine vorgegebenen Übungen absolvieren, für einmal findet kein eigentliches Training statt. Die Kinder können sich nach Herzenslust austoben und sich bereits auf die Ferien einstimmen.

Doch was Kindern ganz extrem gut gefällt, scheint vielen Eltern nicht so wichtig zu sein. Denn ausgerechnet diese entspannten letzten Lektionen vor den Ferien werden verhältnismässig schlecht besucht. Es mag dafür viele Gründe geben, doch irgendwie komme ich nicht umhin zu fantasieren, dass es in diesen spielerischen Stunden vor den Ferien wohl nicht mehr viel herauszuholen gibt und eine Absenz deshalb auch keinen uneinholbaren Rückstand auf die anderen darstellt.

Ganz anders als zu Semesterbeginn, wenn nicht wenige Eltern keinen persönlichen Präsenzaufwand scheuen und noch so gerne Freizeitopfer erbringen, um eine – aus ihrer Sicht – einigermassen akzeptable und der sportlichen Laufbahn möglichst förderlichen Gruppeneinteilung zu erwirken. Und ganz anders als dann wieder zu Semesterschluss, wos um die Auszeichnungen und Abzeichen sowie bereits wieder um die neuen Gruppeneinteilungen, sprich: Aufstieg geht. Ui, da strömen sie wieder in Scharen die Eltern mit ihren Kindern, auf dass alles mit rechten Dingen zu und her gehe.

Zugegeben: müde und gelangweilt von wochenlangen Begleiteinsätzen habe auch ich mich während solchen Plämperlistunden oft gefragt, was ich eigentlich in dieser Halle oder in jener Anlage genau mache. Ein Blick auf das ausgelassene Treiben im Wasser oder aufs leidenschaftliche mätchle liefert mir jedes Mal die Antwort: es sind genau diese Plämperlistunden, welche die Kinder am meisten geniessen!

mittwochs immer im Tagblatt der Stadt Zürich

Soll man Plämperli-Stunden schwänzen, da sie eh nichts bringen? Was meint Ihr?

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1 Kommentar

  • Nicole
    11. Oktober 2012 at 10:02

    Das gehört für mich zum Thema, dass Kinder lernen müssen, sich zu langweilen. Wenn immer volles Programm ist, dann können sie gar keine Phantasie entwickeln und werden nur getrieben von aussen – von den Eltern, von den Lehrpersonen, von den Trainern etc. Kinder entwickeln, wenn man sie auch mal sich selber überlässt, eine unglaubliche Energie darin, sich gut und spannend zu beschäftigen. Gib‘ ihnen einen Ball und sie spielen. Gib‘ ihnen ein paar „nackte“ Legosteine und sie bauen Häuser, Züge, Autos etc. etc. Genau deswegen schauen wir grad‘ beim Thema Lego drauf, dass sie möglichst „nur“ die normalen Steine geschenkt bekommen, denn die Bausets verlieren ziemlich schnell an Bedeutung, weil man da einfach zu wenige Umwandlungsfähigkeiten hat.

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