Familienleben Kolumne

Der Männerversteher?

Die Einführung der Stelle des Männerbeauftragten in Zürich hat die Diskussion über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nochmals angekurbelt – dieses Mal allerdings aus Sicht von Männern und Vätern. Nun würde man glauben, dass sich letztere über diese neue Stelle sehr freuen müssten, da sie von einem Gleichgesinnten besetzt ist, der ihre männerspezifischen Gleichstellungsanliegen am besten versteht.

Dem ist aber überhaupt nicht so, wenn man die Kommentare auf die verschiedenen Presseberichte verfolgt. Ausgerechnet Männer erteilen dem Männerbeauftragten harsche Vorschusskritik:

Seit Einführung des Gendereffekts sei die Wirtschaft und die Verwaltung auf gutem Wege. Wofür müsse ausgerechnet in Zürich eine solche Stelle geschaffen werden? Ein Gleichstellungsbüro für Weicheier sei das und als solches unnötig! Da streiche man aus Kostengründen die Stelle des Tieranwalts und kreiere dann dafür diese unnötige Stelle! Und nun hätten die Frauen gar einen Mann zur Seite, um ihre Art der Gleichstellung weiterhin zu ihren Gunsten umzusetzen. Eine Alibi-Übung sie das, die nur Geld koste!

Viele warten gespannt, ob sich der Männerbeauftragte als Trojaner oder als gehorsamen Bückling entpuppen und ob die Fachstelle auch die wirklichen Probleme der Gleichberechtigung in der Schweiz ansprechen wird: die vielen kleinen, gesetzlich verankerten Ungerechtigkeiten, denen Männer gegenüber Frauen ausgesetzt sind, wie zum Beispiel höheres Rentenalter, Militärdienst, Benachteilung der Buben in der Grundbildung und ganz zu schweigen von der Diskriminierung in Scheidungsfragen.

Es ist streckenweise nachvollziehbar, dass Männern die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf geradezu nebensächlich erscheint. Doch all diese männlichen Anliegen wird der Männerbeauftragte erstens nicht alle und zweitens schon gar nicht sofort lösen können.

mittwochs immer im Tagblatt der Stadt Zürich

Ich kann den Frust der Männer ein Stück weit nachvollziehen. Wie geht es Euch?

Quelle: Zürich hat den ersten Männerbeauftragten der Schweiz

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12 Kommentare

  • Nicole
    21. März 2012 at 08:17

    Sorry, Rita, aber solange wir Frauen uns als „Männerversteher“ geben („Es ist streckenweise nachvollziehbar, dass Männern die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf geradezu nebensächlich erscheint.“) wird das Thema immer noch dasjenige der Mütter bleiben, statt endlich überall dasjenige der Eltern zu werden. Bei uns war/ist das so, aber ja leider nicht überall.
    Und wenn es nun schon einen Mann „mit Titel“ gibt, der sich diesem Thema (auch) annehmen will, dann bin ich als Frau einfach uneingeschränkt froh darüber – denn die Gleichberechtigungsthemen haben meiner Meiner nach völlig zurecht auch viele männliche Seiten – sicher z.B. auch die Thematik des gleichen Rentenalters oder die Frage des Militärdienstes.
    Ich kann den Frust überhaupt nicht verstehen. Ich habe mich im Büro gerade ein bisschen umgehört. Den Frust teilen übrigens zum Glück nicht alle Männer. Sie wollen einfach, dass dieser Männerbeauftragte sich um alle Themen kümmert und nicht nur um die Familienthemen. Das kann ich nachvollziehen, und zwar ganz.

