Familienleben Kolumne

Dagegen halten, Mund aufmachen

gesehen auf Twitter

Ich schreibe «nur» Familienkolumnen und möchte damit keine politischen Aussagen machen. Doch als Seconda kann ich für einmal nicht anders und muss dagegenhalten, den Mund aufmachen. So wie die deutsche «Panorama»-Chefin in ihrem «Tagesthemen»-Kommentar vor ein paar Tagen dazu aufgerufen hat: «Wenn man nicht der Meinung ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das deutlich kundtun. Dagegenhalten. Mund aufmachen. Haltung zeigen.»

Wir waren in den Ferien am südlichen Ende Italiens. Da, wo die Flüchtlinge stranden, wenn sie überhaupt lebend ankommen. Wir waren als privilegierte Reisende da, wo die Flüchtlinge unter teils menschenunwürdigen Verhältnissen leben und die Strände entlang arbeiten «dürfen». Wir haben gesehen, wie sie von genauso privilegierten, doch respektlosen Touristen herablassend behandelt und wie sie von der einheimischen Bevölkerung zwar mit etwas mehr Anstand, aber dennoch deutlich auf Distanz gehalten wurden. Wie etwas, das weniger Angst als vielmehr Abscheu auslöst. Das macht mich betroffen: diese menschenverachtende Haltung, die zur aktuellen rassistischen Hetze gegen alle Flüchtlinge führt.

Dabei wollen diese Menschen – genauso wie wir – nur eins: eine Zukunft. Wie damals meine, unsere Eltern und vor ihnen viele unserer Grosseltern und Urgrosseltern, die auch flohen, weil sie in ihrer Heimat keine Perspektive hatten. Irgendwann waren wir alle einmal Flüchtlinge und könnten es wieder werden!

Vergessen wir nie, dass es nur grosses Glück oder Pech ist, wo man auf die Welt kommt, und begegnen wir deshalb allen Menschen stets mit einer offenen Haltung und einem offenen Herzen.

immer mittwochs im Tagblatt der Stadt Zürich

Hält Ihr auch dagegen?

Dies koennte dir ebenfalls gefallen

6 Kommentare

  • Karin Glauser
    12. August 2015 at 17:07

    Liebe „Frau Angelones“… Genauso gerne wie ich Deine Familienbeiträge lese auf FB, lese ich auch Deine Kolumnen….. Danke für die vielen guten, lustigen und intressanten Beiträge……Dass Du nun zu diesem, in der Gesellschaft doch heiklen, Thema Stellung nihmst, bewundere ich sehr. Du zeigst Zivilcourage…. Und das hat unsere Gesellschaft bitternötig…. Es gibt genügend Menschen, die anstatt dankbar zu sein, über Schicksale urteilen, in ein Loch der Gesellschaft blasen ohne über die Geschichte und das Schicksal der Flüchtlinge Bescheid zu wissen……Danke Dir von ❤️en……

  • Thirza
    12. August 2015 at 20:21

    Liebe Rita, bin genau deiner Meinung! Deshalb arbeite ich seit drei Jahren freiwillig in einem Asylbewerberheim und zeigen den Flüchtlingen dort, dass es Menschen gibt, die sich für sie interessieren und die sie respektieren. Meistens komme ich selber so viel reicher aus dem Asylbewerberheim nach Hause–dankbar für das was ich habe und dankbar, dass ich etwas von meiner Zeit und meinen Gaben weitergeben kann.

  • Steffi
    13. August 2015 at 20:55

    da spürt man, dass du ein grosses Herz hast. Danke für deine Zeilen und deinen Mut!

  • Rita Angelone
    13. August 2015 at 21:13

    Liebe Karin, ich danke dir von Herzen, dass du mir mit deinem Kommentar noch mehr Mut gibst, auch in Zukunft immer wieder heikle Themen anzusprechen.

  • Rita Angelone
    13. August 2015 at 21:16

    Liebe Thirza, dein Einsatz ist sehr lobenswert – sehr schön, dass du das machst. Ich habe manches Jahr Freiwilligenarbeit geleistet, auf verschiedenen Gebieten. Im Moment mache ich diesbezüglich nicht mehr so viel, weil ich mich derzeit voll und ganz der Familie widme. Doch ich weiss schon, dass ich in ein paar Jahren wieder Freiwilligeneinsätze leisten werde, wer weiss, vielleicht auch in diesem Bereich. Mach weiter so, das ist so wertvoll.

  • Rita Angelone
    13. August 2015 at 21:17

    Liebe Steffi, danke für deinen lieben Kommentar. Damit gibst du mir auch wieder viel Mut zurück!

Hinterlasse eine Nachricht

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.