Spiel und Sport

Das Kind im Fussballer

"Der spanische Stier sticht eben schon noch...!" - Bild: Angels Book

Im letzten Tagi-Magi hat Michèle Roten hergeleitet, dass Fussball am Fernseher eigentlich nichts anderes sei als ein Porno, wos den männlichen Hauptdarstellern letztlich nur darum gehe, den Zuschauern zu beweisen, was für Siebensieche sie seien und dass nur sie den Fortbestand der Menschheit garantieren können. Interessanterweise sprächen sie nicht nur Frauen an, sondern erst recht auch Männer, die sie um ihren Status beneiden und ihnen darum auch nacheiferten.

Bis vor kurzem hätte ich diese Schlussfolgerung unterzeichnet, seit ich aber Kinder habe, finde ich, dass der Vergleich mit einem Porno Fussball spielenden Männern eher schmeichelt.

Dieser Tage erinnern mich Fussballer nämlich vielmehr an spielende Gofen, die immer wieder euphorisch ein Spiel fair starten wollen, um im Verlaufe desselben zu hinterhältigen Spielverderbern zu mutieren, wenn es nicht so läuft wie vorgesehen. Ihr Verhalten wird umso kindischer je schlechter die Figur ist, die sie abgeben.

Fussballer oder Kinder beginnen dann, alle ihnen zur Verfügung stehenden Register zu ziehen. In beiden Fällen handelt es sich um dieselben simplen Verhaltensweisen: sie schauen etwas dümmlich aus der Wäsche, stellen sich unwissend, scheinheilig oder halbtot und wischen bei der erstbesten Gelegenheit dem Gegner eine aus – mit Vorliebe hinter dem Rücken des Schiedsrichters bzw. der Eltern, denn das macht bekanntlich mehr Spass.

Ist das Spiel dann zu Ende, erkennt man erst recht keine Unterschiede mehr zwischen Fussballern und Kindern: Die Gewinner stochern in der Wunde herum: „Ihr händ verlore,  mir halt nöd!“, die Verlierer reden sich ein: „Mir sind trotzdem besser, ihr halt nöd!“

Ob diesem kindischen Getue fällt es mir ziemlich schwer, Fussball mit Porno zu assoziieren. Und nachdem Italien und die Schweiz beide aus der WM ausgeschieden sind, kann ich es mir auch nicht mehr verkneifen, ebenso kindisch zu kontern: „Ich bi jetzt für d Spanier, ätschibätsch! Ich dörf das, du halt nöd!“

P.S. Durch die Angelones fliesst ein nicht unerheblicher Anteil an spanischem Blut!

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