Familienleben Kolumne

Das Gute siegt?

Es ist ja nicht so, dass mich Ihre Feedbacks kalt liessen.  Ganz im Gegenteil. Wenn Sie mir, liebe Leserinnen und Leser raten, ich solle nicht so intolerant sein oder ich solle mir über eine Auszeit Gedanken machen, dann nehme ich mir das zu Herzen.

So hat mich kürzlich eine lange und ausführliche Nachricht einer Leserin ganz besonders beschäftigt, die mir im Zusammenhang mit dem ewigen Gezanke meiner Kinder riet, in solchen Situationen dem Bösen keine Chance zu geben. Dies würde mir am besten gelingen, wenn ich allen voran gut bleiben und nur an das Gute glauben würde. Die Buben würden automatisch das Gute von mir übernehmen und von selbst nicht mehr streiten. Handelte ich so, bräuchte ich mich auch nicht einzumischen, denn die Situation würde sich ganz von selbst klären. Auf gütliche Art, versteht sich.

Drum blieb ich also ganz cool, als ich kürzlich den Anruf einer Journalistin erhielt, die mit mir ein Interview am Telefon machen wollte. Die Buben waren soeben von ihrem Mittagsschlaf aufgewacht und boten sich eine Kissenschlacht im Kinderzimmer. Nein, ich durfte jetzt nicht daran denken, dass das Ganze eskalieren und in einem erbitterten Kampf enden würde, bei dem es nur Geschrei und Tränen gab. Nein, ich wollte jetzt ans Gute denken, eine gute Mutter sein, die ins Gute in meinen Buben vertraute. Das Böse würde keine Chance haben, solange ich ruhig und gelassen mein Interview gab. „Wollen Sie nicht lieber schauen, was Ihre Buben treiben, Frau Angelone? Ich kann später anrufen.“ „Oh, wissen Sie, das gehört dazu, Buben zanken sich eben, wissen aber immer, wo die Grenze zum Bösen ist. Reden wir ruhig weiter.“

Und so habe ich weiter Fragen beantwortet, dem Bösen meine Stirne geboten. Das Resultat: eine Riesenbeule am Kopf des Grossen und eine aufgerissene Unterlippe des Kleinen. Vom Geheul gar nicht zu reden.

Ach, und das Interview wurde auch nie abgedruckt. Gut, oder?

mittwochs immer im Tagblatt der Stadt Zürich

Glaubt Ihr auch, dass alles nur eine Einstellungsfrage ist? Und heisst das auch irgendwie, dass ich an allem schuld bin?

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18 Kommentare

  • Lisa
    4. April 2012 at 06:31

    Hihihi, so eine Nachbarin habe ich auch.

    Aber manchmal ist es schon gut, einfach weg zu hören und die Kinder machen zu lassen um die eigenen Erfahrungen zu sammeln.
    Aber eben, nur manchmal…….
    Und dann einfach ganz viel „heilä, heilä Sägä“ singen :)))

  • Erika
    4. April 2012 at 06:39

    Klar ist man als Eltern an allem schuld. Die Kids haben ja keinen eigenen Charakter sondern werden von uns so hingebogen, wie wir sie gerne hätten… Quatsch! Solche Kämpfe gehören einfach dazu. Bis zu einem gewissen Mass kann man das auch laufen lassen. Bevors eskaliert, muss man aber einschreiten – ich weiss genau, wie das bei euch zu und her geht, meine Kids sind ja gleich alt wie deine. Wie sollen sie lernen, Konflikte auszutragen, wenn sie es jetzt nicht dürfen? Klar, später muss die Handgreiflichkeit wegfallen, aber wie soll sich denn der kleinere gegenüber dem grösseren wehren, wenn er verbal nicht mehr weiterkommt, da sprachlich noch unterlegen? Solange es bei Beulen und ein paar blauen Flecken bleibt, ist alles im Rahmen.

  • Rita Angelone
    4. April 2012 at 07:41

    @Lisa: …. heilä, heilä Sägä…. und ganz viel beten…. 😉

  • Rita Angelone
    4. April 2012 at 07:42

    @Erika: … ja, ja, die Beulen und die blauen Flecken sind mir auch egal – ich wollte einfach genau in diesem Augenblick nicht unbedingt ins Kinderspital fahren mit ausgeschlagenen Zähnen…. 🙂

  • Fabienne
    4. April 2012 at 08:22

    ich habe zwei Mädchen und diesen ists auch nicht besser… gezank gehört dazu sagt mein verstand und ja sie müssens lernen etc…. nicht eingreifen… aber dies auszuhalten, das findi schwieriger!

  • Bionic Hobbit
    4. April 2012 at 08:31

    May the Force be with you!

  • Bionic Hobbit
    4. April 2012 at 08:34

    „Evil began in a time before recorded history, when magicians made themselves into kings…and gods…using the powers of the dark side of the Force. The weak-minded have ever been ready to obey one who wields great power. Those who learned the powers of the dark side were quick to exploit this weakness—to make war. Again and again the dark side has surged forth, like a storm…devouring whole worlds and entire star systems. Those who mastered dark power became dark power. They unleashed destruction, for no other reason than for selfish gain. They despoiled nations…destroyed whole civilizations. Some of them, I am ashamed to say, were Jedi.“
    ―Ood Bnar

  • Nicole
    4. April 2012 at 08:39

    Deine Buben machen noch Mittagsschlaf? Hach, wie toll wäre das denn…..

