Familienleben Kolumne

Der innere Schweinehund in mir

Gehört Ihr zu den rechtschaffenen Menschen? Zur unbescholtenen Sorte, die sich an Normen und Gesetze hält und als gutes Beispiel voran geht? Zur Sorte, die sich im Alltag ob Frechheiten und Schweinereien anderer aufregt, die keine gute Kinderstube genossen haben? Ich weiss nicht, wies Euch geht, aber ich zähle mich dazu. Im Normalfall.

Allerdings gibt es Fälle, Bruchteile von Sekunden, in denen ich es satt habe, mich ständig korrekt zu verhalten. In solchen Augenblicken würde ich aus Bequemlichkeit die leere Weinflasche lieber in den Abfallsack schmeissen, statt sie zur korrekten Entsorgung zum Leergut in den Keller zu stellen. Dass ich es nicht tue, liegt in diesen schwachen Momenten weniger daran, dass mich mein ökologisches Gewissen leitet, sondern vielmehr, dass mir die Abfallgebühren dann doch zu hoch sind. Zugegeben, ein niederer Grund, dem inneren Schweinehund keinen freien Lauf zu lassen.

Genau so nieder ist es, das Leergut nur deshalb nach Farben getrennt zu entsorgen, weil man Angst hat, von einer Kamera gefilmt zu werden, würde man die vollen Papiersäcke bequem, wie viele andere auch, nur vor die Sammeltonnen stellen. Wie viele Male spielte ich mit dem Gedanken, zerknüllte Quittungen und leere Weggli-Säckli nach dem Einkauf, wie manch andere auch, einfach im Wägeli liegen zu lassen? Alle Male habe ich alles aufgelesen und korrekt entsorgt, weil es mir einfach zu peinlich gewesen wäre, dabei erwischt zu werden. Nur deshalb.

Und wie oft möchte ich mich aus dem Badezimmer stehlen, ohne die Hände zu waschen? Oder genüsslich in der Nase bohren? Die Zähne nicht putzen? Einem Furz oder einem Görps seinen freien Lauf lassen? Und wieso tue ich all diese Schweinereien nicht? Weil ich wohlerzogen, rechtschaffen und diszipliniert bin? Nein, weil ich einfach nur Angst habe, meine unterdessen nicht mehr ganz so einfach zu übertölpelnden Buben erwischen mich dabei. Nur deshalb.

mittwochs immer im Tagblatt der Stadt  Zürich

Meldet sich bei Euch auch hin und wieder der innere Schweinehund?

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16 Kommentare

  • barbara
    30. Mai 2012 at 06:03

    Also Rita, zumindest darin kann ich Dich beruhigen; ein bisschen Glas braucht es in der Müllverbrennungsanlage,weil es dann besser durch Luftzufuhr brennt ( oder so). Und bei der Glastrennung: Wenn Du den Balkonausblick hättest, den wir (leider ) haben: da brauchst Du Dir aaabsolut kein Gewissen zu machen, wenn mal ne Flasche in die falsche Sortiermulde kommt! So und nun zum restlichen Korrektsein; das ist uns halt anerzogen worden und wir haben es als innere Muster angenommen. Ja, auch ich möchte so manches mal dem inneren Schweinehund seinen Auslauf geben… und tue es auch.

  • Bionic Hobbit
    30. Mai 2012 at 07:36

    Aaaah, Rita, letzten Freitag Nachmittag war ich für 2 Stunden Sans Kids in Horgen unterwegs und bin mit einem zufriedenen Lächeln bei Rot über die Strasse und dann gerade noch mal quer irgendwo über den Kreisel, einfach weil’s so schön war. Mit den Kids ist es immer warte-luege-lose-laufe…. gähn.

  • Bionic Hobbit
    30. Mai 2012 at 07:46

    In England konnten wir immer alles Recycling Zeugs zusammen in einen speziellen Sack oder eine grüne Box rausstellen, das wurde dann sonst wo getrennt. In New York gab’s im Haus jemanden, der den Abfall auseinander nahm, als er unten im Keller ankam (konnte ich zuerst nicht glauben, aber das war so)… dass jeder brav (zur korrekten Zeit) mit seinen Glas zum Container und den PET Flaschen zum Laden zurück dackelt gibt es echt nur bei uns kontrollierten Schweizern. Zum Glück gibt es die Rentner, die gelegentlich hinter dem Vorhang überwachen, wer zu welcher Zeit was einwirft oder halt neben den Container stellt, siehe alter Artikel im Blick
    http://www.blick.ch/news/schweiz/raetsel-um-terror-sirene-geloest-id53728.html

    🙂

  • Lorelai
    30. Mai 2012 at 07:55

    Oh ja, der Schweinehund ist omnipräsent, allzu selten nehme ich ihn an die (lange) Leine. Am ehesten wegen der Kinder, wahr. Er gehört aber zu mir.

