Familienleben Kolumne

Die Geister, die ich rief…

Halloween

Dieses Jahr sollte uns „Halloween“ nicht auf dem falschen Fuss erwischen. Drum haben wir uns gut auf darauf vorbereitet: Vom literweisen Verzehr von Kürbissuppe über kiloweisen Einkauf von Süssigkeiten – die  Vorbereitungen verliefen vorbildlich und erzeugten bei den Buben Spannung und Ehrfurcht.

Um gegenüber den erwarteten Hausierern, die stets in ausgeklügelteren Kostümen ihren Anteil an Süssigkeiten einfordern, nicht abzufallen, schlage ich den Buben vor, sie etwas Halloween-like zu schminken und denke dabei an einen Kürbiskopf oder ein Gespenst. Doch die Buben wollen den Süssigkeitenbettlern als erhabenes Spiderman-Duo Paroli bieten!

Während ich alle Register ziehe und den Bubis das Konterfei ihres Superhelden aufs Gesicht zaubere, verpasst das Familienoberhaupt dem Haus mit Kerzen und Laternen nicht nur die letzte Nuance grusliger Stimmung, sondern setzt damit ein klares Zeichen gegen aussen: „Wir harren gespannt der (Un-)Dinge, die da kommen!“

Die Buben sind aufgepeitscht und wirken wie Pferde in der Startbox. An akuter Selbstüberschätzung leidend, üben sie in Rollenspielen, wie sie die Bettler knallhart verhören werden, bevor sie ihnen dann gütigerweise doch ein paar Süssigkeiten schenken.

Als die erste Kinderschar endlich vor der Tür steht und sich die Buben mit einer entsetzlichen Scream-Maske konfrontiert sehen, die wir in der Vorbereitung schlichtweg vergessen haben zu erwähnen, verfliegen die Spiderman-Allüren im Nu und beide schreien sich  – in höchstem Mass terrorisiert – ihre ganze Angst aus dem Leib. Auch die mitleidige Enthüllung seitens der Besucher hilft nicht – der Schock sitzt zu tief, weitere Besucher werden durch mich mit Süssigkeiten bedient.

Fragte ich mich letztes Jahr, ob sich Halloween in unseren Kulturkreis integrieren lässt, frage ich mich heuer, ob ich es jemals fertig bringen werde, Neues pädagogisch korrekt einzuführen.

mittwochs immer im Tagblatt der Stadt Zürich

Weitere Beiträge zum Thema Halloween:

Weitere allgemeine Bastel- und Deko-Tipps findet ihr in unserer Rubrik Basteln und Dekorieren oder auf flickr!

Weitere einfache und familientaugliche Alltagsrezepte findet ihr unter der Rubrik La Cucina Angelone oder auch auf flickr!

Dies koennte dir ebenfalls gefallen

1 Kommentar

  • max
    3. November 2010 at 05:23

    In Bern ist dieses Haloween-„Brauchtum“ schon wieder ausgestorben. Es war ein Versuch, der China-Ramsch-Spielwarenhersteller, um auch Herbst noch ein wenig Plasticramsch an die verwöhnte, gelangweilte Kundschaft zu bringen.

    Schon letztes Jahr gaben Migros und Coop bekannt, dass das Geschäft nicht rentiere und man in Zukunft keine solche Sachen mir den Läden auslegen werde. Dafür gab es im Coop schon in der ersten Oktoberwoche Wiehnachtsguetsli-Mischungen…

    Ein ähnlicher Schlangenfängertrick allerdings hat hingehauen: Die Blumengeschäfte konnten in den letzten 10 Jahren den Valentinstag etableiren und verkaufen jetzt mitten im Winter Frühlingsblumen.

    Dass sich die Buben von der Maske erschrecken liessen, ist natürlich schade. Aber mir kommt es eher nicht vor, dass Sie als Mutter die Buben falsch angeleitet haben. Eher kommt mir vor, dass persönliches Erleben, Spielen und Feiern auf vorgefertigte, professionell schrecklich gemachte Masken trifft, die eben nicht zum Spielen taugen sondern zum Geschäftemachen.

Hinterlasse eine Nachricht

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.