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Das erste Klassenlager: Vom Grösserwerden und Loslassen

Herbstzeit war in den letzten Jahren bei uns immer Lagerzeit. Ihr wisst ja, dass ich Lager nicht wirklich mag. So sehr ich mich auch jedes Mal auf eine kinderfreie Woche pro Jahr freue, so fest leide ich jedes Mal, wenn die Kinder nicht zu Hause sind. Bauchnabelschmerz nenne ich das. Dieser Bauchnabel, der – ich habs an dieser Stelle auch schon beklagt – wie nicht selten bei amputierten Körperteilen als Phantomglied ein Leben lang weiter existiert und pulsiert und eben schmerzt, wenn die Kinder zu lange zu weit weg von mir sind.

Dieses Jahr sieht das Ganze aber anders aus bei uns. Die Jungs haben diesen Herbst kein Pfadi-Lager, dafür geht der Kleine erstmals ins Klassenlager. Der Grosse hatte dieses Vergnügen bereits vor den Sommerferien. Doch während ich die Abwesenheit des Grossen ziemlich gelassen verkraftet habe, beschert mir das anstehende Klassenlager des Kleinen ziemlich unerwartet doch etwas Bauchschmerzen. Natürlich weiss ich, dass er genau so „Lager erfahren“ ist wie der Grosse, dass er sich sehr darauf freut und dass er – auch das schmerzt etwas – kaum Heimweh haben wird. Aber: Er ist halt der Kleine und wird dies für mich wohl für immer bleiben.

Zum Glück sieht das die Schule anders und hat den Klassenlager-Anwärtern Hausaufgaben der besonderen Art auferlegt: Vor dem Lager müssen die Schüler noch ganz rasch haushalten lernen. Wie die Grossen. Tisch decken und abräumen gehört als Vorbereitung genau so dazu wie Zimmer staubsaugen, beim Kochen helfen, Bett beziehen und Klo putzen. Finde ich super und so gesehen, fällt es mir grad etwas leichter, den Kleinen ab sofort als Grossen zu betrachten. Noch so gerne werde ich ihn unter dem Vorwand des Klassenlagers anlässlich eines Haushalts-Workshops ganz schnell und sogar ganz, ganz gross werden lassen!

immer mittwochs im Tagblatt der Stadt Zürich

In welcher Klasse sind eure Kinder erstmals ins Klassenlager gegangen? Wie mussten sie sich vorbereiten? Fiel euch der Abschied als Eltern leicht?

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3 Kommentare

  • Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit)
    6. September 2018 at 15:02

    Bei uns im Kanton Neuenburg werden wir Eltern quasi von ganz früh an auf Lager trainiert: Im 1. Kindsgi bereits „Landschere“ mit 1 Übernachtung auswärts, in der 1. Prim dann schon 2 Übernachtungen, in der 2. Prim 3 Übernachtungen.
    Wir haben es zum Glück überlebt, auch wenn unser Büebel bis zum ersten Lager noch gar nie auswärts übernachtet hatte. Gemeisam mit den Kollegen war irgendwie anders, als allein zum Gotti oder Grosi.

  • Rita Angelone
    6. September 2018 at 21:11

    Liebe Katharina, ich finde das eine ganz lässige Vorgehensweise eurer Schule! Wirklich cool!

  • Judith
    6. September 2018 at 22:54

    Unsere Kleinste hat es (zusammen mit den Leiterinnen) durchgesetzt, dass sie mit 5 Jahren 6 Tage ins Sportlager mitdurfte. Sie war mit mir und den grossen Brüdern schon in deren Sportlagern als weitaus Jüngste mit von der Partie. Sie wollte einfach ein Handy mitnehmen, um im Fall der Fälle zu Hause anrufen zu können (sie konnte es aber noch nicht selbst bedienen). Mit Erlaubnis von den Leiterinnen nahm sie Eins mit und hat an den beiden ersten Tagen angerufen und berichtet, dass alles gut sei. Ja für mein Mamiherz war das früh!

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