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Der Einstieg in die Musik: Klavier, Querflöte oder Gitarre?

Mit welchem Musik-Instrument starten?

Ihr erinnert euch: Wir haben uns kürzlich gemeinsam Gedanken gemacht, welches Instrument ideal sein könnte, um Kindern den Einstieg in die Musik zu ermöglichen. Ich habe mich unterdessen bei Jeannette Baum, Gründerin der musik@bachwiesen, ihres Zeichens Kindergärtnerin und Musikalische Früherziehungs- und Grundschullehrerin erkundigt. Lest ihre persönliche Einschätzung.

Es begann mit einer Orgel

„Als ich selbst Klavier zu spielen begann, war ich fünf Jahre alt. Genauer gesagt, war es zuerst Orgel, weil wir noch kein Klavier hatten. Meine Mutter unterrichtete mich und als ich langsam auf ihren Stand kam, ging ich in die Klavierstunde. Bald darauf kauften wir ein Klavier, denn die beiden Instrumente sind doch recht unterschiedlich und die Klavierlehrerin bemängelte, dass ich mit zu wenig Dynamik spielte.

In den darauffolgenden acht Jahren Instrumentalunterricht wollte ich zweimal aufhören, meine Eltern bewegten mich aber mit sanftem Druck, dran zu bleiben. Und darüber bin ich bis heute sehr froh.

Musik ist ein Urinstinkt

Ein Kind bringt ein Musikgefühl mit auf die Welt. Im Bauch hört es bereits den rhythmischen Herzschlag der Mutter und kann die Stimmen der Eltern und Geschwister aus andern Stimmen herausfiltern. Auch belegen verschiedene Studien, dass kleine Kinder in der Regel holpernde Rhythmen registrieren. Läuft eine Musik, beginnen die kleinsten dazu zu wippen. Auch singt ein Kind normalerweise früher, als dass es spricht.

Wenn man diesen Urinstinkt des Kindes weiter füttert und das Kind auch später Musik hören, fühlen und spielen lässt, bleibt es im Fluss. Schwierig ist aber herauszufinden, wie viel es braucht und was für das einzelne Kind am geeignetsten ist. Musik muss verspielt bleiben und Spass machen!

Musik zur richtigen Zeit und auf die richtige Weise

Meiner Meinung nach bringt es nicht viel, ein Kind unter fünf Jahren ein Instrument erlernen zu lassen, es sei denn, es habe den dringenden Wunsch. Das Kind hat in diesem Alter noch nicht das nötige Sitzleder und ist sich auch nicht an „Ufzgi“ gewohnt, sieht also den Sinn hinter dem Üben noch nicht. In vielen Fällen würde hier vermutlich mehr kaputt gehen als entstehen. Geeignet finde ich bis fünf dagegen eine allgemeine Förderung in Musik. Und diese soll die verschiedenen Aktionsbereiche beinhalten wie: hören, singen, bewegen, musizieren (allgemeines, breites Instrumentarium, Orff-Instrumente, wie z.B. Xylophon, Claves, Trommeln, Rasseln usw.) und notieren (erste Formen von Musiknotation wie z.B. rhythmisches Zeichnen, Malen zu schneller/langsamer Musik usw.).

Auf diese Weise verinnerlicht das Kind die Musik mit verschiedenen Sinnen und erlangt einen Fundus, auf den es immer wieder zurückgreifen kann. Es gewinnt an Sicherheit und Selbstvertrauen in Melodie und Rhythmus. Und einige Kinder merken so schon früh, welche Art von Instrument sie am meisten anspricht: Die Stimme oder die Perkussion, die Blas- oder die Saiteninstrumente usw.

Geeignete Einstiegsinstrumente

Als Einstiegsinstrument eignet sich sicher das Klavier, falls der Platz und die finanziellen Mittel vorhanden sind (es kann auch probehalber gemietet werden). Nebst dem, dass es schnell mal schön und voll tönt, weil man bis zehn Finger gleichzeitig einsetzen kann, ist das Klavier eines der wenigen Instrumente, die den theoretischen Hintergrund der Musik gut sichtbar machen. Mit den weissen und den schwarzen Tasten wird klar aufgezeigt, wie es sich mit den Ganz- und den Halbtönen verhält. Und dass viele Klavierlehrpersonen diese Chance nicht nutzen, um dem Kind die Hintertür zur Musik zu öffnen, nämlich spielerisch die Theorie dazu mitzugeben, ist eine andere, aber leide Geschichte. Ich selber spielte sehr lange Klavier, ohne eine Ahnung zu haben, welche Beziehung Tonarten zueinander haben, was eine Dur- und was eine Molltonart ausmacht, wie man transponiert (ein Lied/Stück höher oder tiefer schreibt), wie man ohne Noten einfache Liedbegleitungen erfinden kann. Seit ich mich in diesem Gebiet auskenne, macht mir die Musik noch viel mehr Spass. (Deshalb biete ich nun Musikimprovisationskurse für Anfänger bis Fortgeschrittene an.)

Querflöte ist auch ein häufig gewähltes Instrument, weil es schön und weich tönt, leicht mitgenommen werden kann und die Kinder den Ansatz schnell lernen.

Ebenfalls eignet sich die Kindergitarre, sie kann überall hin mitgenommen werden und verursacht bei den Eltern kein Ohrensausen, wenn diese sie gut stimmen.

Schwieriger diesbezüglich wird es mit Geige, Flöte (ist zwar gestimmt, aber der Ton mit der Zeit eventuell unerträglich) und Schlaginstrumenten (irgendwann muss eine Schallisolierung her).

Wenn der Wunsch des Kindes konkret wird

  • mit dem Kind ein intensives Gespräch betreffend Instrumentenwahl und Üben führen, eigene Ideen, Wünsche, Bedenken anbringen
  • sich über die Unterrichtsmöglichkeiten im Quartier oder der weiteren Umgebung erkundigen
  • sich im Kindermusik Hug (Limmatquai) oder im Jeklin (Heimplatz) beraten und sich unterschiedliche Instrumente vorspielen lassen
  • mit dem Kind in Ruhe eine Entscheidung treffen, mit der – wenn möglich – alle Familienangehörigen einverstanden sind

Für Kinder ab zirka 9 Jahren bietet die Jugendmusikschule jährlich einen Schnuppertag an! Soviel ich weiss, haben hier aber auch jüngere Kinder Zutritt. Wieso also nicht im kommenden März mal im Schulhaus der Kantonsschule Enge reinschauen? Es lohnt sich, ich habe mich selber mal durch die vielen unterschiedlich klingenden Zimmer gearbeitet und dabei viel Spannendes und Neues erlebt!“

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1 Kommentar

  • Office
    24. Februar 2014 at 15:09

    Toller Artikel!
    Für die, die mehr Flexibilität brauchen: Ich komme zu Euch nach Hause!
    Hattest du noch nie eine Gitarre in der Hand? Auch das ist machbar.
    Natürlich gibt es auch hier Zeitliche, bzw „Kilometrische“ grenzen, aber die kann man ohne problem austesten. Auch ich kenne diese (noch) nicht. Mehr auf: http://www.gitarrenunterrichtzuerich.ch

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