Familienleben Kolumne

And – the Winner is…?

Letzte Woche standen unsere Buben zum ersten Mal auf den Skis. Und zum ersten Mal in ihrem noch kurzen Leben haben sie eine Medaille gewonnen! Jawohl, gleich beide! Natürlich haben sie in nur zwei Tagen Skischule enorme Fortschritte gemacht und unglaubliche Resultate erzielt, dennoch gehörten sie nicht zu den Besten. Wie auch, wenn das Skirennen über mehrere Jahrgänge durchgeführt wurde und unsere Buben zu den jüngeren Fahrern gehörten. Weshalb aber wurden trotzdem beide ausgezeichnet? Weil bei diesem Skirennen das Erlebnis mehr als das Ergebnis zählte!

Das fand ich super und freute mich mit den Buben, weil sie sich so richtig stolz fühlten, eine grosse Leistung vollbracht zu haben. Doch als ich gleichenabends, nachdem die Buben mit ihren Medaillen neben ihren Kopfkissen eingeschlafen waren, noch etwas zum Thema Bedeutung von Auszeichnungen für Kinder googelte, musste ich feststellen, dass sich auch daran – wie könnte es anders sein – eine pädagogische Grundsatzfrage entzünden kann.

Kritische Stimmen mahnen, dass Medaillen für alle am ureigenen Sinn einer Auszeichnung vorbei gingen und dass Kinder lernen müssen, nur für besondere Leistungen belohnt zu werden oder eben auch das Gegenteil zu erfahren, eine Niederlage, für dies nun mal keine Medaille gibt. Sonst glaubten Kinder am Ende noch, im Leben werde ihnen alles geschenkt.

Also ich weiss nicht: Wenn ich die Buben so neben ihren Medaillen schlafen sehe, kann ich dem Ganzen nichts Negatives abgewinnen. Sie werden noch früh genug lernen, dass es in ihren täglichen Wett- und Konkurrenzkämpfen nicht für jede Leistung eine Auszeichnung geben wird – möge jene manchmal noch so gut sein. Bis dahin können sie an der tollen Erfahrung ihres ersten Medaillengewinns aber nur stärker werden!

mittwochs immer im Tagblatt der Stadt Zürich

Wie seht Ihr das? Soll, darf das Erlebnis mehr zählen als das Ergebnis? Schadet das Kindern? Oder schadet es mehr, wenn sie zu früh  mit einem zu harten Konkurrenzdenken konfrontiert werden?

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12 Kommentare

  • SomeintPhia
    29. Februar 2012 at 08:24

    Wir gratulieren den Jungs zu Ihrem Erfolg. Und schön, dass Ihr ihnen die „Bretter der Berge“ nicht vorenthaltet. Sie werden es Euch später mal danken, wenn sie im Schulskitag nicht zu den Schlittlern gehören .. 😉

    Die beiden „kleinen Cuches“ werden früh genug feststellen, dass es eigentlich meist nur für die Erstplatzierten Medaillen und Pokale gibt. So sollen sie sich möglichst lange an der Ersten erfreuen.

  • Cory
    29. Februar 2012 at 08:43

    Ich konnte nie eine Skischule besuchen. Wie enttäuscht war ich jedes Jahr, als ich im Skilager der Schule keine Chance auf eine Medaille hatte. Da hatten die Kinder, welche schon früh mit den Eltern Skiferien machten, einen Vorteil, der nicht zu schlagen war. Für mich war es jedes mal frustrierend, da ich alles gab aber nie eine Chance hatte. Ne, ne. Es ist schon gut, wenn alle Kinder eine Medaille bekommen. Zumal die Kinder klein sind und die Skischule kein Wettkampf sondern eine bezahlte Schule ist, in der sie etwas lernen. Kinder lernen auch so Niederlagen einzustecken. Seien es die Noten in der Schule, Rangeleien mit Freunden …..
    Mir macht Wintersport bis heute keinen Spass, weil ich es nur mit Enttäuschung verbinde. So wünsche ich doch deinen Kindern Erfolgserlebnisse und Spass auf den Skiern.

    Liebe Grüsse Corina

  • Rita Angelone
    29. Februar 2012 at 08:44

    @SomeintPhia: Schön, dass du in den beiden zwei kleine Cuches siehst! Weil da gabs auch welche, die darin die beiden 1818-Typen aus der Werbung sahen… :-)))))))