  • Rita Angelone
    21. März 2012 at 08:57

    @Nicole: Ich glaube, wir reden vom selben. Auch ich finde, dass das Thema Familie und Job endlich auch ein „Männerthema“ werden muss. Aber: wenn genau wir Frauen das wollen, dann müssen wir auch Verständnis haben, dass es noch ganz viele andere Themen gibt, die die Männer auch noch ins Feld führen könnten bez. Gleichberechtigung. Darüber mögen wir in der Regel ja nicht diskutieren und wenn wir Frauen von Gleichberechtigung reden, meinen wir ja nie, dass wir auch ins Militär sollten und länger arbeiten und bei Scheidungen schlechter gestellt werden wollen etc. etc. Wir dürfen uns alle – Männer und Frauen – nicht an einem einzigen Thema aufhängen und wenn wir gleichberechtigt sein wollen, dann in allen Belangen. Deshalb kann ich verstehen, dass es Männer gibt (und diese Kommentare sind ja nicht erfunden), die finden – „Bravo, ihr Frauen, ihr findet den Männerbeauftragten uh wichtig, weil ihr immer nur an Beruf und Familie denkt. Dabei haben wir noch ganz viele andere Sorgen, habt ihr das vergessen?“
    Und drum bin ich auch der Meinung, dass sich der Männerbeauftragte um ALLE Themen kümmern sollte. Dies wird er aber – leider – nicht tun können. Und drum der Frust.

  • Katharina
    21. März 2012 at 11:19

    Gleich im Voraus: Ich finde es gut, dass beim Thema Vereinbarkeit Frauen und Männer eng zusammen arbeiten. Denn dies ist definitiv kein „Frauenthema“. Ich fand es immer schon fragwürdig, dass die Vereinbarkeit seit den 1960er Jahren nur von der Frauenbewegung behandelt wurde und nicht als gesellschaftliches Thema angegangen wurde. „Sicherheit im öffentlichen Raum“ ist ein anderes solches Thema, das zwar alle angeht, aber zum Frauenthema gemacht wurde, weil… ja wieso denn? Fakt ist, dass im öffentlichen Raum mehr Männer überfallen werden, als Frauen. Aber offenbar sehen sie das nicht unbedingt als Problem an?!

    Wo ich extrem Mühe haben, und mir in Diskussionen dann regelmässig auch nur sarkastische Kommentare einfallen ist, wenn die Herren der Schöpfung fordern, die Frauen sollen sie gleich mit-emanzipieren. „Ihr wollt Gleichberechtigung, also engagiert euch bitte für die Abschaffung der Wehrpflicht, wir lehnen derweil zurück und schauen Euch dabei zu“. So geht das nicht, meine Herren! Grad die sog. „Maskulisten“ kritisieren, dass sich die Frauenbewegung um Frauenbelange gekümmert hat und nicht um ihre Sorgen (also die Sorgen der „Maskulisten“).

    Doch, ich finde die Idee eines Männerbeauftragten nicht schlecht, der überwacht, dass Gendermainstreaming nicht zur Einbahnstrasse wird sondern auf beide Seiten funktioniert.

    @Rita: Bei der Forderung „Frauen sollen auch sich um Männerforderungen kümmern“ steigt mir in Anbetracht der Geschichte der Menschheit die Galle in den Rachen… Frauen haben seit der Französischen Revolution in ausnahmslos jeder Bürgerrechtsbewegung mitgekämpft, auch blutig (also nicht nur gekocht, sondern tatsächlich gekämpft!) und ausnahmslos jedes einzelne Mal hat mann (sic!) sie nach erreichtem Erfolg nachhause geschickt und ihnen die erkämpften Rechte nicht zugestanden. Letztes Beispiel ist Ägypten, wo die Frauen seit letztem Jahr aus dem öffentlichen Raum verschwunden sind.
    Ich finde es irgendwie an der Zeit, dass bei „Männerrechtsthemen“ die Männer zeigen, dass sie selber bereit sind, sich für ihre eigenen Belange und Interessen einzusetzen (statt nach Mami zu rufen). Es wird ihnen sicher nicht an weiblicher Unterstützung fehlen – aber die Mobilisierung anreissen müssen sie schon selber. Finde ich.

  • Jurg
    21. März 2012 at 17:50

    Männer welche eine solche Stelle fordern, brauchen oder sogar besuchen haben echt was an der Klatsche!!! PEINLICH!
    Eventuell wäre es billiger diesen Männern aus einer Ausgleichskasse eine Umwandlung zu finanzieren!

