Familienleben

Die Bademeister: Weiber, saufen, Leben retten?

Das Freibad Letzigraben, das von Max Frisch gebaut wurde, ist gemäss einer Umfrage des Tages-Anzeigers der klare Favorit unter den Zürcher Badis. Natürlich freut sich Uwe Gulde, Betriebsleiter der Anlage, über das gute Resultat: «Das zeigt, dass unsere Arbeit bei den Gästen gut ankommt», sagt er auf Anfrage. Seiner Ansicht nach haben die Struktur der historischen Anlage und die wunderschönen Gärten zum guten Abschneiden der Badi beigetragen.

Ich hatte die grosse Ehre, Uwe Gulde – trotz des riesigen Andranges und der damit verbundenen Mehrarbeit in den letzten Tagen – zu interviewen! Lesen Sie, was ein Bademeister tagein, tagaus so macht und was er sich von seinen Badegästen wünschen würde:

Herr Gulde, kennen Sie den Film „Die Bademeister: Weiber, saufen, Leben retten? Was ist wahr an dieser „Berufsdefinition“?

Ich kenne den Film flüchtig. Gott sei dank stimmt an der Definition bis auf hin und wieder Leben retten nichts. Hier wird doch ein falsches Bild von unserem Berufsstand gezeichnet – dennoch, lustig ist er an manchen Stellen dennoch.

Was genau ist Ihre Aufgabe? Welches sind die Prioritäten?

Als Badmeister ist man in erster Linie Dienstleister für die Badegäste. Sie sollen sich wohl und sicher fühlen in unseren Anlagen. Das Betreuen der technischen Anlagen, die Reinigung und Desinfektion sowie der Aufsichtsdienst sind meiner Meinung nach unsere wichtigsten Aufgaben.

Was machen Sie ausserhalb der Badesaison?

Einige Badmeister haben sogenannte Kombistellen. Im Winter Hallenbad, im Sommer Freibad. Andere arbeiten im Winter als Skilehrer, wieder andere verbringen die Zeit mit Reisen oder arbeiten als Tauchlehrer in wärmeren Gefilden. Ich selbst arbeite schon 25 Jahre in diesem Beruf und berate im Winter Bäderbetriebe zur Betriebs- oder
Kostenoptimierung.

Welche Aufgabe üben Sie am liebsten aus? Welche weniger?

Am liebsten habe ich den direkten Kontakt zu den Gästen. Ansprechpartner sein, orientieren, helfen. Auch das Betreuen der technischen Anlagen, insbesondere das Lösen von Problemen ist immer wieder eine Herausforderung, die Spass macht. Unangenehm ist es hingegen, mutwillig verschmutzte WC-Anlagen zu reinigen. Aber auch das
gehört dazu…

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie täglich? Wie bewältigen Sie diese?

Herausforderung ist es, jeden Tag das Team zu motivieren, auch grosse Besucherströme über den Tag zu bringen oder unvorhersehbare technische Schwierigkeiten zu lösen. Zu bewältigen ist dies mit einer Portion gesunden Menschenverstandes, Humor und der Hilfe aller Kolleginnen und Kollegen der einzelnen Supportabteilungen.

Was bringt Sie aus der Ruhe? Was sind ausserordentliche Situationen, die Sie stark fordern?

Konflikte zwischen Badegästen und uneinsichtige Gäste, wenn es um die Sicherheit geht – das kann mich manchmal etwas aus der Ruhe bringen. Und natürlich Notfälle, diese fordern immer sehr stark.

Gibt es Unterschiede zwischen Badegäste von „früher“ und „heute“?

Früher war alles anders, wer kennt diesen Satz nicht? Dies gilt auch für die Bäder. Dienten sie früher doch eher der sportlichen Ertüchtigung und auch der Körperhygiene, sind wir heute „Dienstleister und Freizeitunternehmen“. Auch den strengen Bademeister von früher gibt es – glaube ich – heute nicht mehr. Dienstleister mit Augenmass würde
heute eher zutreffen. Hygiene und Sauberkeit sind heute leider bei vielen Gästen in den Hintergrund geraten. Auch gibt es immer mehr Nichtschwimmer.

Wenn Sie Ihre persönlichen „Gebote an Eltern und Kinder“ stellen könnten, wie würden diese lauten?

Wichtig ist, das Eltern ihre Kinder auch im Bad beaufsichtigen. In letzter Zeit merken wir verstärkt die Tendenz unbeaufsichtigter Kinder. Frei nach dem Motto: Dafür hat es ja Bademeister. Aber insbesondere an besucherstarken Tagen ist das nicht erfüllbar, jeden
Gast und jedes Kind stetig im Auge zu behalten.

Vielen Dank, Herr Gulde, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns einen Blick hinter die Kulissen Ihrer Tätigkeit zu gewähren! Wir wünschen Ihnen noch einen guten Spätsommer und weiterhin viel Freude an Ihrer Anlage und Ihren Gästen!

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