Familienleben Kolumne

Alles für die Katze: Wenn Erziehungsarbeit untergraben wird

Alles für die Katze?

Wie schnell Erziehungsarbeit zunichte gemacht werden kann, wird einem so richtig bewusst, wenn man selber Kinder hat. Ist man früher auch schon vor den Augen von Kindern mit Rot über die Strasse gestöggelt, weil man es – der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel – grad so eilig hatte oder hat man in ihrer Anwesenheit auch schon geflucht und sonstige Dummheiten gelabbert, ohne zu überlegen, was man damit bei den Kindern und deren Eltern auslösen könnte, so wünschte man sich heute Leute, die sich so verhalten, mehr als nur ins Pfefferland.

Letztmals bewusst wurde mir das, als wir am Samstag auf der Autobahn Richtung Feriendestination unterwegs waren und die Buben und ich als neues Autospiel in alle Autos reinschauen wollten, die wir überholten, um zu güxeln, was sich im Inneren abspielt.

Im Auto sind die Insassen in ihrer ganz eigenen Welt und glauben sich sicher vor Blicken Dritter. So spielen sich auf der Überholspur der Autobahn die erziehungsuntergrabendsten Kurzfilmchen ab, die jeden Versuch, den eigenen Kindern die elementarsten Anstands- und Verhaltensregelen beizubringen, grad wieder kaputt machen.

Erwachsene, die am Steuer mehr als unschön essen, gedankenverloren am Handy hängen oder gar darauf Nachrichten schreiben, die sich fahrend schminken oder gar rasieren und die ungeniert tief in der Nase bohren und ihre Böögge auch noch genüsslich essen. Was soll ich meinen Buben sagen? Dass man solche Dinge oft tut, wenn man noch jung und dumm ist und keine Kinder hat, die einem unter anderem Verantwortung und Vorbildfunktion beibringen? Ich habs auf diese Tour versuchen wollen, doch prompt sind wir an einem Auto vorbeigefahren, in welchem grad die ganze Familie am Popeln war…

Auf der Rückfahrt widmen wir uns wohl besser wider den traditionellen Autospielen. Beim Automarken erkennen oder Autoschilder erraten, kann man erziehungstechnisch weniger Fehler machen!

Welche „unartigen“ Dinge beobachtet Ihr in fremden Autos? Und wann habt Ihr Euch weshalb zum letzten Mal genervt, dass Kinderlose überhaupt keine Vorbilder waren?

immer mittwochs im Tagblatt der Stadt Zürich

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1 Kommentar

  • Nicole Bertsch
    17. Oktober 2013 at 07:09

    Lieber die „unartigen“ Sachen in anderen Autos ansehen und dann in Ruhe im eigenen Auto lästern können als im Bus oder Tram mal wieder fast im Boden zu versinken, wenn der Nachwuchs lauthals kundtut, was gerade jemand anderes falsch macht….. 😉
    Beim Überqueren der Strasse bei Rot war ich schon immer sehr konsequent – erst schauen, ob nicht Kinder oder ein Polizist es sehen könnte – und erst dann rüberlaufen.
    Mein Mann hat vor einiger Zeit mal eine Frau lauthals angeschrien, als sie vor den Augen unserer Kinder bei Rot über die Strasse lief….. Das war grad‘ so heftig, dass ich das fast schon „unartig“ fand, obwohl ich meinem Mann eigentlich recht gegeben habe…..

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