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Aus dem Leben einer Doula: Mit Rosen gegen Geburtsgewalt

Roses Revolution

Geburtsgewalt: Ein Tabu

Zum Thema Geburtsgewalt war bis vor zwei Jahren wenig bis gar nichts in den Medien zu lesen. Letztes Jahr durfte ich dann einen Artikel dazu verfassen und war glücklich darüber, dass dieses Tabu nun endlich gebrochen wird.

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen – auch bei der Geburt

Heute ist ein spezieller Tag: Begangen wird nicht nur der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, sondern auch der Tag gegen Geburtsgewalt, also Gewalt, die im Gebärsaal passiert. Damit gemeint sind einerseits verbale Beleidigungen und demütigende Aussagen wie „Stellen Sie sich nicht so an! Was soll das Geschrei?“, Drohungen wie „Wenn sie jetzt nicht folgen, dann garantieren wir nicht, dass ihr Baby gesund auf die Welt kommt“ und Zwänge wie „Liegen Sie still!“. Andererseits medizinisch unnötige Interventionen – dazu gehören Medikamente, die es nicht unbedingt braucht, Damm– oder Kaiserschnitte oder der Einsatz der Saugglocke. Aber auch grobe vaginale Untersuchungen, fragwürdige Geburtseinleitungen und verweigerte Schmerzbekämpfung.

Bedürfnisse der Frau werden ignoriert

Die Bedürfnisse der Frau werden ignoriert. Die Frau wird entwertet, gar angeschrien. Manche werden zu Geburtspositionen gezwungen, in denen sie sich nicht wohl fühlen. Sie bekommen Infusionen gesteckt und Wehentröpfe gelegt und können sich nur noch eingeschränkt bewegen. Massnahmen, die aus medizinischer Sicht nicht unbedingt gerechtfertigt sind.

Jede zweite Frau ist von Geburtsgewalt betroffen

Verweigert sich die Gebärende, wird sie einfach überhört. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von gravierenden Verletzungen der Menschenrechte in geburtshilflichen Einrichtungen und betont:

„Jede Frau hat das Recht auf die bestmöglichsten Gesundheitsstandards, die eine würde- und respektvolle Behandlung garantieren.“

Jede zweite Frau ist von Geburtsgewalt betroffen, schreibt die deutsche Soziologin und zweifache Mutter Christina Mundlos in ihrem Buch „Gewalt unter der Geburt: Der alltägliche Skandal“. Die Geschichten, die im Netz kursieren, lassen einen Gänsehaut aufkommen und Tränen in die Augen schiessen. Zweifler fragen sich: Übertreiben Gebärende bei der Schilderung von Grenzüberschreitungen, während sie eine der wichtigsten Grenzerfahrungen ihres Lebens machen? Sind sie heute nicht mehr bereit, etwas auszuhalten? Wenn frau sich in ihrer Intimsphäre verletzt fühlt, nach der Geburt mit jahrelangen Folgeschäden kämpft und in ein depressives Loch fällt, kann es sich wohl kaum um ein Missverständnis handeln. Anzeigen werden fast nie erstattet, weil der Beweis fehlt: Gewisse Eingriffe werden im Geburtsprotokoll nicht festgehalten.

Roses Revolution kämpft gegen die Missstände

Gegen diesen Missstand kämpft der Aktionstag „Roses Revolution“ seit 2011 an: Mütter legen dabei eine Rose vor die Geburtsklinik, in der sie Gewalt erfahren haben. Seit letztem Jahr gibt es auch die Roses Revolution Schweiz. Auf der Facebook-Seite werden Geschichten von betroffenen Frauen veröffentlicht, die durch die Niederlegung einer Rose vielleicht endlich mit diesem traurigen Kapitel, in dem sie sich eigentlich wie Königinnen hätten fühlen sollen, Frieden schliessen können. Denn werdende Mütter sind in den Augen der Doulas Königinnen und sollen als solche behandelt werden. Nicht zuletzt heisst „Doula“ auf deutsch „Dienerin der Frau“.

Welches sind eure Erfahrungen, eure Gedanken zum Thema? Habt ihr eine Form von Gewalt bei der Geburt erlebt? Mögt ihr darüber berichten?

Du möchtest Dir Deine Geburtsgeschichte von der Seele reden und wünschst Dir eine ganzheitliche, respektvolle Begleitung während der Geburt? Die Doula ist für Dich da! Melde Dich unverbindlich unter  weber.coppola@libero.it.


Sarah Coppola-Weber ist gebürtige Ostschweizerin mit italienischem Pass. Sie lebt mit einem neapolitanischen Ehemann, zwei Töchtern (16 und 13) und einem Sohn (9) seit 17 Jahren in der Nähe von La Spezia. Für “Die Angelones” schreibt die ausgebildete Doula über Familien -, Gesundheits- und Ernährungsthemen sowie Themen, die Eltern den Alltag mit ihren Sprösslingen erleichtern und lässt dabei die LeserInnen am facettenreichen italienischen Alltag teilhaben, wo der Ausnahmezustand oft an der Tagesordnung und von „dolce far niente“ keine Spur ist!

Mehr über Sarah und ihre Familie erfahrt ihr in im spannenden Interview, das wir mit ihr führen durften!

Sarahs bisher erschienenen Beiträge könnt ihr hier nachlesen:

Aus dem Leben einer Doula:

Elterntipps:

Dolce Vita:

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