  • Katharina
    30. Mai 2012 at 08:54

    Ach, das liebe Schweinehündchen. Meines äussert sich zwar anders, als bei Dir (ausser im letzten Absatz 🙂 ) aber er ist genau so omnipräsent. Mein Schwachpunkt ist die chronische Aufschieberitis – ich warte zum Beispiel mal gerne ab, um zu schauen, ob sich ein Problem von selbst löst, wenn ich lange genug warte 😉
    Und Unordnung. Darin bin ich ganz schrecklich schlimm. Bei mir „verpuffet“ alles innerhalb weniger Tage, dem ist auch mit Disziplin kaum beizukommen. Und Unpünktlichkeit, meine Achillesferse.
    Aber man gönnt sich ja sonst nichts 🙂

  • Katharina
    30. Mai 2012 at 09:20

    Philippe Wampfler beantwortet glaubs grad einige der aufgeworfenen Fragen in seinem heutigen Blog: http://philippe-wampfler.com/2012/05/30/was-das-lugen-erleichtert/

  • Nicole
    30. Mai 2012 at 16:17

    @Kat: Für deine Punkte hast du doch den Organisationsordner, den du mir ausgeliehen hast…..;-) Das mit dem Aufschiebitis habe ich auch etwas – aber ich arbeite wirklich viel, viel effizienter, wenn ich das Messer am Hals habe…. 😉
    @Rita: Hast du denn all‘ die Dinge früher gemacht, als du noch keine Kinder hattest oder sie sehr klein waren? Ui, ui, ui…. 😉
    @Bionic: Hihi, in dem „Bei-Rot-über-die-Strasse-Laufen-ohne-Kinder“ habe ich mich auch wiedererkannt….;-)
    @me: Ich fahre inzwischen nur noch zu schnell Auto, wenn Nando nicht im Auto sitzt, denn er kann die Zahlen auf dem Digitaldisplay lesen und ermahnt mich immer, wenn ich zu schnell fahre… Vieles tue ich wirklich einfach deswegen nicht, weil ich so erzogen worden bin, weil mir ein gewisses Verhalten in Fleisch und Blut übergegangen ist. Aber den Schweinehund kenne ich natürlich auch. Den lasse ich auch immer mal wieder gewähren, weil ich keine Lust habe, mich gegen ihn zu wehren. Den gewähren zu lassen, das tut manchmal halt einfach sehr gut, und wer das nicht kann, der tut mir irgendwie leid.

  • Philippe Wampfler
    30. Mai 2012 at 20:43

    Da ich hier schon erwähnt worden bin (danke!) – das Problem scheint mir nicht in allen Quartieren gleich stark zu sein. In Oerlikon/Seebach lassen Menschen ihren Abfall in Bussen liegen, sie entsorgen ihren Hauskehricht im Lift in der Tramhaltestelle, werden zerkleinerte Müllstücke in öffentliche Abfalleimer etc. etc.
    Mich ärgern dann jeweils nicht diese Leute, sondern die Kehrichtgebühr: Sowas sollte man einfach per Steuern zahlen, wie auch alle die Gebühren, die auf den Ämtern anfallen. Jedes Blatt, das auf dem Kreisbüro ausgedruckt wird, kostet mindestens 20 Franken. Das kann man gerne von Leuten verlangen, die ihre Ausweise verlieren oder Ärger verursachen – aber nicht von denen, die einfach tun, was man tun muss – sich anmelden, abmelden, Geburten registrieren etc.

  • Rita Angelone
    30. Mai 2012 at 20:50

    @Philippe Wampfler: … danke für den Input: Mich beschäftigt nun die Frage: Ist mein Blog (oder zumindest Teile davon) relevant? 🙂

  • Nadja
    30. Mai 2012 at 21:08

    wieso darf man nicht furzen vor den kindern? klar ist es unanständig aber soll ich dabei bauchweh bekommen???? ich entschuldige mich aber immer wenn mein furz etwas leider war als ein „pfffff“. und ganz klar beim essen wird nicht gefurzt oder wenn wir besuch haben reps. ich auf besuch bin. aber solange ich zuhause in meinen 4 wänden bin find ich es ganz ok 🙂
    mein sohn entschuldigt sich auch jedes mal wenn er furzt und das find ich ok.

    ich fühl mich aber desswegen nicht als grüssel oder so……. ihr hoffentlich auch nicht 😀

    den abfall trenn ich wie es sich gehört und abfall gehört in einen abfalleimer. und wenn der nicht grad in der nähe ist dann schlepp ich halt mein ausgelatschter kaugummi bis zum nächsten „chübel“. das macht mein 4 jähriger bisher auch und ich hoffe es bleibt so!

    glas trenn ich schön nach farbe wie es sich gehört…nur manchmal ist da halt noch ein deckel drau der nicht drauf sein sollte 🙁

    was ich nicht separat entorge ist alu. da hab ich so wenig davon das ich es in den chübel schmeiss!