  • Nicole
    22. März 2012 at 11:10

    @Rita: Zitat: „meinen wir ja nie, dass wir auch ins Militär sollten und länger arbeiten und bei Scheidungen schlechter gestellt werden wollen etc. etc.“ – doch, genau das meine ich auch. Ich zumindest möchte das, und ich kann sagen, dass ich viele solcher Frauen kenne. Beim Thema „Militär“ bin ich einfach der Meinung, dass wir eine freiwillige Armee haben sollten. Wenn die Bedingungen da attraktiv genug sind, dann gibt es genügend Männer UND FRAUEN, die das machen wollen. Warum sollen wir Frauen früher pensioniert werden? Beim Thema „Scheidung“ bin ich auch der Meinung, dass Männer und Frauen gleich gut- oder schlechtgestellt werden müssen. Ich bin für das gemeinsame Sorgerecht und ich bin dafür, dass in Fällen, wo das vorhandene Einkommen nicht für alle reicht, eben beide Partner aufs Sozialamt gehen müssen und nicht nur die Frau, wie es heute eben ist (weil man dem Mann das Existenzminimum lässt….).
    Ja, der Männerbeauftragte hat viele Aufgaben – eine davon wird diejenige der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Männer und Frauen sein. Daneben wird er aber noch viele weitere Themen zu behandeln haben, die Männer heute meiner Meinung nach völlig zurecht verärgern. Es gibt viel zu tun, und es wird nicht von heute auf morgen Resultate geben – aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Und darüber bin ich froh und nicht frustriert.

  • Nicole
    25. März 2012 at 12:01

    Sind jetzt eigentlich alle meiner Meinung 🙂 oder haben keine Lust mehr, mit mir zu diskutieren 🙁 ?

  • Rita Angelone
    25. März 2012 at 12:19

    @Nicole: ich würde gerne weiter diskutieren, bloss stelle ich fest, dass es schriftlich nicht ganz so einfach ist…. Etwas sehe ich wahrscheinlich ganz generell anders und drum ist es vielleicht besser, ich diskutiere nicht mehr weiter: ich bin etwas „cooler“ eingestellt gegenüber diesen ganzen Gender-Geschichten. Aus meiner Sicht gibt es nun mal Frauen und Männer und die können gar nie gleich sein. Von da her – ja, Pech oder Glück, wenn man als Frau oder Mann auf die Welt kommt. Ganz am Schluss muss jede Frau oder jeder Mann schauen, mit wem er zusammen sein will und eine Familie haben will und wie man sich organisieren kann.

  • Nicole
    25. März 2012 at 23:34

    @Rita: Wenn du doch so cool bist, warum hast du denn dann von „Frust“ geschrieben? 😉
    Ich habe das auch lange ziemlich cool angesehen und war als FDP-Politikerin auch sehr lange strikt gegen Quoten. Ich bin heute nicht absolut dafür, aber ich bin nachdenklich geworden. Und klar, Frauen und Männer werden nie gleich sein, denn den Männern fehlt von Natur aus die „Schöpfungsmacht“, wie es Frank A. Meyer kürzlich in einem Interview bezeichnet hat, das ich wirklich lesenswert fand, auch wenn ich sonst kein Fan von ihm bin.
    http://www.schweizer-illustrierte.ch/zeitschrift/frank-a-meyer-und-marc-walder-ueber-maennermacht-frauenquote-espresso%20

  • Nicole
    25. März 2012 at 23:35

    Ach ja, und ich freue mich darauf, das und andere Themen mal pesönlich besprechen zu können…. 😉

  • Rita Angelone
    26. März 2012 at 05:48

    @Nicole:…. ich glaube einmal mehr, dass wir nicht so weit auseinander sind…. schriftlich ist nicht einfach… z.B. bezieht sich der Frust auf die Männer. Nicht ich bin frustriert, sondern die Männer sind es.

  • Rita Angelone
    26. März 2012 at 05:48

    @Nicole: …. genau!

  • Nicole
    26. März 2012 at 09:41

    @Rita: Stimmt, du hast nur geschrieben, dass du den Frust nachvollziehen kannst…. 😉 Müsstest du aber auch nicht, wenn du das cool siehst…. 😉
    Duck-und-weg……

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