Familienleben Kolumne

Die letzten werden die Ersten sein

Fussball spielen macht nicht nur Spass

Irgendwann wollten unsere Buben Fussball spielen. Naiv wie wir waren, haben wir uns also nach Fussballvereinen umgeschaut. Rasch war das erste Probetraining fixiert und noch rascher kam die Ernüchterung: Fussball spielt man nicht aus Spass, Fussball spielt man, weil man eine Fussballkarriere einschlagen will. Jedenfalls, wenn es nach den Eltern geht.

Das wollten wir nicht. Wir wollten unsere Buben nicht dem Spott und Hohn aussetzen, wenn sie eine Übung nicht auf Anhieb kapierten oder wenn sie einen Ball statt profimässig mit dem Innenrist mit einer laienmässigen Spitzguge trafen.

So suchten wir weiter, nach einem Verein, der es nicht ganz so verbissen ernst mit der fussballerischen Nachwuchsplanung nahm. Doch nach einem weiteren ernüchternenden Probetraining waren wir drauf und dran, die teuer erstandenen Fussballschuhe an den Nagel zu hängen, wäre da nicht eine spezielle Fussballschule gewesen. Eine, bei welcher die Freude am Spiel im Vordergrund stand.

Unsere Buben spielten fortan glücklich und zufrieden Fussball. Doch, au weja, auch diese Fussballschule führt einmal im Jahr ein Turnier durch. Und daran nehmen nicht nur die altersgemischten und dadurch sozial höchst kompetenten Mannschaften zum Plausch, sondern auch deren Eltern ziemlich verbissen teil: „Ich verstehe nicht, weshalb so kleine Kinder mitmachen dürfen!“ „So können die Grossen bestimmt nicht gewinnen!“ „ Diese Kleinen sind für die Grossen ein rechter Frust!“ „Es ist höchste Zeit, dass die Gruppen aufgeteilt werden!“.

Als Eltern des jüngsten und kleinsten Teilnehmers ist es nicht einfach, sich solche Sprüche kommentarlos vom Spielfeldrand anzuhören. Doch zivilisiert und diszipliniert beisst man sich auf die Zunge und lacht sich bei der Rangverkündigung ins Fäustchen: Eben genau die Mannschaft mit dem breitesten Altersspektrum hat das Turnier gewonnen! Und während man erhobenen Haupts mit den beiden Buben an der Hand nach Hause marschiert, denkt man sich: „Tja Leute, auch Messi war einmal klein, ist er ja immer noch. Unser Buben aber können noch wachsen!“

Welche Erfahrungen habt ihr mit Fussballvereinen gemacht?

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4 Kommentare

  • SomeintPhia
    21. August 2012 at 09:22

    Mein Göttibueb (8) nahm vor den Sommerferien mit grossen Erwartungen am Schulhaus-Fussballturnier teil. Sie seien gut drauf und hätten die Klassengspändli gestern eingeteilt, sprich klar besiegt. Zwei von drei Spielen gingen dann verloren, u.a. auch gegen eine gemischte Gruppe .. 😉

    Spannend war es noch, den Eltern zuzuschauen, die da ihre Knöpfe „hochprofessionell“ mit Tipps und Tricks und rechtzeitigen Einwechslungen coachten. Wer will jetzt da wirklich gewinnen?

  • Gaby
    21. August 2012 at 10:53

    Sarah würde gerne Fussball spielen gehen in einem Club… aber genau wegen deiner Beschreibungen will ich nicht! Nein, nein, Samstag für Samstag (und womöglich noch Sonntag?) auf irgendeinem Fussballplatz an irgendeinem Turnier rumhängen, nein, nein, nein, so sozial bin ich nicht…………….. Und Jugi ist im Fall auch toll (und nebst dem alljährlichen Chränzli und als Zuschauer beim regionalen Jugitag gibts keine Elternarbeit….)!

  • Sportpapi
    21. August 2012 at 13:45

    @Gaby: Ob sich wohl die Jugileiter freuen, wenn ihr Angebot vor allem wegen der geringeren Elternarbeit gewählt wird? Aber klar, die Belastung ist sicher deutlich kleiner.

  • Gaby
    22. August 2012 at 07:49

    @ Sportpapi: 🙂 Cool, da muss ich mal nachfragen, was die Leiter davon halten ……….ups! Wir wohnen in einem rel. kleinen Dorf und so gross ist das Sportangebot nicht. Und daher find ichs toll, dass wir die Jugi haben und unsere Mädels mit Freude hingehen (ach, jetzt merk ich: schneide mich schon wieder ins eigene Fleisch: Sportangebot im Dorf nutzen = Mami muss nirgends hin Kindertransport machen 🙂 )

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