Familienleben Kolumne Reportagen und Interviews

Der Anfang vom Ende?

Es gibt vieles, was die Elternschaft mit einem macht: zum Beispiel wird man vernünftiger, vorausschauender, verantwortungsvoller – und man wird gelassener.

Setzte ich früher die Zeit frühmorgens dafür ein, ein saison- und Agenda gerechtes Outfit zusammen zu stellen, mich im Bad schön zu machen und stöggelte dann seelenruhig aus dem Haus Richtung Büro, so beginnen heute die Tage mit der Stoppuhr in der Hand: zack duschen, zack Milch wärmen, zack etwas aufs Gesicht schmieren, zack Znüni parat machen, zack irgendetwas anziehen, zack Kinder wecken, zack Kinder anziehen, zack Frühstück machen, zack essen, zack trinken, zack alle ins Bad, zack retour in die Küche, zack alle fertig anziehen, zack alles einpacken, zack schnell die Buben abliefern, zack schnell ins Büro kommen.

Hätte man mir gesagt, dass in derselben Zeit, wie ich früher knapp selber fertig wurde, heute vier Personen durchgeschleust würden, so wäre ich vor Stress grad umgekippt. Selbst die Feststellung, in der Dunkelheit zwei ungleiche Strümpfe erwischt zu haben – was mich früher zwecks Umziehen zum Umkehren gezwungen hätte – kostet mich nur noch ein müdes Lächeln. So gelassen bin ich heute.

Diese Gelassenheit lässt mich auch die Koffern erst einen Tag vor den Ferien packen. Wo ich früher Wochen zuvor die schönsten Kleider mit den passenden Schuhen bereit legte und sie laufend mit Accessoires ergänzte, packe ich heute ganz am Schluss besenwagenmässig alles, was mir zwischen die Hände kommt in riesengrosse Säcke. So gelassen bin ich heute.

Ja, so gelassen bin ich heute, dass ich selbst vor dem nächstwöchigen Umzug ruhig bleibe und, nachdem ich in einer anfänglichen Euphorie ein paar Dinge verkauft und verstaut, jetzt tagelang keinen Finger mehr gerührt habe. Ganz ehrlich unter uns gesagt: Ich weiss nicht, wieviel das noch mit wahrer Gelassenheit zu tun hat oder ob das schon der Anfang von resignierter Apathie ist…

mittwochs immer im Tagblatt der Stadt Zürich

Kennt Ihr auch solche Momente, in denen Ihr nicht einmal mehr wisst, ob und weshalb Ihr überhaupt etwas tun sollt?

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20 Kommentare

  • Carlita
    8. Februar 2012 at 08:44

    …der „zack“-Abschnitt kommt mir seeeeeeeeeeeeehr bekannt vor. Unglaublich was zwischen 6.30 und 8.30 Uhr alles Platz hat. Danach scheint der Tag schon fast bequem weiterzugehen – aber nur fast! SMILE!

  • Rita Angelone
    8. Februar 2012 at 08:55

    @Carlita: …. Pah, du scheinst ja immerhin 2 Stunden Zeit zu haben…. Bei uns fängt die Stoppuhr um 6.15 an zu ticken und um 7.55 stehen wir alle geputzt und gestrigelt (na ja, …. halbwegs) am Gartentor und marschieren los. Zum Glück ist es nur von Mo bis Mi soooooo eng. Ab Donnerstag muss zwar der Grosse genau so pünktlich aus dem Haus gehen, aber wenigstens kommts bei mir nicht so drauf an, ob ich zwei verschieden farbige Strümpfe anhabe….

  • Katharina
    8. Februar 2012 at 09:25

    Rita, Mutter der Gelassenheit, ich bin auch immer sehr gelassen. Bis mein Herzallerliebster kommt und noch ein paar Schichten aufträgt. Dann starte ich durch, wie eine Rakete :->

  • Susan B.
    8. Februar 2012 at 10:41

    …der “zack”-Abschnitt kommt auch mir sehr bekannt vor *g
    Aufstehen 6 Uhr -> Kinder ab zur Schule 7.15/7.30 🙂
    Danach erstmal in aller ruhe Zmörgele 😉

  • Rita Angelone
    8. Februar 2012 at 10:50

    @Katharina: Herzallerliebster? Wer ist das jetzt? Der Lange? Wow, was für ein Kosename!