    Aber zum Thema: An die Kraft des positiven Denkens glaube ich oft, aber längst nicht immer. Meine Mutter hat wohl den grössten Lebenswillen gehabt, den ich mir vorstellen kann und hat mit diesem Lebenswillen und enormem positiven Denken ihren Brustkrebs dennoch nicht besiegen können…..
    „Ans Gute glauben“ heisst für mich für den von dir geschilderten Fall vielleicht, dass ich mich bemühe, etwas länger gelassen zu bleiben, mich nicht grad‘ einzumischen – aber eben, nur mit dem Gedanken daran, dass sie sich doch sicher grad‘ wieder vertragen, ist es nicht immer getan. Das hast du ja nun bemerkt. Unsere zwei streiten sich nun auch immer öfters (ohm, es ist nur eine Phase….ohm…. ). Ich überlege gerade, ob wir uns einen Boxsack anschaffen sollen, damit sie dann ihre Wut da reinhauen können.
    Auf alle Fälle finde ich es wichtig, dass wir ans Gute in uns glauben – wir Eltern sind nicht immer an allem schuld !!!

  • Rita Angelone
    4. April 2012 at 11:01

    @Bionic: … 🙂

  • Bionic Hobbit
    4. April 2012 at 11:39

    Ich weiss nicht, weshalb mir das hierzu einfällt, aber wenn sich die Jungs wegen irgendeiner Kleinigkeit streiten, denke ich oft, dass es uns zu gut geht. Natürlich wünsche ich uns keine schlechteren Zeiten, aber es tut gut, sich zu erinnern, was unsere Eltern vielleicht erlebt haben. Meine Oma hatte 1945 keinen Mann mehr und 4 Kinder von 4 bis 9 Jahren, und musste mitten im Winter vor den Russen fliehen. Ich weiss nicht, ob die Kinder noch Kraft hatten, zu streiten. Ich schicke Dir mal als Email die Geschichte, die mein Onkel (der war der 9jährige) vor seinem Tod aufgeschrieben hat. Das relativiert vieles.

  • SomeintPhia
    4. April 2012 at 13:07

    Natürlich hat vieles mit der Einstellung zu tun und nein, nicht immer die gleiche Person ist an allem schuld.

    Manchmal nützt das beste Gute-Denken nichts mehr und dann fliegen eben auch mal die Fetzen. So lange es – auch verbal – in „anständigen“ Bahnen verläuft, kann man sich nachher getrost wieder in die Augen sehen. Dass in einer Beziehung, ob nun unter den Grossen oder zu den Kleinen immer nur die gleiche Person schuld sein soll, geht einfach nicht auf.

    Kopf hoch Rita, Blessuren gehören eben auch etwas zum Grösserwerden.

    PS: Unsere Kleine hat letzthin auf dem Dreirad mit dem „Gesicht gebremst“, weil sie partout nicht still sitzen wollte und dann eben nach links weg kippte. Blessuren …

  • Rita Angelone
    4. April 2012 at 13:19

    @Bionic: das denke ich oft, und zwar weil mir meine Eltern auch solche Geschichten erzählen und ich manchmal denke, wie z.B. meine Mutter mit ihren 12 Geschwistern überhaupt hätte streiten wollen. Die mussten ja ums Überleben kämpfen und schauen, wo sie einen Platz zum schlafen finden im Haus etc. etc.
    Ich werde die Geschichte lesen – bin gespannt.

  • Rita Angelone
    4. April 2012 at 13:20

    @SomeintPhia: ach, ich weiss, Blessuren gehören dazu, aber NICHT DIE ZÄHNE!!!!!! Da habe ich eine Phobie davor!

  • Nicole
    4. April 2012 at 14:18

    @Rita: Meine Schwester hat sich 2 Tage vor ihrer Erstkommunion beim Spielen (und nicht beim Streiten mit mir…. ;-)) die beiden Schaufelzähne vorne rausgeschlagen….Auf den Kommunion-Fotos hat sie daher nicht gelacht…. Man konnte sie dann behelfsmässig sichern, und mit 20 bekam meine Schwester dann zwei wunderschöne Stiftzähne. Ist nicht so schlimm, ich habe da keine Phobie (man muss den Fall einfach mit der Unfallversicherung sauber klären, aber da weiss ich ja Bescheid, und dein Mann auch…. ;-)).

  • Rita Angelone
    4. April 2012 at 16:26

    @Nicole: ich bin froh, dich und das FOH zu kennen!

  • Katharina
    4. April 2012 at 21:11

    Hui, das tönt wieder mal anstrengend bei Euch. Hoffentlich kannst Du über Ostern die Buben mal stundenweise wegdelegieren und Dir Zeit nehmen für ein feines Lush-Bad, Beine epilieren, Gesichtsmaske,………. dann sieht die Welt gleich wieder besser aus.

    Und ich habe mich so auf den Krippentag morgen gefreut, Kurzer ist auch recht betreuungsintensiv in diesen Tagen, aber vorhin habe ich bei ihm grad 39.8° gemessen. Das möchte ich dann doch nicht mit Zäpfli wegbescheissen *frust*

  • Rita Angelone
    4. April 2012 at 21:38

    @Katharina: Über Ostern sind wir ganz schön brav eine Familie – nix abdelegieren.
    Deinem Kurzen wünsche ich, dass er morgen besser zwäg ist. Wahrscheinlich hast du ihn zwar am Hals, aber nein, bei so hohem Fieber kann man einfach nicht mogeln. Blöd. Hoffe, du findest auch mal Zeit über Ostern, um in die Badewanne zu liegen….

  • Bionic Hobbit
    5. April 2012 at 14:07

    Das Fieber für die Kita wegbescheissen – und andere Tricks einer Rabenmutter, wäre doch mal ein Blogbeitrag…bin sicher, dass wir uns da alle wiederfinden.

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