  • Rita Angelone
    29. Februar 2012 at 08:52

    @Cory: Da meine beiden Eltern (Italiener und Spanierin) mir das Skifahren auch nicht beibringen konnten, musste ich dies in der Schulzeit lernen, wo andere (Glarnerkinder, die quasi mit Skis geboren wurden) schon Voll-Profis waren. Während der ganzen Schulzeit war das Skifahren für mich eine Qual, weil ich immer zu den Schlechtesten gehörte (mit anderen Ausländerkinder zusammen…). Als junge Frau habe ich mich dann vom Skifahren vorübergehend ganz verabschiedet. Der Winter war für mich die blödste Jahreszeit, u.a. auch weil ich eben nicht Skifahren ging. Irgendwann fand ich, dass das so nicht sein kann und nahm mir einen Skilehrer, der mir zwei Tage lang das Skifahren (unterdessen ja mit ganz anderem Material) wieder neu beibrachte. Und so schaffte ich es, wieder Freude daran zu haben. Ich fahre immer noch nicht mega super und mega schnell Ski, aber ich habe solche Freude an schönen Wintertagen, an denen man auf die Piste gehen kann, dass ich das allen empfehlen würde. Das ist wirklich ein neues Lebensgefühl im sonst so verhassten Winter. Und drum habe ich gedacht, dass es sicher gut ist, wenn die Kinder einen einfacheren Zugang zum Ganzen bekommen – zumal das FOH ein super Skifahrer ist, der auch sehr gerne auf die Piste geht. Vielleicht kannst du auch neue Freude am Wintersport bekommen?

  • Nicole
    29. Februar 2012 at 08:55

    Hihi, die beiden 1818-Typen 🙂
    Ich sehe an dieser Auszeichnung auch gar nichts Negatives. Sie wird euren Buben eine Motivation fürs Weitermachen sein!
    Die Diskussion ist doch die selbe wie diejenige, ob und wie viel man loben solle…… Am Anfang lobt man das Kind halt noch für Winzigkeiten, die eigentlich selbstverständlich sind. Mit der Zeit müssen die Kinder merken, dass gewisse Dinge eben selbstverständlich sind und sie dafür nicht immer noch ein Extra-Lob kassieren können. Das ist halt ein Lernprozess.

  • Rita Angelone
    29. Februar 2012 at 09:07

    @Nicole: Genau. Es ist einfach übel, wie aus JEDEM Thema irgendwie ein RIESENTHEATER gemacht werden kann.

  • Katharina
    29. Februar 2012 at 09:42

    @Rita: Das können gar keine Cuches sein – sie haben Haare! 😉

    Braucht es für jedes Fürzli eine Belohnung? Sicher nicht. Aber grundsätzlich ist so eine Medaille natürlich eine gute Sache. Ich denke, es kommt darauf an, was man belohnt: Ist die Belohnung dafür, besser als andere zu sein oder ist sie dafür, dass sich ein Kind besonders Mühe gegeben und gute Fortschritte gemacht hat?
    Gestern hast Du über die Strafe geschrieben: Das Lob und Belohnung sind die kleinen Schwestern der Strafe. Zuckerbrot und Peitsche. Wohlverhalten belobigen und Fehlverhalten bestrafen. Beides gehört zusammen und ist nötig, um gute, gehorsame Untertanen heranzuziehen 😉

    Ich habe selber natürlich auch gerne Belohnungen (und verteile sie auch gerne). Aber andererseits fände ich es natürlich tragisch, wenn mein Sohn verlernen würde, sich einfach so über eine gute Leistung freuen zu können und nur noch enttäuscht wäre, wenn keine Belohnung käme. Denn da sehe ich die Gefahr vom grosszügigen Verteilen von Belohnungen. Weil, im Grunde sehe ich es wie Alfie Kohn:
    „Ich wünsche mir, dass mein Kind ausruft: „Ich hab’s geschafft!“ , statt unsicher zu fragen: „War das gut?“ “

    Deshalb fand ich es eigentlich noch gut, wie die Medaillen am Berner Zweitagemarsch verteilt wurden. Dort krieg nämlich jeder eine, der durchhält! Als Belohnung für’s Durchhalten und Durchbeissen und nicht als Belohnung für eine Platzierung.

    Es ist doch verrückt: Robert F. Scott hat exakt dieselbe Spitzenleistung geliefert, wie Road Amundsen und hätte deshalb riesig stolz auf sich sein können. Aber aufgrund der Wettbwerbssituation konnte er sich überhaupt nicht mehr darüber freuen.

  • Rita Angelone
    29. Februar 2012 at 09:56

    @Katharina: nein, es braucht ganz bestimmt nicht für jeden Furz eine Belohnung, da gebe ich dir recht und wir handhaben das auch so. Diese Medaillen haben mich gefreut, weil die beiden Tage in der Skischule für die Kinder – trotz Spass und Stolz und Erfolg… – auch eine rechte Anstrengung und Überwindung darstellten. Drum dachte ich, sie sind gerechtfertigt, weil es eben auch um eine Art Durchhalten, Durchbeissen ging.
    Die Zuckerbrot und Peitschen-Sache sehe ich auch so! Man könnte z.B. das Strafen ganz sein lassen und nur noch mit Belohnung schaffen: „Wenn du mich jetzt nicht anspuckst, dann gebe ich dir eine Schoggi!“ Machen Italiener übrigens viel so. „Wenn du lieb bist, bekommst du einen Franken“ wäre z.B. auch eine Variante.
    Nein, man muss auch mit den Belohnungen aufpassen, auf jeden Fall.
    Was wir noch viel machen ist, wenn die Kinder etwas Besonderes gut gemacht haben, dann sagen wir: Super, du hast es geschafft. Wie fühlst du dich jetzt? Stärker, besser, mutiger, sicherer? So hoffen wir, dass sie ihre ganz persönliche Belohnung zu erkennen verstehen, wenn sie etwas Tolles gemacht haben.