  • schtäcketööri.ch
    8. Februar 2012 at 10:50

    puh, also, bei mir muss auch immer alles zackzackzack laufen. Wenn ich zu viel Zeit hätt, tät ich mich vermutlich heulend und tobend auf den Boden schmeissen. Von Gelassenheit keine Spur.
    Nur wenn man den Tag gelassen angehen kann, ist Mutter Rohner auch gemütlich zentriert. Alles andere ist nur mit einer gewissen zackzack-Funktion zu überleben. Und die Kinder sind pünktlich abgeliefert *uff* …. wiedermal geschafft. Aber diese Kinder, ja, diese haben bei uns definitiv die Ruhe ab. Können in aller Gemütlichkeit noch Fee spielen, während Muddi schon fast nen Satz in die Luft macht, wegen Timemanagement nicht aus den Augen zu verlieren wollen. menschmeier.

  • Rita Angelone
    8. Februar 2012 at 10:50

    @Susan B.: Heisst das, dass ich irgendwann noch früher aufstehen muss????

  • Rita Angelone
    8. Februar 2012 at 11:02

    @Frau Rohner: ja, bei Ihnen kann ich mir das zackzack sehr gut vorstellen – wie sonst hätten Sie so ein erfolgreiches Ding aufziehen können! Zacknomal!

  • Alexander V.
    8. Februar 2012 at 12:23

    @Rita: Ja, es geht noch früher. Nämlich Dienstag und Freitag jeweils 05:00 Uhr aufstehen und 05:20 Uhr MBH zum Tram fahren….. 😉

  • Carlita
    8. Februar 2012 at 12:33

    @Rita: die 20min mehr die ich vermeintlich habe sind meine aufwachphase….

  • Katharina
    8. Februar 2012 at 13:22

    @Rita: Ja, manchmal nenne ich den Langen so, aber meistens bin ich dann 5-vor-Erwürgen. Zum Beispiel wenn wir am Samstag nöime hin müssen. Alleine kriege ich den Kurzen und mich in einer Stunde bekoffeint, gewickelt, gestrählt, gezähneputzt, parat gemacht und angezogen. Wenn der Lange hilft, dauert exakt dasselbe zwei Stunden. Inklusive eine halbe Stunde lang das Klo blockieren, beleidigt sein, wenn ich 20 Minuten nach Aufstehen meinen Kaffee selbst mache, den Kurzen vor der Legoschublade parkieren damit wir in Ruhe Kafi trinken können (HA!), Lego wieder einräumen, zwanzig Mal fragen wo die Kleider des Kurzen sind, dreissig mal kommentieren, wie unpraktisch man das alles findet und die Küchenschränke sind auch dreckig und überhaupt und sowieso bei den Tupperwarez ist ein Huerepuff, das man jetzt genau zu diesem Zeitpunkt unbedingt aufräumen muss, welche können denn in den Flohmarkt….?
    Während ich das protokolliere frage ich mich, weshalb mein Langer noch am Leben ist, weshalb wir noch zusammen sind und weshalb ich nicht in der Nervernklinik in Ruhe meinen Frühstückskaffee trinke (vermutlich weil dort auch um 5:30 geweckt wird…)

  • Nicole
    8. Februar 2012 at 13:34

    Zack-Zack! 🙂
    @Rita: Ich bin, als ich noch beide Kinder am Morgen habe fertigmachen müssen, jeweils 15 Minuten vorher aufgestanden, weil ich am Morgen einfach noch nicht Zack-Zack machen kann. Wenn ich selber halbwegs wach und fertig bin, bevor das erste Kind wach ist, dann geht es, aber sonst bekomme ich die Krise. Jetzt haben wir an meinen Arbeitstagen ja die Regel, dass ich mit Carmen früher zum Haus rausgehe (ohne Frühstück, denn das isst Carmen in der Krippe, und ich trinke meinen Café sofort nach Ankunft im Büro) und dass GG sich um Nando kümmert (inkl. Frühstück). Das hat mir echt gut getan, diese Aufgabenteilung, und es macht mir deswegen auch nicht viel aus, dass ich dafür am Abend dann noch mehr Gehetze habe, um Carmen von der Krippe und Nando vom Hort abzuholen.
    Das mit dem Packen für die Ferien handhabe ich genau gleich. Mit dem Resultat, dass wir natürlich immer sehr viel mit dabei haben und GG motzt, dass ich den halben Haushalt mitschleppe…. Ich habe ihm auch schon gesagt, dass er dann das nächste Mal packen und sich stundenlang überlegen könne, wie viel genau und was genau wir brauchen. Das hat er dann doch lieber sein lassen…. 😉 Und ich bin sicher, dass der Umzug bei uns auch so laufen würde. Erst mal euphorisch was machen und dann irgendwann mal gelassen werden und am Schluss alles in Kisten schmeissen und los….;-)
    @Kat: Hihi, das kenne ich, dass es mit Hilfe manchmal länger geht als ohne. Uns hat nur die totale Aufgabenteilung geholfen. Ich bin für Carmen zuständig, GG für Nando. Das machen wir auch oft so, wenn wir zusammen weg gehen. Hihi, und so unnötige Diskussionen über gerade überhaupt nicht wichtige Themen haben wir manchmal auch zu unpassenden Zeiten… 😉
    @Alexander: Um 5.20 Uhr zum Tram fahren? Puh, 5.20 Uhr finde ich mega-mega-hart…. Alles vor 6 Uhr finde ich mega-mega-hart…….