  • Nicole
    31. Mai 2012 at 08:03

    @Philippe Wampfler: Die Diskussion über die Kehrrichtsackgebühr habe ich sehr intensiv mitverfolgt, als sie an vielen Orten eingeführt worden ist, denn da war ich noch als Journalistin unterwegs und habe viel darüber geschrieben. Es ist halt so, dass es leider gemäss den Abfall-Statistiken den Druck der Sackgebühr braucht, damit die Leute Glas, Büchsen, PET-Flaschen, Papier, Karton und Batterien (ich glaube, jetzt habe ich die wichtigsten Dinge genannt) nicht einfach in ihren Abfallsack stopfen, sondern die Sachen eben dem wertvollen Recycling zuführen. Wenn die Sackgebühr zu hoch ist, dann kommt das auf mit dem wild deponierten Abfall. Ich denke, so im Allgemeinen haben wir da in der Schweiz an den meisten Orten einen guten Mittelweg gefunden. Die meisten Haushalte zahlen heute weniger Abfallgebühren als früher, als es noch keine Sackgebühr gab. Wild deponierter Abfall ist einfach nur peinlich und gehört meines Erachtens gehörig bestraft.

  • SomeintPhia
    31. Mai 2012 at 11:37

    … die Kleine hilft schon wacker mit, wenn was in den Kübel oder der Karton in den Oeki muss und darf auch mal schmunzeln, wenn den FOHs ein „pffft“ oder „grps“ entweicht .. sie hält dann verschmitzt die Hand vor den Mund und dokumentiert dies mit einem „ups“ .. 😉

  • Philippe Wampfler
    31. Mai 2012 at 15:55

    @Rita Angelone: Ich weiß nicht, ob das die richtige Frage ist. Ich selber halte meinen Blog nicht für journalistisch relevant. Ich denke nicht, dass es gut wäre, wenn Tageszeitungen voll von Texten wären, die auf meinem Blog erscheinen könnten. Damit meine ich aber nicht, meine (oder deine) Themen seien nicht relevant… 

    @Nicole: Meiner Meinung nach ist das Schweizer Abfallsystem völlig verkehrt. Idealerweise würde man alle Menschen alles in dieselben Säcke stopfen lassen, die man dann maschinell und professionell trennt. Ich erinnere mich grade nicht an die Quelle, aber ich glaube gelesen zu haben, dass ein solches System effizienter und günstiger ist, meines Wissens arbeitet Kalifornien so (eines der einzigen westlichen »Länder«, das in der letzten 30 Jahren große ökologische Fortschritte gemacht hat).

  • SomeintPhia
    1. Juni 2012 at 06:34

    .. „meines Wissens arbeitet Kalifornien so (eines der einzigen westlichen »Länder«, das in der letzten 30 Jahren große ökologische Fortschritte gemacht hat)“ … Was für ein Erstaunen!!

    Sicher ist Kalifornien in mancher Hinsicht sehr vorbildlich und fortschrittlich, doch dort von ökologischem Fortschritt zu sprechen, wo die Autos möglichst gross und spritfressend sein müssen un die meisten zu bequem sind, auch nur einen Meter zu Fuss zu gehen und jedes Mal vom Einkaufen Dutzende von Einwegtaschen heimtragen, erstaunt doch ziemlich… 😉

  • Philippe Wampfler
    1. Juni 2012 at 13:56

    Ich glaube, das ist ein falscher Eindruck. Seit 1980 braucht Kalifornien weniger Energie (natürlich hat es schon 1980 enorm viel verbraucht) – die USA sind nicht flächendeckend gleich, in Kalifornien haben viele Menschen ein hohes Umweltbewusstsein.

  • Bionic Hobbit
    2. Juni 2012 at 13:26

    Wie ich schon oben erwähnt habe, sitzt in New York meistens ein schlecht bezahlter, schlecht ausgebildeter N………. Einwohner dunkler Hautfarbe unten beim Müll und triiert den. Beim hiesigen Minimallohn lohnt sich das wohl nicht.

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