Familienleben Kolumne

Aug um Aug

Nirgends wird so viel geäugt wie an der Langstrasse.

Prostituierte stelzen die Trottoirs rauf und runter und fassen potentielle Freier provokativ ins Auge, während sie gleichzeitig eingeschüchtert nach ihren Zuhältern Ausschau halten.

Freier streunen wie reudige Hunde umher und spähen gierig nach geeigneter Beute, senken aber sofort den Blick, wenn sie befürchten, von Passanten auf ihrem verwerflichen Beutezug erkannt zu werden.

Zuhälter kontrollieren mit verächtlichem Blick ihre Strichbienen aus ihren Karossen und verpassen dabei keine Chance, durch gerissenes Augenzwinkern ihre weiteren Fäden im Milieu zu ziehen.

Dealer und Junkies erkennen sich von weitem, bestätigen sich dieselbe Absicht mit einem einzigen Blick, erledigen ihren Tauschhandel en passant und verschwinden woher sie gekommen sind nicht ohne sich vorher vergewissert zu haben, nicht von der Polizei beobachtet worden zu sein.

An der Langstrasse sehen alle alles, und alle werden dabei gleichzeitig von allen gesehen. Jeder Blick ist sündhaft, jeder ist irgendwie schuldig.

Nur ich bin weder auf der Suche, noch werde ich auf irgendeine Weise ins Visier genommen. Völlig unbeschwert und unbemerkt kann ich die Sündenmeile tagein, tagaus rauf und runter radeln.

Bis zum Tag, an dem mir ein Polizist – statt sein Aug auf all die schuldbehafteten dubiosen Langstrassengestalten zu werfen – seine zum Stoppzeichen angewinkelte Hand vor die Nase hält und die schuldzuweisende Frage stellt: „Sind Sie au en Bus?“ „Nei, aber derfür hani Helm und Liecht, he, he!“

Der abstrakte Witz zeigt keine Wirkung. Und so steige ich beschämt von meinem Velo und stosse dieses reumütig und wie ein Schulmädchen Besserung gelobend auf dem Trottoir weiter – schön parallel zum ausschliesslich für den Bus reservierten Teilstück der Langstrasse entlang und schön im Fokus bemitleidenswerter Blicke von etlichen Beobachtenden.

Tja, die Langstrasse überlebt eben nur, wer über ständig wachende Augen verfügt!

mittwochs immer im Tagblatt der Stadt Zürich

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2 Kommentare

  • max
    17. November 2010 at 16:46

    Noch eindrücklicher als die Langstrasse in Zürich ist es mit der Halenstrasse durch den Berner Bremgartenwald:

    Die ökofaschistische Berner Stadtregierung beschloss ein weiteres mal etwas für die Umwelt zu tun. Das Umweltwissen der Grünen beschränkt sich auf „Gene sind böse“ und „CO2 ist schlecht“. Praktische Massnahmen beschränken sich auf die Behinderung des Autoverkehrs. Mehr kommt diesen Gummiköpfen nicht in den Sinn.

    Also befand man, die Halenstrasse zu sperren, sei eine gute Möglichkeit, die Bewohner des nahen Frienisbergs zu schikanieren. Die wählen nämlich nicht SP oder Ökofaschisten sonden FDP und manchmal SVP.

    http://maps.google.ch/maps?client=opera&rls=en&q=halenstrasse+bern&oe=utf-8&um=1&ie=UTF-8&hq=&hnear=Halenstrasse,+CH-3012+Bern&gl=ch&ei=mwPkTJiYHoSYOtPJgZIB&sa=X&oi=geocode_result&ct=title&resnum=1&ved=0CBUQ8gEwAA

    Die Sperrung der Halenstrasse hat aber nicht zur Folge, dass jetzt der Teer aufgebrochen und wieder Bäume gepflanzt werden. Diese sogenannte „Sperrung“ hat zur Folge, dass Postautos weit jenseits der erlaubten Höchstgeschwindigkeiten durch den Wald rasen, Kurven schneiden, Sicherheitslinien überqueren und den Velofahrern den Weg abschneiden, sogar wenn die Velos Vortritt haben. Ein Postautofahrer bringt es auf dieser 2minütigen Fahrt locker auf sechs schwere Verkehrsregelverletzungen, die jede zwingend den Entzug des Fahrausweises nach sich zieht. Dies wiederum ist für den Arbeitgeber ein rechtlicher Grund für eine fristlose Kündigung.

    Selbstverständlich stehen die Postautochauffeure unter der Schirmherrschaft der Ökofaschisten und die dürfen alles.

    Was nun tun die gestressten Velofahrer? Sie fahren kilometerweit auf dem Trottoir, verschrecken alte Müeti, Waldspaziergänger, sowie Studenten der botanischen Ökologie auf ihrer Exkursion.

    Unter wessen Schirmherrschaft stehen die Velofahrer? Selbstverständlich ist die ökofaschistische Berner Stadtregierung auch für die Förderung des Langsamverkehrs. Dies bedeutet, dass Velos in der Stadt nach belieben machen dürfen was immer sie wollen. Sie dürfen sogar geh- und sehbehinderte alte Frauen straffrei in den Tod hetzen. (Ist vor vier Jahren beim Tierpark Dählhölzli passiert.)

    Und was machen die Autofahrer? Sie müssen für die gleiche Kommission drei bis fünf mal soviele Kilometer fahren, fünfmal soviel Luft verschmutzen, fünfmal soviel Lärm machen, fünfmal sovielen Kindergärtelern ausweichen und fünfmal soviele Leute ärgern. Diese fünfmal sovielen Leute wählen dann brav die Ökofaschisten in die Stadtregierung weil die schliesslich wissen, was man gegen die Autoverkehr tut…

    Nach alledem kann ich den Zürchern nur gratulieren, dass sie wenigstens auf ihren Strassen für Ordnung sorgen! Bravo!

  • Angeln Rezepte Natur
    23. November 2010 at 18:25

    Hallo, da wohne ich lieber auf dem Land. Gruß Peter

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