  • Katharina
    8. Februar 2012 at 13:42

    @Nicole: Alles in Kisten schmeissen war gut. Wir hatten am Ende der Züglete (Kurzer war da 8 Monate alt) etwa 50 Migros-Säcke rumstehen 😎

  • Rita Angelone
    8. Februar 2012 at 14:20

    @Nicole: ich stehe ja schon die ganze Zeit immer ein bisschen früher auf, genau aus diesem Grund wie du sagst. So kann ich wenigstens in Ruhe duschen, bevor alle anderen aufstehen….. aber irgendwie könnte ich jetzt auch schon um 6 Uhr aufstehen, weil ich dann in Ruhe noch dies und jenes erledigen könnte… also: je früher ich aufstehe, umso mehr möchte ich dann auch machen und umso früher sollte ich dann wiederum aufstehen…. achherrje….
    Die Aufgabenteilung finde ich super!
    Und das mit den Ferien – ja, ich habe dann halt auch immer zuviel dabei. Dafür habe ich auch nichts vergessen. Ist mir doch egal.
    Und die Diskussionen um Banalitäten haben wir auch zu Unzeiten, aso, praktisch die ganze Zeit.
    Ich bin froh, dass ich nicht die einzige bin und dass ihr so ehrlich seid!

  • Rita Angelone
    8. Februar 2012 at 14:22

    @Katharina: … weisst du, wie oft ich gedacht habe, dass es in einer Nervenklinik eigentlich ganz gemütlich wäre? Ausser dem Frühstück am morgen um 5.30….. natürlich.

  • Nicole
    8. Februar 2012 at 14:52

    Ladies, ich sage euch ganz im Ernst, dass es in einer Nervenklinik also nicht nur wegen der frühen Frühstückszeit überhaupt nicht gemütlich ist…. Da hat man das volle Therapie-Stressprogramm…… Ich kenne jemanden sehr gut, der da hat hingehen müssen….

  • Hansruedi Eggenberg
    8. Februar 2012 at 17:44

    Hallo Angelone,
    Schon gut, dass du alles zackig machst, das zeugt von grosser Tatkraft und Effizienz. Doch zweifle ich manchmal trotzdem etwas an diesem Vorgang, besonders deshalb, weil du dauernd Kolumnen schreiben musst. Ach, diese Termine, und ich habe noch nichts! Lasse dir Zeit, macht nichts, wenn mal nichts kommt, dann wissen die Leser (Sorry, Lesenden, genderlike) dass es dir gut geht und man wartet gerne darauf, bis dass dir wieder mal etwas auf die Nerven geht, das die ganze Stadt Zürich inklusive Umgebung wissen muss. Es ist ja sowiso langweilig hier, wenn man nur noch über so Zeug wie „Benimm dich im Tram und hüte dich auf der Strasse vor Bikern und Autoidioten“ im Echo liest; wie schön haben wir es hier doch! Gruss, Hansruedi (ich schreibe nur bei Alarmstimmung, wie eben letzte Woche, kann man jetzt lesen).

  • SomeintPhia
    9. Februar 2012 at 07:35

    oioioioi … dies würde die Kleine nun von sich geben … ja, das mit der Apathie ist schwer zu bekämpfen und doch gelingt es immer wieder, auch wenn oftmals – wie bei Deinem Kofferpacken – auf dem letzten Drücker ist.

    Wir wünschen Dir wenig Stress und viel Gelassenheit zum bevorstehenden Umzug. Es möge die Freude über ein später toll renoviertes Haus vorherrschen.

  • Rita Angelone
    9. Februar 2012 at 08:03

    @SomeintPhia: Ja, zum Glück gelingt es uns immer wieder, diese Trägheit zu bekämpfen! Danke für die guten Wünsche!!!

  • Onno
    17. Februar 2012 at 16:08

    *grins*
    diese Gelassenheit ist noch nicht bei mir angekommen! Hoffe aber sie wird sich noch einstellen mit der Zeit. Liegt aber anscheinend daran, dass ich sowieso ein sehr ungeduldiger Mensch bin. Aber respekt das du es so locker nehmen kannst alles!

    Lg

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