  • Katharina
    29. Februar 2012 at 10:25

    Der Ansatz gefällt mir. Weil teilweise ist so ein Lob ja schon fast eine versteckte Beleidigung. Im Herbst war ja die (südländische 🙂 ) Grossmutter von Kurzem ein paar Tage bei uns. Sie selber fand als Kind nie Anerkennung und lobt deshalb ihre Enkel ausgiebig. So auch, als Kurzer selber auf die hohe Rutschbahn klettert und runterrutscht. Oder wenn der selber dei Treppe zur Wohnung hochmarschierte. Also Tätigkeiten die er schon lange beherrschte. Und sie immer „Bravo, bravo, toll machst du das“ oder ähnlich. Du hättest die Blicke sehen sollen vom Kurzen, das war echt „Was soll der Scheiss? Bin doch kein Bébé!“
    Wenn wegen jedem Gugus gelobt wird kommt vielleicht beim Gelobten das Gefühl auf, man nähme ihn nicht ernst oder man traue ihm nicht mehr zu.
    Ich glaube es ist gar nicht so einfach, das Gleichgewicht zu finden!!!

  • Rita Angelone
    29. Februar 2012 at 10:57

    @Kath: Eure südländische Grossmutter erinnert mich streckenweise an unsere Nonna. Mit ihrem ewigen, peinlichen Gelobe…

  • Bionic Hobbit
    29. Februar 2012 at 14:28

    Ich finde das auch ok, dass jeder eine Medaille bekommt. Sie haben ja alle die Skischule tapfer überstanden und das Rennen ist ja in dem Alter vor allem ein Runterkommen ohne Umfallen (oder auch mit…). Unser Grosser hat nun derer drei und die kleinen auch je eine. Zwei Nachteile haben die Medaillen allerdings: Man kann sie sich gegenseitig um den Kopf hauen, und man kann sie konstant verlieren (Mama, wo ist meine Medaille?)….

    Deine Jungs haben vielleicht auch das Skizeugnis der Skischulen erhalten? Das finde ich im jungen Alter eher zweifelhaft. Den ganz kleinen sagt das noch gar nichts, dass da drin steht, sie sollen noch mehr üben. Als beim Grossen letztes Jahr zum 2. Mal in der Babyklasse stand, er solle noch mehr üben, war die ambitiöse Mama eher beleidigt. Weil sie der Meinung war, er hätte das eigentlich schon mehr oder weniger gekonnt. Oder jedenfalls besser als sein Kumpel, der ein „gut“ bekam. Ausserdem kommen alle mit 5 automatisch in die höhere Klasse, weil sie sich sonst am Babyhang langweilen. Da hätte man ihm doch ein „gut“ hinschreiben können. Auch dieses Jahr hat er es echt geschnallt und kann jetzt echt skifahren, aber weil er erst am 3. Tag Lift fahren durfte, steht wieder „üben“ statt „gut“. Ihn kratzt das überhaupt nicht, aber MICH!! Tiger Mom

  • Rita Angelone
    29. Februar 2012 at 16:12

    @Bionic: Es ist tragisch, aber wahr: Deine Kommentare bringen mich zum Lachen!!! Unsere hauen sich die Medaillen zwar noch nicht um den Kopf (wir haben aber auch „nur“ zwei Kinder und im Durchschnitt etwas ältere), aber auch sie wollen sie die ganze Zeit dabei haben: im Bett, am Tisch, im Teller, im Rucksack, wollen sie jeden Tag in die Krippe / Kindegarten bringen, um zu bluffen etc. etc. Von da her wärs mir bald auch lieber, sie hätten keine bekommen, weil wir die ganze Zeit diesen Medaillen nachrennen müssen….
    Und das Skizeugnis hat mich auch etwas verwundert. Denn die ganze Zeit dachte ich, super, da geht es ums Erlebnis, um Freude, ums bitzeli Lernen – und am Schluss, paff, bekam der Kleine ein „muss noch üben“????? Der arme Kleine? Was genau muss er noch üben? Er kann ja gar nicht mehr können, als das. Natürlich habe ich ihm davon gar nichts gesagt und nur die Medaille in den Vordergrund gestellt. Das passte für mich dann irgendwie nicht mehr ganz ins Bild. Ich habe die beiden auch nicht deswegen in die Skischule gebracht, sondern einfach so. Ich habe mir gar nicht überlegt, dass sie da „bewertet“ werden. Ui, nein, zum Glück hat der Grosse, dem man solche Sachen nicht mehr wirklich verheimlichen kann, ein „gut“ bekommen. Ja, ich weiss, was du meinst, und ich weiss nicht, wie das sein wird, wenn das jetzt jedes Mal so ist in den Skiferien und Skischule…. Ich überleg mir das jetzt aber nicht mehr. – Apathische Mom –

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